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Toten Augen des Dr. Dracula, Die (1966)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 07.05.2017, seitdem 57 Mal gelesen



kurz angerissen*

Sich in Mario Bavas Oeuvre einen Lieblingsfilm zu erschließen, ist ein höchst individueller Prozess, da er der Filmgeschichte eine ungewöhnlich breite Palette hochklassiger Werke vermachte, bei denen die Favoritensuche hauptsächlich von Details und persönlichen Präferenzen abhängig gemacht werden kann. Im vorliegenden Fall ist er aber spürbar auf einer Höhe seines kreativen Schaffens angelangt, ganz objektiv betrachtet – selbst wenn man „Operazione Paura“ nicht direkt zu seinen persönlichen Favoriten zählt, so sollte man doch erkennen, wie er Konventionen begründet, Klischees bereitet und Nachfolger inspiriert hat.

Das für Bava so zentrale Gothic-Horror-Flair erreicht, beflügelt von der schemenhaften Aura des Geister-Themas, seine maximale Leuchtkraft. Als optischer Illusionist erringt der Regisseur diesmal ein Ausdrucksniveau, das ihn tief in den psychologischen Surrealismus befördert. Grell pulsieren die Ecken des Schlosses und der angrenzenden Dorfgemeinde in den Grundfarben und darüber hinaus, die exzessive Nutzung spiralförmiger Kamerafahrten und die Asymmetrie der Geistererscheinungen erzeugt ein Ohnmachtsgefühl, das mit jenem aus Hitchcocks „Vertigo“ konkurrieren kann. Unheimliches Kinderlachen bildet den Soundtrack; anknüpfend an Fritz Langs „M“ inszeniert Bava einen springenden Ball als deiktischen Verweis auf etwas Schreckliches, das im Off verborgen liegt und entwickelt es weiter als Werkzeug des Teufels, was Frederico Fellini später mit seinem Segment des Episodenfilms „Außergewöhnliche Geschichten“ im direkten Verweis auf „Operazione Paura“ auf den Punkt perfektionierte.

Die Nüchternheit des Erklärenden schwingt in detektivischer Ermittlungsarbeit zwar mit, doch die zum Schneiden dicke Atmosphäre lässt sie nie wirklich zur Entfaltung kommen. Mit hoher Dominanz unnatürlicher Ereignisse wird der Skeptizismus noch im Keim erstickt, zumal auch neutrale Kameraperspektiven ohne Darstellerbeteiligung sich auf die Seite des Unnatürlichen schlagen – wenn etwa eine leere Schaukel der Kamera ein schwankendes Bild auf einen unheimlichen Platz bietet, der von Nebel regelrecht befallen ist.

Gelegentlich reichen die Auswirkungen des Geistertreibens mit punktuellen Gore-Szenen aus dem Metaphysischen ins Physische rein, nie jedoch lange genug, um die Grenzen zum Terrorfilm zu überschreiten. Meist zupfen und zerren unsichtbare Hände vielmehr an den Spinnweben des Unterbewusstseins und stellen sich auf diese Weise die Acid-Variante eines Poe'schen Gruselszenarios zusammen.

Oftmals reicht Bava dann ein kurzer Moment im Finale, um seine ohnehin kunstvollen Regiearbeiten endgültig zu veredeln; diesmal gönnt er sich gar einen minutenlangen Psychotrip mit allem Erdenklichen, was man David Lynch mit auf den Weg hat geben können. Und setzt so den herausragenden Schlusspunkt unter eine seiner besten Arbeiten.

*weitere Informationen: siehe Profil


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