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Under Control (1999)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 20.02.2007, seitdem 428 Mal gelesen



„Gorgeous“ ist Jackie Chans unglücklicher Versuch einer romantischen Komödie. Eigentlich hat er schon so ziemlich alles in seine Filme integriert was auch nur entfernt mit dem Actiongenre zu vereinen ist, eine Liebesbeziehung war aber bisher nie dabei. Gegenüber dem weiblichen Geschlecht sah er zumeist eher unbeholfen aus und wirkliche Romanzen spielten auch nie eine Rolle, damit ist es jetzt aber vorbei. Chan schlüpft in die Rolle des erfolgreichen Geschäftsmannes und Womanizers, der ausgerechnet einer Schönheit vom Lande verfällt.

Das Chan gerne mal was Neues probiert ist bekannt, hier hat er sich aber etwas verzettelt. Jackie als Frauenheld ist irgendwo schon schwer vorstellbar, wenn die Umsetzung dann aber auch noch klebrig-süß und schmalztriefend wie hier daherkommt, will man eigentlich nur noch die Flucht ergreifen. Das romantische Getätschel ist in etwa so spannend wie eine Bravo Foto-Lovestory, kaum vorstellbar das Chan selbst am Drehbuch mitgeschrieben hat. Besonders die Naivität in den Dialogen nervt und bewegt sich in etwa auf dem geistigen Niveau pubertierender Teenager. Es gibt Delphine die freudig im Meer planschen, Sternschnuppen am Nachthimmel und alles begleitet von eintönigem Popgedudel. Chan hat hier eindeutig an seiner Zielgruppe vorbeigeschrieben, denn zumindest in unseren Breitengraden ist der Mann ja vorrangig durch Stunts und Kung Fu populär geworden. Chan in einer Schmonzette, wer will bloß sowas sehen? Wahrscheinlich nur seine jüngeren weiblichen Fans in Asien. Das der Mann zu jener Zeit auch schon die 40 überschritten hat, ist der Glaubwürdigkeit auch nicht gerade zuträglich.

Gut, wischen wir mal all das romantische Gedöns beiseite. Was „Gorgeous“ über weite Strecken dennoch konsumierbar macht, ist das er sich trotz aller Widrigkeiten ganz gut wegguckt. Highlights sind zwar wirklich spärlich gesät und auch die Action kommt zu kurz, wirklich langweilig wird es aber dennoch selten. An der technischen Umsetzung gibt es ebenfalls wenig zu mäkeln, wenn man mal von einigen fragwürdigen CGI-Tricks absieht wie animierten Delphinen und Fischen absieht. Einen ganz witzigen Auftritt hat Tony Leung als homosexueller Fotograph und auch Stephen Chow darf in der ungekürzten Fassung einen Cameo als Cop absolvieren.

Hauptkritikpunkt am Film ist definitiv der geringe Actionanteil, gerade der konnte bei vielen anderen Chan Werken über inhaltliche Schwächen hinwegtrösten. Eigentlich gibt es bis auf ein kleines Geplänkel auf Chans Jacht nur zwei richtige Auseinandersetzungen, die es dafür aber in sich haben. Auch wenn es keinen echten Bösewicht im Film gibt, so gibt Jackies Stuntpartner Bradley Allen immerhin einen ebenbürtigen Kontrahenten ab. Allen, der auch Jackies Stuntteam angehört, ist wirklich eine Wucht und seit langem wieder ein Gegenspieler der auch kämpferisch mithalten kann. Die beiden Fights sind erstklassig choreographiert und rasant geschnitten, eine der besten Kampfszenen die Chan in den letzten 10 Jahren abgeliefert hat. Bei soviel technischer Brillanz will ich auch gar nicht über das Speedup meckern.

Ein fader Beigeschmack bleibt aber dennoch, denn die Kombination aus Actionmovie und Romanze will nicht wirklich schmecken, was vor allem der schmalzigen und über alle Maßen strunzdummen Story angekreidet werden muss. An sich wäre gegen eine Lovestory ja nichts einzuwenden, aber es zeigt sich mal wieder das Chan einfach nicht der Romantiker ist der er gern wäre. Er kurbelt seinen Part routiniert runter, setzt aber keinerlei Akzente oder kann sonderlich mit Sympathie punkten. Vielleicht hätte auch etwas mehr Witz nicht geschadet, der beschränkt sich nur auf ein paar langweilige Slapstick Einlagen des debilen Gangsterpacks.
Die Rolle des Verführers und romantischen Liebhabers passt so wenig zu Chan, wie Shu Qi in einen Actionfilm. Wo wir auch gleich beim nächsten großen Problem dieses Machwerks wären, der süßen Shu Qi (The Transporter). Shu sieht zwar bombastisch aus, besitzt aber soviel Schauspieltalent wie ein Ziegelstein. Der süße Schmollmund und das kindliche Grinsen sind so ziemlich die einzigen mimischen Regungen zwischen denen die Gute hier hin und her wechselt. Allerdings macht sie ihr naiver Charme irgendwo auch sympathisch, dass sie besser überzeugen kann hat sie zum Beispiel an der Seite von Jason Statham bewiesen.

Fazit:
„Gorgeous“ beziehungsweise dessen internationale Fassung „Under Control“ siedelt sich gerade noch im oberen Mittelfeld der chan’schen Filmographie an. Besonders das infantile Skript treibt zur Verzweiflung und strapaziert die Nerven ein aufs andere Mal. Trotzdem lohnt sich es sich dranzubleiben, denn die beiden Kampfszenen zwischen Brad Allen und Jackie Chan sind wirklich erste Sahne.


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