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John Waters' Cecil B. (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 19.10.2004, seitdem 1549 Mal gelesen



John Waters ist und war noch nie für besondere Political Correctness bekannt, und stolz darauf, dies in seinen Filmen zu zeigen ist er auch noch. Gut für uns Filmfreunde denn daran teilhaben zu dürfen ist im Falle von Cecil B. Demented ein pures Vergnügen. Schade das dieser Film relativ unbekannt ist, Waters bestes Werk hat definitiv einen größeren Fankult verdient.

Eine Gruppe Filmterroristen unter dem Kommando von Cecil B. Demented (neue Definition für das Wort Overacting, aber verdammt passend: Stephen Dorff) kidnappt den Hollywoodstar Honey Whitlock (einfach großartig: Melanie Griffith) und zwingt sie, die Hauptrolle im ultimativen Anti-Hollywood Trashspektakel zu übernehmen. Die Filmcrew setzt sich aus völlig überzeichneten Charakteren zusammen, unter anderem einem Ex-Pornostar (Alicia Witt), einer Satanistin (Maggie Gyllenhaal) und dem Oberjunkie (Adrian Grenier), der sich wirklich in jeder Szenen was rein pfeift. Nachdem sie zwangsweise die ersten paar Takes mitgemacht hat, gefällt sich Honey schnell in ihrer neuen Rolle und findet sich als Star im Krieg zwischen spießigen Mainstreamanhängern und Produzenten gegen die echten Filmfreunde und Trashfilmer wieder.

Um zu beschreiben, was den Film so verdammt gut macht, müsste man eigentlich die Gags und Anspielungen einzeln aufzählen. Sagen wir aber mal, 90% alle Pointen zünden und sind humoristische Volltreffer ins Zwerchfell des Zuschauers. Waters teilt in alle Richtungen aus, die Studios, die Stars, die Zuschauer, die Zensur, alle bekommen auf höchst köstliche Art ihr Fett weg. Eine abgedrehte Situation jagt die Nächste, vom Tränengasangriff auf eine Vorstellung des Directors Cut von Patch Adams über den Anschlag auf einen Empfang von Baltimores Filmverband bis zum Shoot-Out mit den Stundleuten vom Forrest Gump 2: Gump Again Set ist wirklich immer was los, was beide Mundwinkel des Betrachters an den Ohren fixiert. Das irre Tempo wird vor allem durch den klasse Soundtrack noch weiter gepuscht (ordentlich Metal, was sonst). Es finden sich auch einige eigens für den Film komponierte Songs, zum Beispiel der Rap-Hammer: „No Budget“ mit klasse Texten. Der Film quillt über vor Anspielungen und Zitaten, man muss sich nur mal die ganzen Kinoplakate im Hintergrund anschauen. Besonders cool ist die Tatsache, dass jeder Mensch Cecil und sein Vorhaben zu kennen scheint und auch seine Meinung dazu hat, sei es die Popcornverkäuferin am Süßwarenschalter, der freundliche Lieferwagenfahrer dessen Fahrzeug entwendet wird während er noch um Autogramme bittet oder die Horde wichsender Pornokinobesucher. Da kommen besorgte Mütter aus einer Kinovorführung (Aufschrift am Kino: „Familie Films only, no NC-17 X- or R-Rated movies ever shown“) und stellen den flüchtenden Cecil, dieser wird dann glatt verfolgt bis ins gegenüberliegenden Kino, wo sich eine Meute Samuraifilmliebhaber des Mobs annimmt. Wenn man auf der Galaveranstaltung einem Filmschaffenden die Waffe ins Gesicht hält und ihn auffordert nie wieder eine Videospieladaption zu machen und sich dieser herauswindet indem er erklärt, er brauchte das Geld und hätte im Übrigen eh keine Ahnung worum es bei dem Stoff ginge, stellt man sich dann als Zuschauer einfach vor wenn das der Boll wäre hätte ich abgedrückt. Wollte das Beispiel nur bringen um zu zeigen, dass der Humor doch relativ speziell ist und ein wenig Grundkenntnisse über die Filmwirtschaft erfordert.

Ein Punkt wo man meckern könnte, wäre die Tatsache, dass man wenn man von Filmen keine oder kaum Ahnung hat, nur halb so oft lacht. Waters will hier clever unterhalten und das tut er auch, das Zielpublikum ist im Film auch des Öfteren vertreten und dürfte nicht all zu schwer identifizierbar sein. Ein anderer klarerer Kritikpunkt sind die Schwächen im letzten Akt, leider zünden beim Finale im Autokino nicht mehr alle Gags und das Ende des Films ist dann auch recht belanglos und lasch und lässt eine klare Message vermissen.

Fazit: Cecil B. Demented ist eine superbe Satire auf die amerikanische Filmwirtschaft. Gesegnet mit einem rasiermesserscharfen Script und Wortwitz, der seines Gleichen sucht, ist John Waters Kriegserklärung an den Hollywood-Mainstream für jeden Filmfreund absolutes Pflichtprogramm und das pure Vergnügen. Nur der etwas lahme Schluss, hindert mich hier an der Vergabe der Höchstnote, dennoch: Anschauen! Sofort!


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