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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 11.04.2016, seitdem 96 Mal gelesen



Die Geschichte, die hier erzählt wird, handelt von den letzten Stunden von Jesus von Nazareth. Er wird für ein paar Goldmünzen von Judas verkauft und von den Hohepriestern gefangen genommen. Diese wollen ihn ihrem Stadthalter übergeben, damit dieser über Jesus richtet. Doch dieser zögert und reicht die Entscheidung vorerst an König Herodes weiter. Doch auch dieser will nicht über Jesus richten und gibt die Entscheidung zum Stadthalter zurück. Und dieser entscheidet, dass die Menge ihr Recht bekommt, und Jesus ans Kreuz geschlagen werden darf.

Nachdem er im Kerker war und mehrmals von der Bevölkerung verspottet worden ist, wird er dazu gezwungen sein eigenes Kreuz auf den Hügel hinauf zu schleppen. Als er dies vor Erschöpfung nicht mehr bewältigen kann, muss er Hilfe bekommen, damit er entsprechend gekreuzigt werden kann.

Die Geschichte ist hinlänglich bekannt. Es gibt keine Überraschungen, denn so ist es passiert, so lernt man es in der Schule. Deshalb gibt es hier auch keinen Spoiler-Alarm, denn welche neuen Erkenntnisse sollte man sich hier erwarten? Viel wichtiger ist hier doch wie das Ganze dargestellt wird und wie es vor sich geht.

Von allen "Bibel-Filmen", die ich in meinem Leben je gesichtet habe, ob freiwilliger oder unfreiwilliger Natur, ist dieses Werk hier das absolut eindrucksvollste. Ob man gläubig ist oder nicht spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, denn auch "Ungläubige" können nachvollziehen, was sich da auf der Leinwand abzeichnet. Und es sind mehrere Charaktere und Elemente, die diesem Film hier eine ganz besondere Note geben:

1. Die Sprache
Diese ist Aramäisch, was heute kaum noch gesprochen wird. Laut Informationen des Booklets wurde dafür sogar extra ein Professor zurate gezogen. Das hat natürlich den Nachteil, dass der gesamte Film untertitelt ist, wahlweise in Englisch oder Deutsch, aber gerade auch das macht hier das Besondere aus. Es wirkt dadurch absolut glaubwürdig und ist trotz des vielen Textes leicht zu verstehen. Einige Brocken Latein kann ich so verstehen, da brauche ich sogar noch nichtmal Untertitel. Das rückt die Schauspieler natürlich wieder ins besondere Licht, denn selbst unsereins kann teilweise in Englisch Emotionen noch nicht mal richtig transportieren. Wie also soll das gelingen, wenn man auch noch eine Sprache sprechen muss, die man selbst nicht versteht? Ich finde jedenfalls, dass es fantastisch gelingt. Kritiker sind allerdings der Ansicht, dass gerade die lateinische Sprache im Film falsch dargestellt wurde, denn sie ist eher dem heutigen Italienisch ähnlicher als dem wirklichen Latein.

2. Die Bildqualität
Verglichen habe ich diese nicht, aber die Blu Ray bietet ein exzellentes, ruckelfreies Bild an. Gerade auch, was die dunklen Szenen angeht, wurde hier ganze Arbeit geleistet. Dabei kommt man sich aufgrund der Farbgestaltung wirklich vor wie in einem Monumentalfilm, denn es hat manchmal den Anschein, als ob der Film in einem Kupfer-Braun-Ton gedreht worden ist, ganz wie es den Vorstellungen der damaligen Zeit entspricht. Dabei tun Kleidung und Darstellung der Gebäude ihr Übriges dazu bei, dass man sich wirklich in die Zeit von Babylon zurückversetzt fühlt. Besonders gelungen sind teilweise die Darstellung von Himmel, man nehme da nur die Szene mit der Kreuzigung.

3. Effekte
Natürlich kann man keine Science-Fiction-Effects-Show erwarten, aber das, was man hier sieht, ist recht gut gemacht. Man fühlt praktisch mit als Jesus ausgepeitscht wird, gerade auch, als die "Neunschwänzige Katze" verwendet wird. Da fließt doch recht ordentlich Blut für einen solchen Film. Das ist ja auch das, was manche diesem Film ankreiden wollen: Er ist zu brutal. Gerade die Härte macht es aber umso begreiflicher eine entsprechende Empfindung beim Zuschauer zu kreieren. Rein optisch sind die dargestellten Wunden aber auch die Hölle selbst, die ganz kurz auftaucht, exzellent gelungen.

4. Die Erzählweise
Es werden zwar nur die letzten Stunden des Leben Jesu erzählt, aber in Rückblenden werden die entsprechenden anderen Anteile, die für die biblische Erzählung wichtig sind, mit eingebracht. Da wird weder das letzte Abendmahl noch der Verrat von Petrus ausgelassen, denn er wird Jesus dreimal leugnen, ganz wie es in der Bibel steht. Auch Rückblendem aus Jesu Vorgeschichte werden so mit erschlagen und sind weder aufdringlich noch störend im Handlungsfluss.

5. Die Musik
Es gibt wenige Filme, wo ein Score dermaßen passend ausgewählt worden ist. Dabei mischen sich orientalische Klänge und Gesänge in klassische Melodien mit hinein, die das Leid des dargestellten Bildes nur umsomehr verstärken. Allein schon deswegen ist der Sountrack lohnende Anschaffung.

6. Die Charaktere
Es gibt mehrere Charaktere, die einen hier richtig begeistern können, und da möchte ich gar nicht Jesus als erstes nennen, sondern Maria. Maia Morgenstern, eine rumänische Schauspielerin, spielt die Maria hier sehr sehr eindrucksvoll und mit extrem viel Gefühl. Man kann ihr Leid, was eine Mutter für ihren Sohn empfindet, förmlich spühren und gerade deshalb ist sie zwar nicht der Hauptcharakter aber für mich der am meisten präsenteste. Erst dann kommt Jesus selbst. Mal ehrlich: Welcher Schauspieler würde sich schon zutrauen, Jesus selbst zu spielen, denn man kann da eine Menge falsch machen und sich vielleicht sogar den Hass der Fundamentalisten auf sich ziehen. Jim Caviezel hat seine Sache hier aber großartig gelöst. Das Leid, was er ertragen muss, kommt hier natürlich durch die vielen Wunden stark zum Tragen, denn es scheint fast jeder Jesus irgendeine Wunde zugefügt zu haben. Dabei sind es gar nicht die körperlichen, die hier so eindrucksvoll dargestellt sind, sondern vor allem die seelischen, die allen voran durch Judas ihren Weg in die Passion fanden. Die Einzige, die hier ohne diesen Film bereits bekannt war, ist Monica Bellucci. Sie spielt hier die Maria Magdalena, aber sie ist neben Maia Morgenstern einfach nur eine Randerscheinung. Sie macht ihre Sache gut, kommt allerdings nur durch ihr Äußeres Optisches zur Geltung, denn sie ist wie Maria gekleidet, was beide Frauen meist im Doppelpack aus der gesamten Menge herausstechen lässt. Der vierte Charakter wird von Rosalinda Celentano gespielt und weiß im Film fast gar nicht eine richtige Rolle darzustellen, denn man weiß einfach nicht, wer diese Person ist, und das bleibt im Film selbst ein wenig im Dunklen. Sie hat mit Adriano Celentano einen berühmten Vater. Hier ist sie durch ihre Optik und Stimme recht gut präsent. Es hätte allerdings eine etwas ausgereiftere Rolle ihr etwas besser getan, denn man kann nur vermuten, dass es sich bei der Darstellung um den Teufel handelt.

Es gibt viele, vielleicht sogar sehr viele Menschen, die diesen Film nicht mögen und ihn enstprechend kritisiert haben, und nicht wenige davon gehören irgendeiner Kirche oder Glaubensrichtung an. Dabei vergessen viele aber auch, dass ein Film in erster Linie immer noch Kunst ist, und sei er auch noch so authentisch gedacht. Gerade anhand der Teufelsdarstellung wird dies doch deutlich, denn dieser war mit Sicherheit nicht Teil der Erzählung in der Bibel.

Aus meiner Sicht ist die Umsetzung hier aber fantastisch gelungen und es gibt wie ich finde keinen zweiten auch nur annähernd ebenbürtigeren Film über den Glauben. Dabei ist es doch eigentlich als positiv anzusehen, wenn sich viele Menschen, egal aus welchem Grund, diesen Film ansehen, denn diese erfahren so ganz neben bei einen Teil des Kernglaubens des Christentums, ob sie es nun glauben oder nicht, und darüber sollte jeder Geistliche doch froh sein, denn dieser Film hat mehr Leute vor die Mattscheibe gebracht, als es wahrscheinlich eine Messe in der Kirche über einen Monat lang täte, vielleicht sogar länger. Gerade deshalb ist die Kritik an diesem Werk vor allem der Kirche nicht zu verstehen, denn was diese in der heutigen Zeit nicht schaffte, hat Mel Gibson mit seinem Werk hier vollbracht: Die Auseinandersetzung und Diskussion über Glauben, Wahrheit und Legende. Und deshalb gibt es von mir hier auch 10/10 Punkte.

Fertig!


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