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John Waters' Cecil B. (2000)

Eine Kritik von
eingetragen am 23.08.2006, seitdem 346 Mal gelesen



Es gibt sowohl gute Mainstream-, als auch gute Independant- bzw. Low-Budget-Filme, jedoch gehört Cecil B. zu keiner dieser Kategorien. Bereits das Cover der DVD schmückt sich mit falschen Federn, und möchte dem zukünftigen Käufer weismachen, dieser Streifen zeigt der Hollywood-Maschinerie zwei dicke Stinkefinger.

Das einzige, was hier stinkt, sind meiner Ansicht nach allerdings sämtliche ehemaligen Hollywood-Stars und -Sternchen, welche Herr Waters für sein völlig ausdrucks- und belangloses Anti-Machwerk rekrutieren konnte. Bereits hier fängt für mich die Unglaubwürdigkeit an, und ich komme nicht umhin zu behaupten, dass mich diese Inszenierung doch stark an unser hierzulande durch sämtliche Medien gegangenes Dschungelcamp erinnert.

Was für Menschen wie Melanie Griffith vermutlich der letzte Ausweg vor einer Hypothek auf das Haus in Beverly Hills war, entpuppt sich bis zum bitteren Ende als öffentlicher Selbstmord in punkto Schauspielkarriere.

In den Darstellern und ihren ungemein erbärmlichen Leistungen setzt sich diese Unglaubwürdigkeit fort. Melanie Griffith überzeugt weder als die anfängliche Diva mit sämtlichen, klischeehaften Starallüren, noch als spätere Anarcho-Braut, welche man noch beim Anblick des Covers erwarten könnte. Stephen Dorff spreche ich in B-Movie goes Blockbuster a la Blade noch eine gewisse Daseinsberechtigung zu, und auch als Campino-Double zeigt dieser nie erahnte Qualitäten, aber den revolutionären Regisseur kauft man ihm in nicht einer Sekunde ab. Neben diesen beiden Hauptprotagonisten vermögen es nicht einmal Maggie Gyllenhaal (schade um diese Vergeudung, ich mochte sie ja ein bisschen in Donnie Darko) oder Alicia Witt, diesem ermüdenden Disaster einen gewissen Charme zu verleihen, vom Rest der Crew-Zombies ganz zu schweigen.

Das Herhalten von gemeinnützigen Stiftungen wie Institute zur Hilfe von herzkranken Kindern für Hollywood-Werbezwecke, die Angriffe auf Filmfortsetzungen und Director's Cuts, welche die Welt nicht braucht, sowie das Anprangern von Videospielumsetzungen mögen alles durchaus gut gemeinte Ansätze sein, doch die Art, auf welche Cecil B. sich mit diesen Themen beschäftigt, ist auf ganzer Linie billig und plump.

Eine Satire darf durchaus chaotisch und überzogen sein, und eine gute Satire kommt gewiß auch gänzlich ohne große Rahmenhandlung aus, aber in diesen Fällen sollte sie zumindest in der Lage sein, seine als Zielscheibe auserkorenen Feinde mit den Waffen 'Sarkasmus' und 'bissiger Humor' mitten ins Schwarze zu treffen, sie auf schamlose Weise bloß stellen. Nach Cecil B. Demented ist diese Zielscheibe jedoch leider gänzlich unversehrt und kann auf eBay als neuwertig versteigert werden, womit dieser deplatzierte Unsinn bestenfalls als Verhöhnung einer Satire durchgehen kann, und dem Antichristen Hollywood ungewollt in die Hände spielt.

Zur schlechtesten Wertung kann ich mich dennoch nicht hinreißen lassen, und immerhin gibt es letztendlich doch einen glaubwürdigen Darsteller. Die Maus. Sie hätte wirklich kein denkbar besseres Versteck finden können.

Fazit:
Nachdem man die wohl langweiligsten 84 Minuten seines Lebens durchgestanden hat, stellt man fest, dass es Filme gibt, denen es gelingt, dem Zuschauer über die gesamte Dauer nicht eine emotionale Regung zu entlocken. Erst nach diesen 84 Minuten kommen tiefe Trauer und Enttäuschung zu Tage, wovon der größte Teil nicht einmal dem fehlinvestierten Geld, sondern mehr noch der verlorenen Zeit hinterherweint. Zwei 10mg Tabletten Diazepam hätten auf ehrliche Weise denselben Effekt erzielt, und dort wäre das Geld sicher besser investiert. Schließlich vermag es auch die Pharma-Industrie gelegentlich, den Konsumenten mit durchaus unterhaltsamen Klassikern zu versorgen.

So, und jetzt schau ich mir zur Erholung Dirty Dancing 2 an.

Note: 2 von 10 Punkten


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