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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 2 / 10)
eingetragen am 20.03.2004, seitdem 863 Mal gelesen



Wo gebetet wird, da wird geblutet, zumindest in der, laut Mel Gibson, einzigen Wahrheit die es zum Thema Jesus und Leidensweg des Selbigen gibt. Da Mel Gibson ebenso im Vorfeld bereits alle Kritiker bezichtigt hat mit dem B├Âsen im Bunde zu stehen, geh├Âre ich wohl in die tiefsten Abgr├╝nde der H├Âlle, denn etwas anderes als Kritik gibt es von mir f├╝r dieses Machwerk, eine Art Braindead (darf man im Bezug auf den Film durchaus w├Ârtlich nehmen) f├╝r christliche Fanatiker, nicht.

Bevor ich mich also gleich auf den Weg mach zum Geh├Ârnten, der laut Mels Weltansicht ├╝brigens eine Frau ist und dem W├╝rmer aus der Nase und eine Schlange aus dem Rock fallen, schauen wir doch mal was wir hier in zwei Stunden pr├Ąsentiert bekommen. Da w├Ąre zun├Ąchst mal der Verrat Jesu durch Judas, der in einem recht nett choreographierten, in sch├Ânster Zeitlupentechnik pr├Ąsentierten Kampf, im Kunstnebel durchflossenen und auch sonst recht k├╝nstlich und billig aussehenden Garten Gezehmane statt findet. Dabei geht dann auch schon mal ein r├Âmisches Ohr verloren, doch Jesus legt kurz die Hand auf und die H├Ârmuschel ist wieder dran. So weit so seltsam.

Weiter geht es dann mit Jesus vor den Pharis├Ąern, die ihn mit samt dem Volk direkt erst mal verurteilen, selber aber kein urteil sprechen k├Ânnen und sich deshalb auf machen und den vor Herzensw├Ąrme und Gutmenschlichkeit nur so strotzenden Pontius Pilatus aufsuchen, der nach einem kurzen Zwiegespr├Ąch mit Jesus selbigen zur Folter verurteilt, damit das Volk (also die Juden) Ruhe geben. Wer sich auch nur ein wenig geschichtlich auskennt d├╝rfte sich sp├Ątestens hier ├╝ber die Wahrheit Mel Gibsons wundern, war Pilatus doch als gnadenloser und kn├╝ppelharter Herrscher bekannt, der wenig mit Dingen wie Gnade, Mitleid und Gewissen anzufangen wusste.
Bevor es aber nun mit dem Gesplatter losgeht wird der Angeklagte noch kurz in die Schwulenbar von Herodes gebracht, der aber lieber noch einen trinkt und sich au├čerdem auch nicht richtig geschminkt hat. Wenigstens sitzt die Per├╝cke schlecht.

Dann geht es aber auch schon los und es ist Schluss mit (unfreiwillig) lustig. Die n├Ąchste Viertelstunde wird dem Zuschauer detailliert gezeigt wie ein normaler Stock sich im Vergleich zu einer Neunschw├Ąnzigen Katze bei Kontakt mit dem menschlichen K├Ârper verh├Ąlt. Der Hauptunterschied liegt darin dabei, dass eine normale Auspeitschung zwar schmerzhaft ist, aber es wenigstens kein spritzendes Blut und wild durch die Gegend fliegenden Fleischst├╝cke gibt.
Bei diesen Szenen scheint sich Mel Gibson voll ausleben zu k├Ânnen. Immer wieder wird direkt draufgehalten, das Blut spritzt, die Haut l├Âst sich und die Kamera h├Ąlt immer feste drauf. Das hier nach einem kurzen Schockmoment recht schnell eine Art S├Ąttigung beim Publikum stattfindet und die Gewalt ihre absto├čende Wirkung zu verlieren droht und nur Mitleid f├╝r einen weiter feste mit der Kamera draufhaltenden Mel Gibson bleibt, scheint selbigem da schon entgangen zu sein. So muss man weiter zu sehen wie James Caviezel sich langsam aber sich vollends der Tricktechnik bzw. Maskentechnik hingibt und in Zeitlupe, wahrscheinlich muss man froh sein das man nicht noch das Fleisch in Bullet Time durch die Gegend fliegen zu sehen, weiter gefoltert wird.

Nach diesen viel zu ausgedehnten Folterungen, die eine Freigabe des Films ab 16 wie einen schlechten Witz aussehen lassen, und der anschlie├čenden Kr├Ânung des Gepeinigten mit der obligatorischen Dornenkrone geht es auch schon auf den Weg zur Kreuzigung. Nat├╝rlich darf Pilatus vorher noch kurz die H├Ąnde in Unschuld waschen, wir wollen ja schlie├člich nix vergessen. Und so macht sich Jesus auf den Weg, hat dabei immer sch├Ân sein in einigen Szenen wundervoll als Plastik zu entlarvendes, Kreuz dabei und wird auch weiterhin gepeitscht und vom Volk ordentlich vertrimmt. Das er hier bereits aussieht wie langhaariges Hackfleisch und sein Blutverlust die Wissenschaft L├╝gen straft scheint Bestandteil von Gibsons Wahrheit zu seien.

Als man schlie├člich am Ort des Geschehens ist gibt es noch mal etwas von Gibsons obsesivem Bluteinsatz, als Jesus in Gro├čaufnahme ans Plastik genagelt wird. Dazu gibt es eine der wohl unangenehmsten Armbruchszenen der Filmgeschichte, von der selbst Knochenbrecher Nummer 1 Steven Seagal f├╝r zuk├╝nftige Filme noch was lernen kann. Als ob das alles nicht schon genug w├Ąre wird auch noch der Mann am Kreuz links von Jesus nach einigen Sp├Âttischen Bemerkungen von einer Kr├Ąhe heimgesucht, die mit ihrer Augenausstechnummer wohl jederzeit auch einen Job in Robert Rodriguez "Once upon a time in Mexico " h├Ątte bekommen k├Ânnen. Nach weiterem Blutvergie├čen (wo kommt das eigentlich alles her?) ist es dann auch schon fast geschafft, es wird nur noch kurz der Tempel geteilt, was dann wieder eher nach Trash Katastrophenfilm aussieht und schon sind wir erl├Âst von dem was Mel Gibson da fabriziert hat. Ach so, nat├╝rlich gibt es noch die Auferstehung in einer kurzen Szene am Schluss, da l├Ąsst zun├Ąchst jemand die Luft aus Jesus┬┤ Leichentuch und anschlie├čen latscht selbiger mit riesen L├Âchern in der Hand (wenn das mal nicht schon die zweite Parallele an Robert Rodriguez ist) ansonsten aber unversehrt aus der H├Âhle.

Somit ist es Mel Gibson wirklich gelungen einen der grausamsten Filme des Jahres zu drehen, der aber bei n├Ąherer Betrachtung erschreckend wenig hinter all dem Blut und zerfetztem Fleisch zu bieten hat. Da regieren zumeist Kitsch und Pathos, auf die Spitze getrieben in der Szene als wir Maria, die Mutter Jesus sehen wie sie ihrem mit dem Kreuz gest├╝rztem Sohn entgegen eilt und dazu parallel immer wieder zu sehen ist wie sie zu ihm eilt als er als kleiner Junge st├╝rzt. Auch die anderen R├╝ckblenden die Gibson verwendet und die eine Art "Best of Jesus" darstellen, wirken unpassend, da sie doch zeigen wie der Film h├Ątte sein k├Ânnen wenn Gibson versucht h├Ątte mehr zu zeigen als Folter und Gewalt. Da Gibson neben seinem Hauptdarsteller weitestgehend auf bekannte Darsteller verzichtete gibt es nur Monica Bellucci als Maria Magdalena zu sehen, sagen darf sie aber im gesamten Film kein Wort.

Der Vorwurf des Antisemitismus der dem Film gemacht wurde, ist sicherlich ├╝berzogen, aber das Volk der Juden wird doch als mordl├╝sterne, blutgeile Masse gezeigt, die letztlich mit Barrabas dann auch lieber einen ├╝berf├╝hrten M├Ârder frei haben will als Jesus und auch den armen, bemitleidenswert netten Pontius Pilatus dazu bringen den Mann zu kreuzigen. So ist die Darstellung doch alles andere als gl├╝cklich.

Als Fazit bleibt somit zu sagen, das Mel Gibson einen Film geschaffen hat, der durch extreme Gewalt f├╝r einen kalkulierten Skandal gesorgt hat und letztlich aber nur die Gewaltgeilheit eines konservativen Gl├Ąubigen zeigt, f├╝r den sich die Religion ├╝ber die Folter und die Zerst├Ârung des Fleisches definiert. Das er damit sicherlich wenig neue Fans f├╝r seinen Glauben gewinnen wird scheint ihm egal gewesen zu sein. Mir als Nichtgl├Ąubigem ist dieser Film jedenfalls extrem bitter aufgesto├čen, da er in seiner ganzen Machart auf nicht einmal Mittelm├Ą├čigem Hollywood Niveau rangiert und zudem eine mehr als fragw├╝rdige Botschaft ├╝bermittelt, die zudem dem Zuschauer nicht durch eine mitrei├čende Geschichte oder eine interessante Charakterisierung pr├Ąsentiert wird, welche man zum Beispiel in "Die letzte Versuchung Christi" sehen konnte, sondern einzig einen Folterfilm, wie es sie zu Hunderten gibt, nur das diese dann nicht mit einer FSK 16 Freigabe in die Kinos kamen.

So und jetzt werde ich dem Wunsch des Regisseurs entsprechend als Kritiker des ganzen zur H├Âlle fahren, aber nicht ohne vorher die Punktzahl f├╝r dieses Machwerk zu verraten: 2 von 10.


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