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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 22.03.2008, seitdem 331 Mal gelesen



Zu kaum einem anderen Film fällt die Bewertung so schwer wie zum umstrittenen Passionsfilm von Mel Gibson, die letzten Stunden im Leben von Jesus Christus - vom gebet im Garten Gethsemane bis zur Kreuzigung und Auferstehung. Jim Caviezel spielt Jesus, in weiteren Rollen agieren unter anderem Monica Bellucci und Maia Morgenstern.

Mel Gibson wollte mit "Die Passion Christi" die 'enorme Größe des Opfers Christi' begreiflich machen. Die Frage, die sich nun stellt, ist aber diejenige, ob das Maß dieser Verfilmung dem gläubigen Christen zu weit geht. Übersteigt dies alles die Vorstellungskraft, die damaligen Verhältnisse und die Art, wie uns heute die letzten Stunden Jesu vermittelt werden? Meiner Meinung ganz klar: Nein.
Die Handlung wurde (für eine Hollywood-Produktion) bis auf kleine Einzelheiten ziemlich genau den Evangelien entnommen, das, worauf es der Mel-Gibson-Verfilmung ankommt, ist das 'Wie' und alles, was in Gibson's graphische Darstellung hineinzuinterpretieren ist. In Mel Gibson's Version verschwimmen die Grenzen von Theatralik und Übertreibung im Gegensatz zur Realität. Es ist nicht exakt gekärt, wie extrem die Römer mit den Gefangenen damals tatsächlich umgingen, in dieser Verfilmung kommt man der Wahrheit allerdings bedenklich nah, möglicherweise ist man auch etwas übers Ziel hinausgeschossen. Dass dies für den ein oder anderen schwer zu verkraften ist, mag sein, doch man sollte aber die Augen dann vor der Realität nicht verschließen. Somit muss man den Kritikpunkt 'Gewalt' doch um einiges entschärfen, da dieser Punkt doch oft zu hoch aufgebauscht worden ist.

Was wichtig ist: Die Message aus der zweistündigen Quälerei ist eindeutig. Jesus ist der Held. Kein Antiheld, kein zwiespältiges Schwert, nein, der glasklare Protagonist. Das Stilmittel der Gewalt wird sehr prägend zur Überzeugung dieser Tatsache eingesetzt. Und wer dies nicht erkennt, hat den Film möglicherweise nicht verstanden. Weitere Indizien ergeben sich darin, dass Jesus' letzte Worte lauten: 'Vater, in deine Hände begebe ich meinen Geist!', und nicht etwa 'Mein Gott, warum hast du mich verlassen?'. Ein weiteres Detail offenbart sich darin, dass Jesus mit erhobenem Haupt stirbt und dieses nicht neigt, so wie in der Bibel geschrieben.
Weiterhin erweisen sich die Rückblenden, die ab Jesus' Auslieferung immer wieder eingesetzt werden als sehr authentisch. in ihnen erwirkt Jesus als Prediger Einfühlsamkeit, Sympathie und Überzeugung - kurz, für den Kinozuschauer erweckt er tiefstes Mitgefühl als Gefangener und lässt eine richtige innere Abscheu gegen die abartig lachenden Römer entwickeln. Am deutlichsten ist dies wohl in der Szene, wo Jesus ans Kreuz genagelt wird - während er die Nägel durch die Hände geschlagen bekommt, wird zurückgeblendet auf das letzte Abendmahl, wo Jesus das Brot teilt und zur Gabenbereitung spricht. Später auch noch, wenn man Jesus den nassen Schwamm zum Kreuz hochreicht. Dann wird der zweite Teil der Gabenbereitung gezeigt. Dies verleiht dem Film zusätzliche Authentizität.

John Debney's Score bewegt sich zwischen Klischee (altertümliche Choralgesänge) und Überzeugungsunterstützung; in vielen Szenen schafft er es, das drastisch Gezeigte passend zu untermalen. Hübsch auch die Kamera, die immer wieder zur Perspektive Jesus' wechselt. Es wurde wirklich viel getan, um den Leidensweg Jesu so deutlich, impressiv und berührend wie möglich zu gestalten. Und das gelingt Mel Gibson & co. auf ganzer Linie. Jedoch kommt der Film im Ganzen nicht um einige Nuancen an Längen herum, die Spannung wird reduziert, nicht aber die Dichte der Atmosphäre. Da wäre eventuell noch das ein oder andere herauszuholen gewesen. Den gewaltigen Gesamteindruck des Werks stört dies dennoch nicht.

Nun fällt es schwer, ein Fazit zu bilden. Für mich ist es jedoch eindeutig, dass Mel Gibson's "Passion Christi" (2004) eine Interpretation der finalen Stunden Jesu ist, die mehr als in Ordnung geht. Jesus ist der eindeutige Held, so drastisch das formuliert sein mag. Niemand kann den eindeutigen damaligen Ablauf bestimmen, von daher kann man auch nicht festlegen, inwieweit sich Gibson vom originalen Szenario entfernt hat. Für mich kommt es der Perfektion jedoch ziemlich nah. Über das Maß an Gewalt darf man diskutieren, für mich aber als überzeugender Faktor wichtig und wahrscheinlich auch real.
Aus röm.-katholischer Sicht und nach reiflicher Überlegung gute 8 von 10 Punkten.


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