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Last American Soldier, The (1987)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 10.03.2006, seitdem 1258 Mal gelesen



Relativ spät, wenn auch längst nicht zu spät, warf sich Regisseur Ignazio Dolce mit seinem „Rambo: First Blood Part II“ – Ripoff ins dicht besiedelte Fahrwasser des Stallone-Kassenschlagers und sollte im gleichen Jahr mit „Leathernecks“ und „Bye Bye Vietnam“ weiter kräftig in die selbe Kerbe schlagen. Angesichts der Cast-Überschneidungen wurden die drei Titel aber vermutlich auf den Philippinnen, die einmal mehr als Vietnam (....und die Philippiner dementsprechend als Vietnamesen) herhalten müssen, ohnehin back to back produziert.

Auch hier geht wieder nichts, wenn man denn nicht ein Faible für die italienische, günstig und hastig heruntergekurbelte Massenware der Achtziger hat, denn so dummdreist, wie „Rambo: First Blood Part II“ hier von hinten bis vorn an Ideen gefleddert und nun als Billigheimer präsentiert wird, kann man den verfrühten Griff zum Abschaltknopf eigentlich niemandem verübeln.

Denn auch in „Commander“ ist der Krieg in Vietnam für Amerika längst vorbei. Das hält Kriegsveteran Roger Craig (Craig Alan, „Cobra Force II“, „Sex Crimes”) aber nicht davon ab, sich nebenan in Thailand niederzulassen, seiner Frau einen Braten in die Röhre zu schieben, dort in einer ländlichen Gemeinschaft, deren Dorf schwer nach gepflegtem Center Parks – Ambiente aussieht, zu leben und zu mit zwei Kameraden regelmäßige Streifzüge ins böse Kommunistenland zu machen, um dort harmlose Bewohner vor Verschleppung und Übergriffen der nordkoreanischen Armee zu schützen. Damit wäre der Auftakt schon einmal geklärt. Übrigens erscheint unter den Darsteller-Credits zu Beginn ein gewisser Ken Watanabe, aber das dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der „The Last Samurai“ – Darsteller sein. Ich konnte ihn auch nirgends entdecken.

Aber zurück zum Film, denn dort zerlegt das Trio gleich einführend einen ganzen Militärkonvoi, der Zivilisten wegsperren will.
„Commander“ ist zwar wenn es nicht kracht und bummst aufgrund der haarsträubenden Dialoge und der schauspielerischen Talentwüste unfreiwillig komisch, genießt aber den Vorzug eines moderaten Budgets, weswegen Ignazio Dolce in den Actionszenen ganz schön klotzen kann und regelmäßig vermutlich mit Benzinkanistern ausgestattete Fahrzeuge und Behausungen in den feurigsten Explosionen dem Erdboden gleich machen kann.

So dumm die Aktionen von Roger Craig, mit Stirnband und entsprechender Frisur, später dann auch mit freiem Oberkörper, ganz im Rambo-Look gehalten, auch sind, wenn er mit seiner Pumpgun hantiert und damit Jeeps sprengt oder auch mal still und leise durchs Unterholz huscht, um fleißig nordkoreanische Genicke zu brechen, kann man dem Dschungel-Szenario seine Kurzweiligkeit nicht absprechen.

Es ist dann stets die unfreiwillige Selbstparodie, die der Film auf seine eigene Art aufbringt, um den Zuschauer zu amüsieren. Denn natürlich huschen da im Vietnam-Kriegsgefangenenlager nicht nur unfähige Charlies herum, sondern auch der böse Ivan, der sich hier merkwürdigerweise stets in schicker Marine-Uniform zeigt, obwohl weit und breit, abgesehen von einem brackigen Fluss, kein Wasser in der Nähe ist.

Der Rest des Films ist eigentlich dann auch schon fix erzählt. Craigs alter Kommandeur bittet ihn um einen Gefallen, weil Amerika unbedingt eine streng geheime, russische Abhörtechnologie braucht. Natürlich lässt sich der Haudegen nicht lange bitten, fordert eine Gegenleistung, nämlich mit seiner schwangeren Frau in die U.S.A. reisen zu können, und marschiert bis zum erfolgreichen Missionsabschluss los. Verständlich sind die Russen wenig begeistert, mörsern sein Dorf aus und entführen seine Frau, damit Craig das Equipment zurückbringt. Später gibt es dann noch die allseits beliebten und wieder unfreiwillig komischen Foltereinlagen plus das ausufernde Finale, wenn Craig nach einer Flucht dank Scheintod wieder im P.O.W. – Camp vorbeischaut, um es seinerseits in Schutt und Asche zu legen, vorher eine Kobra zu tranchieren, von einem bereiften Panzerfahrzeug gejagt zu werden und die Unschuldigen zu befreien. Als Nachschlag folgt dann noch ein Helikopter-Duell mit saucoolem Abschluss. Craig lässt sich an einer Leiter baumeln und schießt, einhändig feuernd (!!), mit einer Bazooka den gegnerischen Heli ab.

Da sieht man dann schon, dass ohne Humor auch hier wieder nichts geht. Dafür ist der Nonsens einfach zu dreist-ernst gemeint.
Aber er geht flott vonstatten und Ignazio Dolce ist ein ordentlicher Regisseur, der weiß, was seine Zuschauer sehen wollen. Seine Vergangenheit als Second Unit Director unter solchen Genregrößen wie vor allem Antonio Margheriti („Fünf blutige Stricke“, „Jäger der Apokalypse“) spiegelt sich im Film wieder. Leerlauf gibt es nur wenig, die Action ist relativ vielfältig, denn neben Bootsfahrten wird auch im Helikopter herumgeflogen und in Sachen Bodycount braucht man sich auch nicht zu beklagen. Nur zum Finale meint er es dann etwas zu gut, wenn gleich dutzendfach mehrmals Kanonenfutter ins Steppengras beißt und eine Hütte nach der anderen alle paar Sekunden in die Luft fliegt, während sich alles drum herum auf den Boden wirft.

Sein eigenes Drehbuch schrieb er auf das Wesentliche herunter. Also von einem seelisch zermaterten Kriegsveteranen mit Symptomen eines schweren Traumas merkt man hier nichts, aber so was könnte Craig Alan, wenn wir mal ganz ehrlich sind, auch nicht spielen. Mit einem ständigen Gesichtsausdruck als hätte er den IQ eines Brots, schrammt der Gute ohnehin nur knapp an der Parodie vorbei.
Natürlich liegt die Ursache dafür auch ein wenig bei Dolce selbst, wo doch vor allem seine Wunderpillen und die nun wirklich nicht in das Genre gehörenden Ninja-Sterne auf seinem Mist gewachsen sind, während pathetische, ausgewalzte Sterbemomente in solchen Filmen eigentlich stets peinlich, weil sauunrealistisch gespielt, sind.

Nichtsdestotrotz gehört „Commander“ zu den besseren, italienischen Dschungel-Actionern mit Trash-Charme. Denn Dolce bekommt genug Gelegenheit viel zu zerdeppern (ab und an auch mal ein Modell wie die Treibstoffsilos) und auch mal die harte Schiene zu fahren, wenn böse Jungs blutig durchsiebt oder ihnen scharfe Gegenstände in den Körper gejagt werden.
Da bisweilen dann auch noch die Invincible-Nummer gefahren wird, wenn Craig dann anhand aufsteigender Vögel die Gegner schon meilenweit gegen den Wind riecht und seine Kameraden seelenruhig am Helikopter weiterschrauben lässt, während er zum Tagesgeschäft übergeht und still die anrückenden Gäste erdolcht, kann man sich als Genrefan ein schelmisches Grinsen kaum verkneifen.


Fazit:
Nö, „Commander“ ist schon ansehbarer Italo-Trash, obwohl die Mängel an allen Ecken und Enden deutlich durchschimmern. Schauspielerisches Talent ist quasi nichtexistent, das Drehbuch eine leicht abgewandelte Blaupause von „Rambo: First Blood Part II“, die Dialoge zum Weglaufen und die Klischees sehr aufdringlich, doch wer hier etwas anderes erwartet, ist selbst schuld. Verglichen mit ähnlich gelagerten Filmen, kann ich „Commander“ letztlich gewisse Qualitäten aussprechen, denn Ignazio Dolces Inszenierung ist wirklich souverän. Die auffällig ausgewalzte Pyrotechnik, die vielen Shootouts und das flotte Tempo addieren sich problemlos zu der offensichtlich ständig unfreiwilligen Selbstparodie, die man nicht nur in den Dialogen, sondern vor allem auch bei den Darstellern selbst ständig antrifft. Spaßig allemal, aber nur mit Faible für diese Stoffe.


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