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Immortal (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 2 / 10)
eingetragen am 04.09.2005, seitdem 954 Mal gelesen



Bei manchen Filmen erkennt man schon in den ersten fünf Minuten, dass sie unglaublich schlecht sind. Immortal gehört leider in diese Kategorie. Trotz einiger beeindruckend schöner und teilweise auch erotischer Bildideen ist diese Comic-Verfilmung von Enki Bilal gehörig misslungen.

Das hat zwei Gründe. Zunächst einmal atmosphärisch: Der Mix aus computeranimierten Menschen und normalen Menschen funktioniert überhaupt nicht. Künstliche Gesichter sehen einfach nur künstlich aus und langweilen daher schneller als sie sprechen. Szenisch ist außerdem die vollkommen uneinheitliche Atmosphäre ärgerlich – auf der einen Seite High Tech und fliegende Raketenautos – auf der anderen Seite Seilzüge und zerbeulte Oldtimer aus den 40ern – die gibt’s doch jetzt schon nicht mehr, wo kommen die denn in der Zukunft plötzlich her?
Ja und dann ist inhaltlich alles so dämlich, dass auch der Versuch mit Mystik darüber hinweg zu täuschen nicht mehr hilft. In dieselbe Kategorie gehören auch die unterirdisch schlechten Dialoge des Films – die sind überraschend oft auf Pornoniveau.
Doch kommen wir zur Story. Der Film heißt „Immortal“, also Unsterblich mit der Unterzeile „New York 2096: Die Götter kommen zurück“. Genau das passiert auch.
Im Jahr 2096 fliegen die drei ägyptischen Götter Horus (der mit dem Adlerkopf), Anubis (der mit dem Hundekopf) und Bastet (die mit dem Katzenkopf) zurück zur Erde. Anders als in der ägyptischen Mythologie, in der Re die Erde geschaffen hat, kommt diese Rolle im Film Horus zu (über mehrere andere Unstimmigkeiten kann man sich auch ärgern – aber wozu?).
Das Problem von Horus ist jetzt, dass er seine Unsterblichkeit verloren hat (möglicherweise beim Monopoly spielen) und ihm nur noch sieben Tage bleiben bevor er im Nichts aufgeht (buddhistische Anleihen). Statt diesen Übergang zu feiern will Horus davor jedoch unbedingt eine Frau bumsen und ihr dabei ein Kind machen damit er weiter leben kann – ob das so göttlich und weise ist sei mal dahingestellt, es kommt schließlich noch schlimmer. Aber damit der Zuschauer nicht sofort darauf kommt wendet Regisseur Bilal hier einen Kunstgriff an: Horus bekommt eine Doppelrolle.
Neben seiner Adlergestalt tritt er auch als John auf, das ist dann ein schwarz gekleideter Mann mit angenehmer Stimme, dessen Kopf von einem schwarzem Tuch verhüllt ist. In dieser Gestalt ist er ein netter Gott. Ja und das Vertrauen, dass man ihm so entgegenbringt, setzt er ein um ein besonders liebliches weibliches Wesen (Linda Hardy) davon zu überzeugen Pillen einzunehmen, die sie immer mehr zu einer menschlichen Frau machen. Als der Prozess weit genug vorangeschritten ist, bemächtigt er sich als Vogelmensch eines anderen menschlichem Körpers (hier Thomas Kretschmann), der die Auserwählte dann kräftig durchnudelt. In gewisser Weise ist das natürlich Missbrauch von Schutzbefohlenen, denn wenn man darüber nachdenkt geschieht in der Szene nichts anderes als Sex mit der eigenen Tochter. Entschärft wird das nur dadurch, das Töchterchen zwar einen wahnsinnig geilen Körper hat, aber vollständig dumm und unkritisch ist, und deshalb auch weiterhin alle Pillen vom Vati schluckt und dadurch nachher vollständig vergessen hat, was er vorher mit ihr getrieben hat. – Eine moralisch vollkommen unakzeptable Geschichte, die sogar über das Treiben der ägyptischen Götter hinausgeht (hier waren die liebenden Götter Osiris und Isis Geschwister und zeugten bei der Gelegenheit Horus).
Vollkommen unmotiviert im Film ist übrigens auch die Geschichte von der Pharmafirma Eugenics. Die hat so wenig Tiefe (und auf die Handlung praktisch keinen Einfluss), dass man am besten gar nicht richtig zuhört. Es kommt schließlich auch noch ein gefährliches Monster vor, das aussieht wie eine rote Klobürste. Aber wozu erwähnen.
Das größte Problem teilt der Film doch mit allen Comicverfilmungen: Hinter der aufgesetzten Geschichte existiert überhaupt keine Idee und die ganze Zeit über geht es nur um Sex und Gewalt. Gut kann man da sagen „Mit dem Programm erreicht die Bildzeitung täglich 5 Millionen Leser“ – es gibt dafür also einen Markt. Aber da muss ich die Leute aus Hamburg doch in Schutz nehmen. Deren politische Analysen sind oft genug sauber und sie lassen auch in anderer Hinsicht häufig wirklich wichtige Leute zu Wort kommen. Anders dagegen die aktuellen Comicverfilmungen - da gibt es keinen einzigen wertvollen Gedanken.
Aber es gibt geile Bilder: Vor allem von Jill (Linda Hardy) und den nackten Göttern. Das ist wirklich sehr,sehr sexy.


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