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Tanz der Teufel II - Jetzt wird noch mehr getanzt (1987)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 30.05.2014, seitdem 315 Mal gelesen



„Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“

Nach seinem Untergrund-Erfolg mit der Dämonen-Splatter-Sause „Tanz der Teufel“ aus dem Jahre 1981 vergingen vier Jahre, bis US-Amerikaner Sam Raimi seinen zweiten Beitrag in Spielfilmlänge in Form einer Kriminalkomödie vorlegte. Für sein Drittwerk besann er sich auf seinen Ruf als Horror-Regisseur und schuf im Jahre 1987 mit dem Zehnfachen des Budgets des Erstlings das Mittelstück der Trilogie, zu der die „Tanz der Teufel“-Reihe avancieren sollte.

Ash (Bruce Campbell) hat überlebt, doch kann er der dämonisch kontaminierten Waldhütte einfach nicht entkommen – doch ist er nicht länger allein, als Annie Knowby (Sarah Barry), die Tochter des Forschers, der die verhängnisvollen Tonbänder aufnahm, mit ihrem Freund und zwei Einheimischen hinzustößt. Dumm nur, dass er sie zunächst ebenfalls für Dämonen hält und auf sie schießt, woraufhin sie ihn überwältigen und in den finsteren Keller sperren…

In der Regel ist dem Zuschauer zunächst nicht ganz klar, ob es sich bei „Tanz der Teufel II“ wirklich um eine Fortsetzung oder vielmehr ein Remake handelt. Mittels neu gedrehter Szenen beginnt Raimi seinen Film mit einer Rückblende, während der ein Sprecher aus dem Off vom Necronomicon berichtet und Ash gezeigt wird, wie er mit seiner Freundin Linda (Denise Bixler, „Die letzten Tage der Sowjetunion“) in jenes Haus fährt, das Tonband abspielt, damit die dämonischen Kräfte auf den Plan ruft, schließlich seine besessene Freundin köpft und sie im Wald begräbt. Das Schöne an dieser Rückblende ist die in sie eingewobene weitere Rückblende, die Professor Knowby (John Peakes) beim Fund des Buches zeigt. Das Miese an der Rückblende ist indes, dass man sie kaum als eine erkennt und es wirkt, als würde Ash an schwerem Gedächtnisverlust oder totaler Vertrottelung leiden, dass er erneut mit einer Freundin jene Hütte aufsucht und fremde Tonbänder abspielt. Dieser Eindruck kommt auch dadurch zustande, dass Linda von einer anderen Schauspielerin gespielt wird und keiner der übrigen Charaktere aus Teil 1 zu erkennen ist. Ein denkbar schlechter Einstieg.

Naheliegender erscheint da vielen die Idee eines Remakes unter neuer Gewichtung der verwendeten Stile, denn über weite Strecken erscheint „Tanz der Teufel II“ wie eine Neuverfilmung als unschwer als solche erkennbare Horror-/Splatterkomödie. Der subtile schwarze Humor des Originals rückt hier in den Vordergrund und Bruce Campbell darf sein komödiantisches Talent in vielen Slapstick-Nummern unter Beweis stellen sowie seine Rolle selbstironisch aufgreifen, indem er zum lässig-coolen, aber auch immer etwas schusseligen Dämonenjäger wird. Mit dieser Rolle erlangte er endgültig Kultstatus, wozu auch die vielen sich im Drehbuch findenden aberwitzigen Ideen ihren Teil beitrugen: So wird Ash selbst zwischenzeitlich immer wieder dämonisiert, sieht sich Angriffen seines eigenen Spiegelbilds und schließlich seiner Hand ausgesetzt, was ihn dazu veranlasst, kurzerhand zur Kettensäge zu greifen und sich selbst der Extremität zu entledigen. Die Hand jedoch lebt munter weiter und treibt Ash fortwährend in den Wahnsinn, dem Campbell durch herrliches Overacting Ausdruck verleiht. Und wenn er mit seiner abgesägten Doppellläufigen und der Kettensäge als Handersatz den finalen Kampf antritt, gibt es kein Halten mehr.

Die Überzeichnungen und Übertreibungen treibt „Tanz der Teufel II“ zeitweise auf die Spitze und bezieht auch dadurch einen beträchtlichen Anteil seines komisches Potentials. Da zersägt sich Lindas kopflose Leiche selbst, nachdem sie in bester Stop-Motion-Manier aus dem Grab stieg, fröhlich tanzte und ihren Kopf auf Ash hetzte. Das Zersägen des Kopfes schließlich wird lediglich als Schatten visualisiert; allzu sehr über die Stränge schlagen wollte Raimi im Hinblick auf die Filmfreigaben dann evtl. doch nicht. Ein Dämon vergießt sein Blut dann auch lieber grün statt rot, als er zerhackt wird und wird ebenfalls zur „Schattengestalt“. Dafür spritzen aber wahre Blutfontänen aus Einschusslöchern in den Wänden, erwacht eine Hirschtrophäe zum Leben und lernt der Zuschauer Henrietta, die Frau Professor Knowbys und Mutter Sarahs, kennen, die zunächst als Zombie und schließlich als großartiger Latex-Dämon auftritt, fortan Cheryls Platz unter der Kellerluke einnimmt und die erneut exzellente Maskenarbeit unter Beweis stellt. Opfer der Bäume wird indes diesmal keine Dame, stattdessen muss ein Mann dran glauben, womit die Ausgeglichenheit zwischen den Geschlechtern wiederhergestellt sein dürfte. Das 1981 noch dem Zuschauer nie wirklich gezeigte durch den Wald Huschende ist hier nun zumindest als Nebelschwaden zu erkennen und gibt erneut Anlass für rasante Kamerafahrten; die originelle Kameraarbeit äußert sich zudem auch in Innenszenen. Ungewöhnlich erscheint der zwischenzeitliche Ortswechsel, der die Professorentochter noch vor Ankunft im Wald bei ihrer Arbeit an der Übersetzung des Buches zeigt. Vorher bekommt man lediglich Ashs Suche nach der nicht mehr existenten Brücke zu sehen, was wiederum vielmehr ein Hinweis auf einen nicht zu erwartenden Wechsel der Lokalität ist. Zu Zeiten von Ashs Einsamkeit – also zwischen Vergraben seiner Linda und Tanz derselben – führt er Selbstgespräche und lässt den Zuschauer somit an seinen Gedanken teilhaben.

Das Hommagen-Ping-Pong-Spiel zwischen Sam Raimi und Wes Craven findet ebenfalls seine Fortsetzung: Nachdem Raimi ein „The Hills Have Eyes“-Plakat in „Tanz der Teufel“ platzierte, ließ Craven seine Schauspieler in „A Nightmare on Elm Street“ Raimis Splatterfilm gucken. Hier bedankt sich Raimi, indem er Freddy Kruegers Schlitzerhandschuh in den Keller nagelt. Und unterm Strich ist auch „Tanz der Teufel II“ ein überaus gelungener Film, dem es Respekt zu zollen gilt, handelt es sich doch um eine weitere Parade prächtiger handgemachter Spezialeffekte und nicht weniger als eine der besten Splatter-Komödien, der sogar das Kunststück gelingt, den Kultstatus der Reihe trotz des einen oder anderes Zugeständnisses an das Massenpublikum (bzw. die Zensur) weiter auszubauen. Dem Erfolgsrezept des Originals blieb man über weite Strecken treu und gab lediglich weitaus mehr köstlichen Humor hinzu. Das wesentlich höhere Budget macht sich durchaus bemerkbar, wenn auch in keinem Ausmaße, dass es seinen Vorgänger billig oder schmuddelig wirken lassen würde – der eher im Gegenteil umso erstaunlicher erscheint, wenn man sich die Spanne zwischen beiden Budgets vor Augen führt. Die Pointe von „Tanz der Teufel II“ verweist bereits auf den seinerzeit anscheinend bereits geplanten dritten Teil, für den man den hier charakterisierten Ash weiter ausarbeitete. Ein „Tanz der Teufel“ ohne Bruce Campbell in seiner Paraderolle schien lange Zeit nicht mehr vorstellbar.


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