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Night of the Hunted, The (1980)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 10.06.2010, seitdem 981 Mal gelesen



Wenn es Nacht wird gibt es nur noch die Angst. Die Nacht der Irrenden inmitten der Hochhäuser.

Es beginnt wie in Requiem pour un vampire, Jean Rollin fixiert sich wieder auf die ahnungslose Flucht, bloss dass just in diesem Geschehen eine Einzelne steht. Elisabeth (Brigitte Lahaie) streift in ihrem Nachthemd einsam umher. Aussichtslos, verwirrt, verschreckt und ohne Ziel, wird sie fast von einem Auto überfahren. Sie schreit, sie schaut, doch sie zeigt eine Leere. Sie weiss von nichts, nicht wer sie ist, woher sie kommt. Nur das sie flüchtet, aber vor wem, wieso und wohin, ist ihr genauso ungewiss wie der Fakt, dass kurz hinter ihr ihre Freundin Veronique durch die nächtliche Vegetation, ihr folgend und nach ihr hechelnd, stampft, um sie danach als bald zu verlieren. Der Mann nimmt sie mit, Veronique scheinbar verloren.

Worauf für die verwirrte und scheinbar Gedankenverlustleidende Elisabeth ein neuer Weg und Abschnitt beginnt, muss der Zuschauer erstmal verarbeiten was er denn gerade gesehen hat und sieht. The Night of the Huntred hat nichts von seinen klassischen Vampirfilmen, er ist auch kein Produkt umweltschützender und anprangernden Mahnausstösse a la Pestizide und ist auch keineswegs ein Hardcorefilm, auch wenn Nudity stellenweise recht gross geschrieben wird. Und dennoch fühlen wir uns zuhause, sobald wir Brigtitte Lahaie, die kühle und hypnotische und symbolische Inszenierung sehen, in der wir uns fallen lassen, spielt Rollin auch hier wieder damit, den Zuschauer, so simpel der Plot auch sein mag, zwischen den Zeilen lesen zu lassen.

Wir fliehen, wir vergessen.

The Night of the hunted ist, wenn man es so betrachtet, in all seinen Facetten hoffnungslos und pessimistisch. Allein das stellt einen Kontrast zu Rollins sonst so erotisierenden und lustvollen Vampirfilmen dar, die trotz ihrer Alptraumhaftigkeit und morbiden Surrealität Hoffnungen weckte. Sie waren, wenn man so möchte lebensbejaend, doch dennoch kritisch. Ein symbolischer Freiheitsschlag nach dem Leben, der Liebe im Tod? The Night of the Hunted zeichnet ein Bild, in der unser Sein so hilflos und ziellos ist, wie ein jener der scheinbar mit dem Körper existent, aber mit dem Geiste tot. Wir erleben, sammeln Erfahrungen, speichern Gedanken, bilden Lebensabschnitte, aber vergessen, wir flüchten vor den Gefahren, vor uns, vor dem Leben, dem Bösen, der Kühlheit darin.

Rollin lässt uns eintauchen in die Welt von Elisabeth, die einen Moment im nächsten wieder vergessen hat. Die leider aber auch liebt, um im nächsten Moment in völliger Starre zu verfallen. Eine banale Bedeutungslosigkeit. Gefangen, einsam und allein inmitten von Wolkenkratzerhohen Träumen. Sie verbringt einen kurzen Moment bei ihrem Finder, Robert, bei der sie Momente erlebt, als würde sie das erste Mal lieben, um kurz darauf von ihren Ärzten mitgenommen zu werden. Und wieder gefangen.

Die Gedanken sind frei, verloren und gefangen in der Bedeutungslosigkeit

Rollin inszeniert dieses Trauerspiel so, als würde er das Leiden solcher erinnerungslosen Menschen auf die ganze Gesellschaft wiederspiegeln wollen. Eine ganze Gesellschaft, die in ihrem Dasein nutzlos erscheinen, stets gefangen in ihrer eigenen Hülle, und so leer um überhaupt eine Richtung und ein Ziel vor Augen zu haben welches sie schützt. Ein tragendes Element ist dabei wieder einmal Rollins Verwendung einer Frauenfreundschaft, die uns und in diesem Falle Elisabeth und Veronique schützt, auch wenn sie sich scheinbar gar nicht kennen. Sie halten ihre Hände, denken sich Erinnerungen aus und glauben daran im früheren Leben, ohne ihre Krankheit, Freundinnen gewesen zu sein. Doch was bleibt ihnen auch noch?

Die Darsteller verkörpern ihren Wahnsinn gut, vorallem Brigitte Lahaie zeigt eine Klasse auf, die man der Frau gar nicht zutraut, kann sie so aphatisch schauen, dass man gezwungen ist, mit genau solch einer Starrheit auf ihre Taten zu starren. Und auch der Rest der Riege spielt tadellos, sofern wir mal vom obersten Arzt absehen, der dieses seltsame Unternehmen regiert.

Verloren, leer, chaotisch, sinnlos und nutzlos...

Genau wie das Dasein dieser Menschen in diesem Gebäudekomplex, scheinbar isoliert von der "normalen" Aussenwelt, mag auch die Inszenierung Rollins erscheinen, denn der Plot kennt keine Richtung, kein Ziel, nein noch nichtmal eine Lösung, sowie Motivation. Rollin dreht für seine symbolische Schauermär inmitten von sterilen Kliniken und künstlich wirkenden Trabantenstädten der 70er, die so in ihrem fälschlichen Glanze den sehr pessimistischen Grundton unterstreichen, erzeugt diese Kulisse mitsamt seiner Beton ,- und Glasfassadenromantik eine Grau und Grau - Welt, die man erarbeiten muss, aber aus der man eine Lösung und Motivation auch herausintepretieren muss. Wer das nicht möchte, wird sich wie immer bei Rollin langweilen, denn leicht verdaulich sind seine Filme niemals.

Und wie wir ihn kennen, vermag er es zwischen Lösung und Hoffnung umherzuschippen, denn Rollins Filme haben wie immer kein Happy - End, sofern man das denn nun so sehen möchte, steht man damit immer auf einem Balken der uns entweder in die Erlösung fallen lässt, oder unser Unheil bedeuten kann. Wenn aber Elisabeth einsam über eine stillgelegte Bahnstrecke hoch über der Stadt geht, so hat das apokalyptischen Charakter. Sie verschwindet in den Unmengen der Häuserschluchten, so klein und wirkungslos, wie ein Jeder, der sich durch den Sinn des Lebens kämpft, scheinbar willenlos, geleitet von einer fremdem Macht, um dann händehaltend in Richtung Verderben zu rennen. Mit wem ist egal, hauptsache es ist jemand da.

Das Vergessen und das Flüchten.

Fazit:
Rollin kreierte mit Night of the hunted ein absolut hoffnungsloses und pessimistisches Drama und zeichnet eine belanglose und kühle Heuchlerwelt voller Machtbegierigkeit, in der wir keinerlei Richtung und Ziel kennen und lässt den Zuschauer auf der Suche dem Sinn in hypnotsiche Einsamkeit zerfallen, dass es uns wie ein Zug überrollt. Eine wie immer sehr persönliche Irrfahrt, die wenigen schmecken wird, aber für verträumte Sleazefanatiker und Psychodeliker aufgehen dürfte.

88%


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