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Wooden Man (1976)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 27.11.2006, seitdem 700 Mal gelesen



Trolls in the dark
The dawn took them all
Caught in the wood
By the wooden kings men


Blind Guardian: The Bard’s Song - The Hobbit

Yeah, I’m wooden, baby...

Jackie Chan gegen die Holzmänner in der Kammer der Shaolin, das ist wie eine Runde “Tekken” mit den Figuren Lei Wulong gegen Mokujin, denn Wulong basiert größtenteils auf dem Charaktermodell Chans und Mokujin ist eine dieser Holzpuppen, wie sie hier eine entscheidende Rolle als Trainingseinheit darstellen. Der Weg vom Schüler zum Shaolin führt über Holz. Gut Holz, mein lehrbegieriger Freund.

Ja, wie ein Spiel geht “Shaolin Wooden Men” vonstatten. Die erste Szene ist ein Apéritif auf die kommenden Kung Fu-Spezialitäten, gehüllt in tiefes Schwarz, ganz klassisch schon wieder zwei Kämpfer zeigend - und alles ist auf die Bewegungsabläufe der Kämpfenden fokussiert. Wie in einem Computerspiel, auch wenn jeder neue “Tekken”-Ableger schon immer mehr Wert auf perfekt gerenderte und inzwischen auch zerstörbare Umgebungen legt.

Jackie Chan, noch in einer Hauptrolle vor seiner Augenliderweiterung zur “Verwestlichung” seines äußeren Erscheinungsbildes, gibt zu Anfang schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf den zwei Jahre später erschienenen “Die 36 Kammern der Shaolin”. Zumindest stellt er ähnlich wie Gordon Liu einen widerborstigen, aber doch motivierten Schüler dar, der in einem Shaolinkloster zum Meister ausgebildet werden will. Und einige Trainingseinheiten, wenn auch bei weitem nicht so viele an der Zahl, sind auch sehr ähnlich inszeniert - das “Try & Error”-Prinzip lässt grüßen, bis es endlich gelingt, nahezu unmögliche Dinge zu vollführen wie einen Tanz über eine dicke Schlammschicht, ohne in ihr zu versinken.

Aber natürlich ist da noch mehr. Ein ständig betrunkener Koch etwa, durch den Jackie zu allerersten Ansätzen seines legendären Drunken Boxing inspiriert wird, das ihn in “Drunken Master II” unsterblich machte. Oder ein pöbelnder Gefangener in einem dreckigen Verließ, der behauptet, mal ein großer Kämpfer gewesen zu sein. Oder Chan selbst, der - huch - einen Stummen spielt! Sehr viele Bausteine, eine dumme Story und irgendwie macht nichts davon so richtig Sinn - oder?
Mitnichten. Macht es wohl, denn nachdem unser junger Held die Holzmänner besiegt hat - nur eine etwas ausgewalzte Szene, die eigentlich nicht wirklich die Titelgebung rechtfertigt - geht’s hinaus in die große weite Welt, wo alle Puzzlestücke langsam zusammengesetzt werden.

Ja, gar nicht mal sooo dumm, was man dem Genrefan hier vorsetzt. Als später aufgelöst wird, strotzt zwar alles vor Ungereimtheiten und Konstruiertheit, dennoch entwickelt sich da eine hübsche kleine Rachegeschichte mit allerlei coolem Zeug wie stylishen Rückblenden, überraschenden Twists und fiesen Charakterumschwüngen.

Die Rückseite der Medaille ist die, dass im eigentlich interessanten Filmpart - in der Ausbildungszeit im Shaolinkloster - zu viele Fragezeichen bleiben und der zweite Teil, in dem die Lösungen geliefert werden, ansonsten eher uninteressant inszeniert wurde. Die üblichen Kneipenpöbeleien werden erneut geboten und überhaupt wird kein Genreklischee ausgelassen.

Am Ende läuft aber ja sowieso immer alles darauf hinaus, die Herren kämpfen zu sehen, und seit seiner ersten Hauptrolle drei Jahre zuvor hat Jackie Chan doch einiges dazugelernt. Immer noch sind die Kämpfe zwar nicht besonders schnell, aber zumindest höchst präzise. In den wirklich harten und schnelleren Fights sind leider ausgerechnet immer sehr dunkle Hintergründe vorhanden, die alle Details verschlucken. Hinzu kommt, dass der Kameramann einfach zu viel will. Er produziert zwar manchmal ein paar nette Effekte, hat aber einfach nicht die Ruhe, um einfach mal die Ästhetik einer Kampfchoreografie einzufangen.

Alles weitere ist Standard: Teilweise sehr schräge Mucke im Hintergrund, ein paar charakterstarke Nebendarsteller (vielleicht ein paar mehr als üblich), allerdings auch sehr viele Stereotypen bevölkern den Bildschirm. Die Story ist etwas konfus, aber am Ende doch noch zufriedenstellend. Erwähnenswert ist noch ein Kurzeinsatz des Stammsynchronsprechers von Will Smith, der einem Chinesen in einer kurzen Szene die Stimme bei einem Bruce Lee-ähnlichen Kampfgejaule leihen muss und dabei gnadenlos versagt - nur nebenbei. Ach so, und der Gefangene wird wohl von Norbert Gastell (Homer Simpson) gesprochen. Viele kleine Kuriositäten - dazu gehören natürlich auch die hölzernen Mokujins - sind es letztendlich, die “Wooden Man” trotz seiner vielen Genrestandards und sonstigen eklatanten Schwächen leicht über den Durchschnitt heben.


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