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Passion Christi, Die (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 24.03.2004, seitdem 556 Mal gelesen



Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von diesem Arbeitswerk (ich benutze bewusst nicht den Begriff "Kunstwerk") halten soll. Mir geht es anders als vielen anderen, die den Film gesehen haben. Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Auf alle Fälle kann man konstatieren, dass sich die Geister scheiden, wie bei fast keinem Film zuvor.

Inhalt:
Grundsätzlich muss man festhalten, dass "Die Passion Christi" schlicht eine Zusammenfassung des letzten Tages ist, an dem Jesus Christus auf Erden weilte, wobei gelegentlich ein paar Rückblicke (z.B. Bergpredigt, die Rettung einer ehebrechenden Frau vor der Steinigung oder das letzte Abendmahl) eingeschoben wurden. Am Ende wird noch in aller Straffheit die Auferstehung gezeigt.

Brutalität:
Sie ist in diesem Film sicher extraordinär ausgeprägt und sicherlich schwere Kost und nicht jedermanns Geschmack. In aller Deutlichkeit wird zuerst gezeigt, wie Jesus von den Römern aufs Brutalste gefoltert wird. Als ob die Stockschläge noch nicht genug wären, wird noch eine mehrschwänzige Peitsche mit Widerhaken hervor geholt, mit der Jesus noch weitere 30 Mal malträtiert wird, wobei man teilweise sieht, wie die Widerhaken im Fleisch stecken bleiben und gewaltsam wieder herausgerissen werden. Ferner wird der Kreuzigungsweg und die Kreuzigung an sich zu einem schrecklichen Blutbad, das ich jetzt nicht weiter ausführen möchte.
Die Splatterfeunde werden ihre Freude daran haben, den zart besaiteten Seelen könnte es schlecht werden.
So komisch es klingt, aber ich finde die Gewalt ist gar nicht mal fehl am Platze, da sie von Autenzität zeugt, jedoch waren die einzelnen Dramatisierungen (z.B. Hollywood-artige Zeitlupen) überflüssig.

Historischer Bezug/Antijudaismus:
Es hat wohl in der Filmgeschichte nie einen Film gegeben, dessen Handlung solch ein historischer Humbug war und der sich gleichzeitig selbst so ernst genommen hat, wie dieser.
Das Problem ist einfach, dass Mel Gibson, seines Zeichens "Fundamentlist, die Bibel wortwörtlich ausgelegt hat. Er hat sich dabei auf das Johannes-Evangelium berufen. Herausgekommen ist ein absolutes Desaster. Ganz entgegengesetzt zu den historischen Fakten machen die Juden und nicht die Römer Jesus den Prozess. Er wird verhaftet wegen Gotteslästerung (Er hätte sich als Sohn Gottes bezeichnet) und ein kompletter galiläischer Pöbel fordert Pontius Pilatus dazu auf Jesus kreuzigen. Pilatus, der in der Historie als absoluter Hardliner und Tyrann gilt, wird hier als Weichei und als Marionette der Juden dargestellt. Er zeigt kein Durchsetzungsvermögen und geht ängstlich auf die Befehle der eigentlich unterworfenen Juden ein. In Wirklichkeit waren es aber die Römer, die Jesus überführt haben. Weil er sich als "König der Juden" bezeichnet hat, wurde er wegen Volksverhetzung von Pilatus gekreuzigt.
Noch drei Gründe, warum die dargestellten Ereignisse nicht stimmen:
1) Jesus wäre logischerwiese schon viel früher wegen Gotteslästerung überführt worden, da er sich andauernd Titel wie "Sohn Gottes" gab.
2) Die Römer interessierten sich nicht für die religiösen Angelegenheiten der Kolonien.
3) Johannes durfte die Römer nicht verunglimpfen und musste daher die Juden als Sündenbock abstempeln.
Die Handlung in dem Film ist fast schon kriminell antisemitisch (wobei antijudaistisch der korrekte Begriff wäre). Hitler hätte bestimmt seine Freude daran gehabt und den Film zu Propagandazwecken gebraucht.
Unverschämt war auch, dass bei den Gewalthandlungen der Teufel (dargestellt als bleicher Mensch mit Kapuze) immer in der keifenden Menge der Juden umhergewandelt ist, wodurch suggeriert werden wollte, dass Satan einer von ihnen ist, der, wie sie, Jesus leiden sehen will.
Es gab noch viel mehr Fehler, die ich jetzt aber nicht aufzählen will.

Sprache:
Der Film ist komplett in Aramäisch und Latein, wobei das Latein viel zu Italienisch ausgesprochen wird. Diese Idee fand ich sehr gut. Es verlieh dem Film eine gewisse Authenzität. Da die Dialoge sowieso zweitrangig waren, konnte man der Handlung trotzdem folgen.

Fazit:
Ich kann "Die Passion Christi" nicht in die Begriffe gut oder schlecht einordnen, ich kann lediglich sagen, dass ich ihn interessant und sehenswert fand, weil er so polarisiert.
Auf der einen Seite ärgere ich mich über das verklärende Geschichtsbild und die teilweise hollywoodeske Dramatisierung, doch auf der anderen Seite bietet er viel Gesprächsstoff und Abwechslung von normalen Filmen.


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