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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 2 / 10)
eingetragen am 10.08.2006, seitdem 609 Mal gelesen



Und es ward ein Prophet gekommen, zu überbringen die einzig wahre Botschaft. Die Botschaft unseres Herrn und Gottes. Er stieg hinab von den bewaldeten Hügeln, in denen der von Gott gegebene Schriftzug Hollywood wie eingemeißelt stand, und in seinen von der harten Arbeit zergerbten Händen hielt er zwei Filmrollen. Und des Propheten Name ward Mel Gibson und die Filmrollen trugen den Namen The Passion of the Christ. Und der Prophet sprach: „Höret, ihr Ungläubigen in aller Welt! Ich bin gekommen, euch auf den Pfad der Tugend zu bringen! Höret, ihr Gottlosen! Der Herr hat mir aufgetragen, euch zu berichten von den leidvollen letzten Tagen seines Sohnes, unseres Erlösers, der da kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten!“

Ach? Der Herr hat’s ihm aufgetragen? Welcher Herr? Ich erdreiste mich nicht, darüber zu richten, ob der Gott, den Mel Gibson als seine Inspiration sieht, sich wirklich solch eine Verfilmung der Leiden Jesu Christi gewünscht hat oder nicht. Kann ja gut sein, dass der Mann mit dem Rauschebart dort oben über den Wolken ebenfalls ein leidenschaftlicher Cineast ist. Ein leidenschaftlicher Cineast mit einem etwas seltsamen Geschmack. Oder war’s doch eher die heidnische Gottheit Mammon, die den bibeltreuen Christen Mel Gibson dazu getrieben hat, aus den letzten Momenten des Lebens unseres Erlösers ein Blutbad apokalyptischen Ausmaßes herauszukitzeln und dies in Hochglanz und mit allen erdenklichen technischen Mitteln zu verfilmen? Ich will Herrn Gibson nicht in seinem Glauben beleidigen, jedoch tendiere ich dann doch eher zur zweiten Variante. Offenbar um diese zu offensichtliche Intention, die hinter dem Film steckt, zu verstecken, dachte sich der Regisseur dann auch ein ganz besonderes Deckmäntelchen aus:

Hmmm… wenn ich den ganzen Mist auf aramäisch, hebräisch und lateinisch mache, sind die Dreharbeiten für die Darsteller zwar ein bisschen aufwändiger, aber dafür glaubt mir dann auch jeder, dass ich das Thema wirklich ernst nehme und auf Authentizität wert lege. Und ich spare beim weltweiten Vertrieb die Kosten für die Synchronisation. Ha!

Mit einer geschickten Marketingmaschinerie, durch die er mittels Pre-Screenings in sämtlichen Weltreligionen Aufschreie der Bestürzung und des Entsetzens provozierte, brachte er seine „Passion Christi“ weltweit ins Tagesgespräch. Die Lager spalteten sich auf in jene, die den Film unbedingt sehen wollte und diejenigen, die nichts mit solchem Schund zu tun haben wollten, aber dann wohl doch vielleicht mal einen Blick wagen würden. Gab es eigentlich irgendjemanden, der in jener Zeit nicht über die „Passion Christi“ sprach? Das Interesse der breiten Masse war geweckt. Und die Massen strömten in die Lichtspielhäuser ihrer Wahl, um den auf Hochglanz polierten Independent-Film über einen Knaben zu schauen, den sie sonst nur vom Hörensagen mal irgendwie mit Weihnachten in Verbindung gebracht haben. Religion verbindet! Und sei es nur die Religion der Sensationsgier, des Strebens nach „Ich war damals auch dabei“-Erzählungen Jahre danach… Klassisches Eigentor, denn Mel Gibson erschuf mit „The Passion of the Christ“ keineswegs ein Meisterwerk, mit dem er sich unsterblich gemacht haben könnte. Es ist vielmehr ein über weite Strecken langweiliger Film entstanden, der lediglich durch seine schonungslose, sinnlose Darstellung von Gewalt in Erinnerung bleibt.

Und dabei beginnt der Film so viel versprechend, geht recht detailliert auf die Geschichte vor der Gefangennahme, Verurteilung, Folter und Kreuzigung Jesu ein, und entpuppt sich so als nette Religions-Nachhilfestunde. Aber dann begeht Gibson den Schnitt, der aus dem Film nicht die gewünschte, liebevolle Auseinandersetzung mit der Materie macht, sondern eine blutige, durchweg geschmacklose Folter-Dokumentation, von der man sich jederzeit fragt: Muss das sein? Ich stelle nicht in Frage, dass es Jesus Christus tatsächlich so erging, aber die Darstellung der Qualen, so wie Mel Gibson sie hier wählt, wirkt doch zu sehr Effekt heischend. Ja, klar… er wollte seinem Publikum verdeutlichen, welche Qualen unser Erlöser erleiden musste, um uns von unseren Sünden zu befreien. Aber irgendwie klingt diese Intention auch lange nach Betrachtung des Filmes mehr als fragwürdig nach…

Tja, welches Fazit soll man sich jetzt zu diesem Film schaffen? Der Film hat mich beschäftigt, innerlich aufgewühlt. Aber keineswegs so, wie es der Filmemacher wohl wollte. Und wem sollte man diesen Film empfehlen? Splatter-Freunden? Keineswegs. Für diese Zielgruppe gibt’s genügend andere Filme, die einen nicht so ernsten Hintergrund haben und daher auch leichter konsumierbar sind. Streng Gläubigen? Wohl auch nicht. Dann doch lieber die traditonellen Bibelverfilmungen, die das Thema ebenfalls behandeln, und dabei eine bei weitem nicht so fragliche Intention haben. Ach, ich empfehle diesen Film einfach mal überhaupt nicht!

Und der Prophet stieg wieder hinauf auf die bewaldeten Hügel, in denen der von Gott gegebene Schriftzug Hollywood wie eingemeißelt stand, die Taschen voller Gold und dachte so für sich: Und in fünf Jahren ist Mohammed dran… Harr Harr Harr… 2/10


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