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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 1 / 10)
eingetragen am 21.03.2004, seitdem 1421 Mal gelesen



Stirb Langsam - das Original

Es kam was kommen musste: Mel Gibson, Mr. Pathos höchstpersönlich, kratzte tatsächlich genug Kohle zusammen und hat sich seinen persönlichen Jesusfilm finanziert. Jetzt darf ihn alle Welt sehen, und ich denke mir, warum nur hatte man Gibson immer so hohe Gagen gezahlt.

Herausgekommen ist jedenfalls eine Passionsverfilmung, deren Sinn äußerst fragwürdig erscheint. Gibson beschränkt sich fast ausschließlich auf die breite visuelle Schilderung der physischen Leiden auf dem Weg zur Kreuzigung. Damit schließt er jedwede kritische Betrachtung des Stoffes, nähere Hinterfragung des Christentums an sich, Eigeninterpretation, und auch jegliche inhaltliche Botschaften aus. Ich bin kein wirklicher Bibelkenner, aber die Leidensgeschichte hat ein inhaltliches Potential jenseits der bloßen Gewaltdarstellung.
Gibson, verblendet von seinem religiösen Fanatismus, macht aus dem Mythos ein reines Massaker. Stilistisch irgendwo zwischen Horror, Splatter und Braveheart, lässt er kaum eine blutverschmierte Nahaufnahme, keine überdramatische Slomo aus. Wenn Jesus röchelt und wimmert, ist sein blutdurchtränktes Gesicht immer in Großaufnahme zu sehen. Wenn er gefoltert wird, oder kraftlos in den Dreck fällt, geschieht das immer in Zeitlupe. Beim Kreuzgang passiert das gar so oft, dass es nicht nur langweilig wird, sondern richtig nervt. So schafft Gibson nicht mal das, was er eigentlich mit dem Film will: Je länger das ganze dauerte, desto mehr genervt und gelangweilt war ich vom Gezeigten – von Mitgefühl keine Spur. Ist auch verständlich, denn durch die bloße Gewaltdarstellung alleine schafft man keine emotionale Intensität, sondern höchstens Ekel und Abscheu, und noch nicht mal das bei etwas abgebrühteren Zuschauern. Zumal die inhaltlichen Schlüsselszenen (Rückblenden zum Abendmahl,…) bloße hohle Anspielungen und die vielen weinenden und leidenden Nebenpersonen (wie seine Mutter) nur oberflächlich dargestellt werden. Auch die völlig deplazierten Horroreinlagen, wie die billigen Schockeffekte am Anfang oder die stereotype, völlig reduzierte Darstellung der teuflischen Mächte, tragen dazu bei, dass man Gibson noch nicht einmal die Brutalität abnimmt.

Was bleibt, ist also ein primitives Schundfilmchen, das mit seinen sehr einseitigen, plumpen (Gewalt-) darstellungen eher zu Fanatismus und Hass aufstachelt, obwohl Jesus ja eigentlich seine Nächstenliebe-Botschaft bis zum Tod predigt. Was den Antisemitismus angeht, so geht der Film zwar nicht bewusst in diese Richtung, aber ist in seiner Eindimensionalität dahingehend zumindest grob fahrlässig. Und die Ungläubigen? –Denen wird unwiderrufbar ihre Wertlosigkeit klargemacht: In einer an Intoleranz und Demagogie kaum zu übertreffenden Szene wird dem bösen Ungläubigen am Kreuz neben Jesus als Strafe von einem Raben das Auge ausgehackt. Was für eine Steinhammerpredigt! Da fehlt bloß noch das obligatorische Happy-End: Der Messias darf in einer wirklich kurzen, unreflektiert eingeschobenen Auferstehungssequenz ins Licht gehen.

Das ganz Schlimme ist nicht mal, das Mad Mel nach "Wir waren Helden" und "Braveheart" nun endgültig das Genre des ideologischen Hochglanz-Pathos-Splatter ins Leben gerufen hat. Sein Jesusfilm ist auch kein Stück weniger kommerziell als alles andere: Er hat ihn zwar selbst finanzieren müssen (wollen), aber der Erfolg, und das war ihm sicher klar, ist im heutigen Amerika mit der richtigen Werbekampagne kaum zu verfehlen. Wirklich bedenklich und bedrohlich wirkt auf mich viel mehr die amerikanische Reaktion auf den Film: Sie vergöttern ihn geradezu und überschütten sich mit Lobpreisungen. Sie kaufen Allah-äh...Verzeihung, Jesus-Shirts und Nagelimitate, stürmen die Kinos und identifizieren sich mit dieser agressiv-aufstachelnden Form des Christentums. Nur noch ein kleiner Schritt zum Fundamentalismus - Gott segne Amerika.

Man hätte das Ende des Filmes wegschneiden und es durch das von Monty Pythons "Life of Brian" ersetzen sollen - was wäre das für ein stilistischer Quantensprung geworden. Herrlich! Und das hätte man am besten heimlich tun müssen, als den Film noch keiner zu Gesicht bekam. Always look on the bright side of death...
1/10, weil es keine kleinere Bewertungsstufe gibt.


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