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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 15.02.2005, seitdem 426 Mal gelesen



Man fragt sich vorher, warum man sich so etwas eigentlich anschaut. Die Story ist bekannt, was natürlich der Dramatik in entscheidenden Schlüsselszenen etwas abträglich ist. Was will Mel Gibson als bekennender Christ darstellen? Mehr Ehrfurcht vor seiner Kirche, alte Werte wieder herauskramen und dem letzten Trottel mit dem Vorschlaghammer einbläuen, welch großes Martyrium Jesus auch für uns, also die Betrachter, auf sich nahm? Die Fixierung auf elendig ausgebreitete Gewaltakte, die in aller Brutalität dargestellt sind, legt dieses nahe und lässt kaum noch Platz für wirkliche Botschaften. Die kurzen Rückblenden aus Jesu Leben wirken wie nebensächliche Füllszenen, während sich das Drehbuch von Pein zu Pein hangelt. Immer wieder kommt der Popcornfilmer Mel Gibson ("Braveheart") mit seiner Schocktour, da wird minutenlang brutalst ausgepeitscht, bis das Kunstblut die Kulissen rot färbt und die Gläubigen im Kino die Taschentücher vollheulen. Ein Kalkül hinter der Eindimensionalität liegt nahe, bei B-Movies würde man schnell zum Begriff Exploitation greifen, hier hingegen verschafft die funktionierende Lobby Hollywoods der teuren Produktion sogar noch eine unverständliche Freigabe ab 16 Jahren für den großen Absatzmarkt. Natürlich ist die Bibel, wie sie heute existiert, an Brutalität und Gewalt mit jeder Horrorlektüre vergleichbar, hier wird die Schrift allerdings darauf reduziert. Tiefergehende Weisheiten oder gar Interpretationen sowie neuere Erkenntnisse aus Jesus Leben sucht man vergebens, nicht einmal die Qumran-Nachträge werden erwähnt. Jesus ist der heldenhafte Zimmermann aus Nazareth, wie die Rückblicke weismachen wollen, das Drehbuch hält sich da sklavisch an das unantastbare Werk der Kirche. Einzig frei dazu erfunden wurde der Dämon, natürlich in weiblicher Gestalt, ansonsten ist alles brav runtergespult und auf spektakuläre Szenen bauend umgesetzt. Technisch leistet sich der Film keine große Schwächen, mal abgesehen von der ermüdenden Erzählweise, die einem das geballte Leid um die Ohren haut. Biblische Bilder, wie man sie aus der bildenden Kunst kennt, finden sich zuhauf, in gelungenen Bildkompositionen ist das zumindest sehenswert. Die Atmosphäre ist recht schön eingefangen, mit dem pathetisch aufbrausenden Soundtrack solle man allerdings zurechtkommen, ebenso mit heroischen Zeitlupen. Als originellen Kunstgriff in den Originalsprachen aramäisch, hebräisch und lateinisch gedreht, fallen die etwas spärlichen Untertitel auf, wer zumindest Latein versteht, bekommt etwas mehr von den Dialogen mit. Was bleibt ist ein Tränendrüserdrama mit überharten Folterszenen, das eine durchgehend depressive Grundstimmung verbreitet, was nicht zuletzt an James Caviezel in der Hauptrolle liegt, der selbst schon vor seiner Verhaftung jämmerlich wirkt, aber für die hippieske Figur ist das vielleicht ganz passend. Würde die nicht Jesus heißen, sondern Heinz oder Robert, könnte man wenigstens noch sagen, dass ein anspruchsloser, exploitativer Folterfilm vorliegt, der die Fans des Genres mit expliziten Szenen schon ansprechen wird, so stellt man sich am Ende wiederum die Frage, warum man sich so etwas eigentlich anschaut.

Fazit: Statt das im Kino zu sehen, lieber die Bibel lesen, die ist unterhaltsamer. 4/10 Punkten


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