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Nosferatu in Venedig (1986)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 29.04.2010, seitdem 626 Mal gelesen



Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Fassung des Bootleg-Labels Midnight Movies!

Auguste Camenitos Version von "Nosferatu", dem Phantom der Nacht, hat außer seinen Hauptdarsteller nichts mehr mit Werner Herzogs Remake des gleichnamigen Stummfilm-Klassikers von 1922 gemeinsam.

Dank des beachtlichen internationalen Staraufgebots und eines vielseitigen Soundtracks - u.a. von Vangelis - entstand vor der malerischen Kulisse der Lagunenstadt Venedig ein bildgewaltiger und sehr eigenwilliger Vampirfilm, dessen von Klaus Kinski verk√∂rperter Nosferatu voll und ganz auf den Charakter seines Darstellers zugeschnitten ist und mit s√§mtlichen Versatzst√ľcken des Genre bricht.

Kinski stellt seinen Vampir als tragische, todessehns√ľchtige Gestalt dar, die sich nichts mehr w√ľnscht, als durch die Liebe einer Jungfrau zu sterben.
Dialoge wie "Zeit hat keine Bedeutung in einem Leben, das niemals endet" stehen im krassen Gegensatz zum dämonischen Auftreten des Vampirs, der - wenn es nach der Phantasie der Autoren geht - gegen Sonnenlicht und Kruzifixe immun ist und mit der Kraft seiner Gedanken Menschen in den Tod treibt.

Autor und Regisseur Camenito inszeniert die Auftritte Nosferatus mit einer Theatralik und verleiht ihm eine Unverwundbarkeit, in dem sich das wilde, exzessive Leben des Ausnahme-Talents Kinskis wiederzuspiegeln scheint.

So verkommt "Nosferatu in Venedig" nach einem verheißungsvollen Beginn schnell zu einem Portrait des Schauspielers Klaus Kinski.
¬†Die Selbstinszenierung des omnipotenten, exzessiv lebenden und von der Gesellschaft missverstandenen Enfant terrible nimmt im Verlauf der weiteren Handlung weniger bedrohliche, als vielmehr groteske Z√ľge an und hat mit der Vampir-Thematik nur noch den Namen "Nosferatu" gemein.

Stars wie Donald Pleasence oder Christopher Plummer als Vampirjäger werden in undankbaren Nebenrollen verheizt, um dem egomanischen Trip Kinskis genug Freiraum zu lassen.
Ein Duell zwischen Vampir und seinem Gegenspieler findet kaum statt und Christopher Plummer, der nach den Gesetzen des Genre eigentlich den Vampir h√§tte besiegen m√ľssen, wird wie ein √§ngstlicher Hund aus der Handlung gepr√ľgelt, w√§hrend Kinski sich leidenschaftlichen Sexspielen mit den beiden ansehnlichen Hauptdarstellerinnen hingibt.

Am Ende des Films bleibt der tragische Kinski mit seiner verstorbenen Liebe zur√ľck und tr√§gt sie zu den Kl√§ngen sakraler Kompositionen dem Sonnenuntergang Venedigs entgegen.

Leider verliert sich die anfängliche Schauerromantik des Films viel zu schnell in der Selbstinszenierung seines Hauptdarstellers und kann letzten Endes nichts weiter als Langeweile und perfekt   fotografierte Schauwerte wie die Kulisse Venedigs oder die nackten Frauenkörper der Darstellerinnen bieten, die nicht annähernd die Atmosphäre eines Vampirfilms einfangen können.

Alles in allem ist trotz einiger blutiger Momente und spitzer Vampirzähne das Endergebnis ziemlich bisslos!


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