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Night of the Hunted, The (1980)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 23.06.2010, seitdem 672 Mal gelesen



„Er nimmt die Angst, aber auch die Erinnerung“. Dieses ist ein sehr wichtiges Zitat innerhalb „La nuit des traquees“, bringt es den Ahnungslosen doch langsam auf die richtige Fährte zur Interpretation. Weiterhin ist Rollins Erzählweise diesmal so angelegt, dass dem Zuschauer zum Ende die gesamte Lösung präsentiert wird und die vorangegangenen 90 Minuten Revue passieren lässt. Bis es soweit ist, ist es allerdings ein sehr langer und düsterer Weg. Denn das was Jean Rollin mit „La nuit des traquees“ geschaffen hat, ist der so ziemlich depressivste Film, den ich jemals gesehen habe.

In einigen Momenten des Films ist ein Vergleich mit David Cronenbergs „Shivers“ oder „Rabid“ nicht unangebracht. Jean Rollin arbeitet definitiv in einer ähnlich apokalyptischen Atmosphäre, wie sie Cronenberg darstellte und man kann „La nuit des traquees“ durchaus als eine Fortsetzung der beiden genannten Filme verstehen.

Jean Rollin zeigt eine düstere, hoffnungslose Endzeitstimmung die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. Es gibt kaum positive Einstellungen, alles ist von einer beängstigenden Aussichtslosigkeit durchtränkt. Die Bilder zeigen eine illusionslose Leere. Hochhäuser und Räume gleichen der einer verlassenen Welt, in der die letzen Überlebenden vor sich hin vegetieren.

Die Blicke der Hauptdarsteller sind nichts sagend und leer. Brigitte Lahaie spielt die Rolle der Elisabeth in Perfektion. Man nimmt ihr in jeder Kameraeinstellung die Situation der dargestellten Rolle ab und muss dieses als beeindruckende schauspielerische Leistung bezeichnen. Brigitte Lahaie lebt die Rolle der Elisabeth, sie lässt den Zuschauer an der Situation teilnehmen und ihre Situation miterleben.

Rollin zeigt Anspielungen auf den Nationalsozialismus, sprich die Nationalsozialistische Rassenhygiene in Form der Euthanasie. Dieses wird zum Ende des Films angesprochen. Des weiteren lässt sich die Bezeichnung „Das schwarze Hochhaus“ durchaus als Anlehnung an den schwarzen Tod verstehen. Nachdem man den Film zu Ende gesehen hat, vertiefen sich diese Eindrücke.

Zum Ende des Films wird, wie bereits oben erwähnt, eine komplette Lösung aufgezeigt. Die Rede ist von einem Reaktorunglück, das den Gedankenverlust der Menschen zur Folge hatte. Es kann den verseuchten nicht geholfen werden, man kann sie angeblich nur vor sich hin leben lassen oder sie töten, um sie von ihrem Schicksal zu erlösen. Das Schwarze Hochhaus verbirgt das, was der Menschheit nicht gezeigt werden soll um eine Massenpanik zu vermeiden. Die Frage die sich stellt ist: Welche Menschheit ist gemeint? Rollin zeigt einzig Robert als einen Menschen, der nicht als Kranker und auch nicht als Bewacher der Kranken dargestellt wird. Ansonsten werden keine weiteren Menschen gezeigt, was durchaus die Annahme hervorrufen kann, das Rollin hier von der Apokalypse spricht und es außer den Kranken und ihren Bewachern, keine weiteren Menschen gibt, vor denen man den Reaktorunfall verheimlichen muss.

Robert, den man als Hoffnungsträger in der aussichtslosen Situation sieht, wird zum Ende des Films erschossen. Somit wird jede Aussicht auf Rettung erstickt. Er schleppt sich mit letzter Kraft zu Elisabeth um ihre Hand zu nehmen und um mit ihr den Weg zur Erlösung zu beschreiten. Rollins letzte Einstellung zeigt eine endlose Weite von Poesie und Romantik geprägt. Robert und Elisabeth beschreiten innerhalb dieser Weite einen unendlichen Weg, womöglich den Weg in eine andere, sprich bessere Welt…

Jean Rollin ist es gelungen, mit einem geringen Budget einen brillanten Film zu drehen. Bekannterweise sind seine Werke nicht für ein breites Publikum bestimmt, was sich mit „La nuit des traquees festigt.

Rollins Film ist zwar zum einen ein Meisterwerk das seines gleichen sucht und wohl niemals finden wird, zum anderen ist es allerdings auch unverzichtbar, sich auf Rollins Bilder und die Grundstimmung des Films einzulassen. Denn sonst wird man diesen Film niemals verstehen.


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