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Immortal (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 01.06.2007, seitdem 380 Mal gelesen



Comicautor Enki Bilal hat sich an einer Verfilmung zweier seiner Geschichten versucht. Nun gut, unter Comics darf man natürlich nicht das verstehen, was in Deutschland so als solches bezeichnet wird, sondern die Auswüchse der französischen Comickultur. Was hier eher noch ein Untergrunddasein fristet, nämlich (mehr oder minder) anspruchsvolle, aufwändig gezeichnete Geschichten für Erwachsene, ist dort Bestandteil eines jeden Buchladens. Allerdings gilt auch in den anspruchsvolleren Vertretern der Comiczunft häufig die bekannte Devise "style over substance". Dies hat durchaus seinen Reiz; meist wird man gleich in eine fantastische Welt hineingeworfen, ohne große Erklärungen zu bekommen, und staunt ob der Ideen des Auors und deren Umsetzung. Dann aber setzt häufig die Ernüchterung ein, wenn man merkt, dass sich hinter der schicken, frischen Fassade nur ausgelutschte Ideen befinden. Im Grunde könnte man Immortal so charakterisieren - nur würde man dem Film nicht ganz gerecht werden.

Denn so fantastisch das New York der Zukunft mit seinen unterdrückten Mutanten, unterdrückenden Konzernen und Geheimnissen an jeder Ecke ist, so bekannt kommt einem alles gleich zu Beginn vor. Der Anfang also nimmt nicht gleich gefangen, wie man es von Comics dieser Art erwartet, nein, man muss sich erst einmal einfinden, an der mit glatten Klischees beschlagenen Oberfläche Halt finden. Hier helfen zwei Dinge: Erstens das im SF-Rahmen kurios wirkende Einsprengsel altägyptischer Mythologie, das sich optisch genauso fremdartig als schwebende Pyramide mitten in der modernen Stadt manifestiert, und der Kontrast zwischen Mensch und den allgegenwärtigen CGI-Effekten. Letztere werden nicht nur (recht ordentlich) auf die Hintergründe, also Architektur und Gegenstände, angewendet, sondern auch auf die meisten Darsteller. Man hat so häufig das Gefühl, sich in (nein, nicht einem Comic, sondern) einem Computerspiel zu befinden - ein seltsames, ungewohntes Gefühl, dass ich noch bei keinem Film mit animieren Charakteren hatte, eben weil Immortal (wie entsprechende Videospiele, vor allem Egoshooter) versucht, sich an der Realität zu orientieren, ohne es sich entgehen zu lassen, sich einige wichtige Freiheiten bei ihrer Gestaltung zu nehmen. So sind die virtuellen Schauspieler teils eher realistische, teils aber schon fast karikaturenhaft gezeichnet. Dies wirkt im Zusammenspiel mit den echten Schauspielern befremdlich, aber auch interessant, auch wenn die Umsetzung teils hapert.
Dies liegt vor allem an der ganz deutlich hervortretenden Erkennbarkeit der Computergrafiken als solche. Immer wieder wird der Zuschauer ein wenig zurückgestoßen, wenn ein Wechsel zwischen echt und falsch stattfindet, wenn plötzlich Computercharaktere mit überzeichneten Gesichtern und Staturen handeln anstatt natürliche Menschen aus Fleisch und Blut - und umgekehrt. Das aber macht zu einem guten Teil die Faszination des Films aus. Er vermag es, eine eigentümliche Atmosphäre einer irgendwie artifiziellen Welt zu schaffen, in der menschliche Gefühle kaum Platz zu haben scheinen. Das Thema des Fremden springt einem an jeder Ecke ins Auge und wurde visuell (trotz, aber auch wegen technischer Schwächen) recht originell umgesetzt.
Storytechnisch hingegen türmt sich Bekanntes auf Bekanntes. Grob kann man von einem modifizierten Das Fünfte Element sprechen. Auch hier wird eine Außerirdische in eine ihr unbekannte Welt geworfen; auch hier hat sie eine besondere Funktion, die sie erst mit der Zeit herausfinden kann. Das ganze wird mit einer Geschichte um Sonnengott Horus angereichert (der sich überraschende cool in den Film einbringt). Die Geschichte bleibt von Anfang bis Ende immer eher platt und bezieht ihren Reiz aus den vielen Versatzstücken und kuriosen Einfällen, wie einem hammerhaiartigen Wesen, das mantagleich schwebend durch Abflussrohre schießt und an Häuserwänden entlanggleitet. Diese halten den Zuschauer auch gut bei der Stange, ohne dass jedoch eine echte Verbindung zum Film entsteht. Echtes Interesse flackert immer wieder auf, wenn sich die seltsame Beziehung Horus-Nikopol-Jill in teils komischen, teils schwafelnden Dialogen entspinnt und so etwas wie einen Hauch von Anspruch freisetzt.

Insgesamt ist Immortal ein mittelmäßig spannendes, mittelmäßig erzähltes SF-Märchen, das allerdings mit interessant eingebrachten Computercharakteren, einigen intensiven Szenen und skurrilen Einfällen aufwarten kann, dabei nie den Fehler macht, viel erklären zu wollen, stattdessen eine geheimnisvolle Note gewinnt und somit auf jeden Fall einen Blick wert sein sollte, da es doch trotz aller Klischees eine gewisse Portion Eigenständigkeit bewahren kann.


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