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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 1 / 10)
eingetragen am 24.03.2004, seitdem 811 Mal gelesen



Mel Gibsons "The Passion Of The Christ" handelt von den letzten 12 Stunden im Leben von Jesus von Nazareth. Der Heiland wird von Judas verraten, von den Juden wegen Ketzerei vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus gezerrt und das aufgebrachte Volk verlangt, dass er hingerichtet wird. Der Statthalter, welcher Jesus eigentlich fĂŒr unschuldig hĂ€lt, sieht sich vor ein ernstes Problem gestellt: Egal ob er sich dafĂŒr oder dagegen entscheidet, ein Volksaufstand ist vorprogrammiert. Nachdem er den Pöbel nicht damit zufrieden stellen konnte, dass er Jesus stundenlang foltern lĂ€ĂŸt, gibt er dem Druck nach und entscheidet, dass Jesus gekreuzigt wird. Und nun noch ein Spoiler fĂŒr die ganz Gespannten: Ja, er wird am Ende gekreuzigt. Und ja, trotzdem gibt es ein Happy End, denn Jesus lebt!

Viel hatte man von diesem kontroversen Film im Vorfeld gehört: Er sei antisemitisch, die Folter- und Kreuzigungsszenen habe es niemals in dieser IntensitĂ€t in einem Film zusehen gegeben und der Papst soll nach einer TestvorfĂŒhrung gesagt haben: "Genauso war es."

Dass man keinen Unterhaltungsfilm erwarten durfte, in dem sich der Held am Ende an den Bösewichtern rĂ€cht, war wohl klar und wĂŒrde natĂŒrlich auch nicht mit der Aussage der Jesus-Geschichte ĂŒbereinstimmen: Man soll den TĂ€tern vergeben, denn sie wissen nicht, was sie tun und Jesus starb am Ende fĂŒr die SĂŒnden der Menschen. The Passion Of The Christ ist ein todernster Film ĂŒber das Leiden Christi und um etwas anderes geht es dabei auch nicht. Es bleibt nicht mal Zeit, die Charaktere nĂ€her vorzustellen. Gibson ging wohl davon aus, dass ein guter Christ sie eh kennt. Nach dem Verrat durch Judas folgt eine Gewaltorgie, wie man sie in ernsten und gut gemeinten Filmen bisher selten zu sehen bekommen hat. Der arme Jesus wird von den Römern durchgehend geschlagen, getreten und auf alle möglichen sonstigen Weisen maltrĂ€tiert. Und dann wird er auch noch verhöhnt, was das Zeug hĂ€lt. Abwechselnd sind Bilder vom leidenden Jesus, rachsĂŒchtigen Juden, betrunkenen und gutgelaunten bösen römischen Soldaten und heulenden und geschockten Jesus-AnhĂ€ngern zu sehen. Das Ganze wird 126 Minuten lang auf die Spitze getrieben.

Dabei ziehen sich die Folter und der Weg zur Kreuzigung so schleppend dahin, dass man bald glauben möchte, der Film sollte in Echtzeit gedreht werden. Der total ĂŒbertriebene Einsatz von Zeitlupen (bestimmt mehr als die HĂ€lfte des Films bestand aus Zeitlupe) geht schnell an die Nerven. Dazu wird man permanent von kitschiger Musik bombardiert, die zusĂ€tzlich zu den kitschigen Szenen auf die TrĂ€nendrĂŒse drĂŒcken soll. Die an sich interessante Idee, dass - der AuthentizitĂ€t wegen - lediglich in hebrĂ€isch und lateinisch gesprochen wird, schadet dem Film jedoch insoweit, als es doch ziemlich anstrengend und ungewohnt ist, zwei Stunden lang Untertitel zu lesen. Und damit der Film auch ins Hollywood-Raster passt, gibt es dann zum Schluss noch mit der Auferstehung ein Happy End.

Nennt mich kaltherzig, aber durch die klischeehafte ĂŒbertriebene Darstellung konnte ich keine Sympathien fĂŒr irgendwelche Charaktere entwickeln und die Folterszenen verfehlten vollkommen die beabsichtigte Wirkung. Statt durch das viele Leid missioniert zu werden, wie es der fanatisch glĂ€ubige Gibson wohl beabsichtigt hatte, macht sich schon nach zwanzig Minuten Langeweile und Ärger darĂŒber breit, fĂŒr wie dumm er den Zuschauer eigentlich hĂ€lt.

Kann sein, dass ich mich irre, aber ganz genau hat sich Gibson auch nicht an die Vorgaben in der Bibel gehalten. Obwohl er die Geschichte doch so authentisch erzĂ€hlen wollte: So wird Jesus im Film z.B. von einem der anderen beiden Mitgekreuzigten verhöhnt, weil er als Sohn Gottes nicht in der Lage sei, vom Kreuz hinab zu steigen. DafĂŒr kommt dann ein Vogel geflogen und pickt dem gemeinen UnglĂ€ubigen das Auge aus. Oder was hatte es mit diesem fiesen schwarzen Mann auf sich, dem Maden aus der Nase kriechen und der immer als dunkler Beobachter die Szenerie mit Genugtuung verfolgt? Das war wohl der unbeholfene Versuch, eine Teufelsfigur in den Film zu integrieren, wovon ich persönlich noch in keiner biblischen Geschichte gehört habe. Allerdings bin ich kein Spezialist in biblischen Fragen und sollte ich mich irren, möge man mir verzeihen. Die Darstellung des Teufels war jedenfalls das LĂ€cherlichste am ganzen Film. Neben dem Monster, das Judas in seinem Wahn sieht.

Man kann dem Film vieles vorwerfen, antisemitisch ist er in meinen Augen jedoch nicht, auch wenn die Juden als dummes und blutrĂŒnstiges Volk dargestellt werden und auch sonst denkbar schlecht wegkommen. Allerdings birgt die Darstellung der Juden stark die Gefahr, bei dummen Leuten antisemitische GefĂŒhle hervorzurufen. Ihr wisst schon, die Leute, die dann erzĂ€hlen: "Du weißt ja, eigentlich habe ich nichts gegen Juden, aber..."

Nach 126 Minuten war der Spuk endlich vorbei und man hatte wenigstens die Genugtuung, jetzt auch ĂŒber den Film mitreden zu können. Als Krönung des Ganzen wurde den Zuschauern vor dem Kino von religiösen Spinnern aufgelauert, die neue Testamente unters Volk bringen wollten.

Wie hĂ€tte man The Passion Of The Christ besser machen können? Vielleicht, indem Gibson am Ende nach der Kreuzigung vor die Kamera tritt und sich von Steven Seagal im Namen aller Zuschauer sĂ€mtliche Knochen brechen lĂ€ĂŸt? Nein, dann verzeihen wir ihm lieber, denn er wusste nicht, was er tat. Und damit hĂ€tten wir dann doch noch etwas aus dem Film gelernt.

Zum Schluss: Die brutalste Kreuzigungsszene ist in dem Film nicht enthalten. Mit dieser "Ehre" darf sich nach wie vor "Perdita Durango" brĂŒsten.


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