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Supervixens - Eruption (1975)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 20.08.2006, seitdem 1588 Mal gelesen



In den wilden und zügellosen Siebzigern waren die Möglichkeiten, spaßiges Treiben und verruchtes Gewälze auf die Leinwand zu bringen in einem schon fast sensationellen Ausmaß weitaus mannigfaltiger als heutzutage. Einer der größten Helden dieser grellen Ära war Russ Meyer, der schon in den 60zigern beizeiten mit Filmen wie „Die Satansweiber von Tittfield“ oder „Megavixen“ als Titten-GROSSmeister die Aufmerksamkeit der lüstern sabbernden Sexploitation-Liebhaber auf sich lenkte und sie von Zeit zu Zeit mit überaus fülligen Geschenken bedachte.


Ein besonders illustres Exponat seiner hemmungslosen und grotesken Phantasie ist sein mittlerweile als ungekrönter Kultfilm und heimliches Meisterwerk deklarierter „Supervixens“, von den unermüdlichen deutschen Titelschmieden mit dem zweideutigen und überaus trefflichen Zusatz Eruption versehen. Und kein Wort könnte das poppige Treiben besser zusammenfassen. Die folgende Inhaltsangabe ist nur für diejenigen, die den Film noch nicht kennen, lesenswert und nimmt ein paar Sachen vorweg, die aber nicht wehtun.


Inhaltsangabe:


Clint ist ein bemitleidenswerter Versager. Sowohl seinen begähnenswerten Job beim Super Service von Martin Bormann (einem Deutschen der natürlich auch flugs alte Grammophon-Platten mit Führer-Lobpreisungen auspackt, so muss es sein!) als auch das Verhältnis mit der egoistischen Nymphomanin Super Angel wollen ihm nicht die rechte Freude am Leben schenken die einen Jungspund wie ihn doch ausmacht. Als sich Super Angel nach einem saftigen Clinch einen Cop angelt, den sie als neuen Superhengst auserkoren hat um mit seinem gewaltigen Schinkenröllchen ihre ungezügelte Fleischeslust zu stillen bezahlt sie ihre Wollust mit dem Tod in der Badewanne (Der Pyrotechniker lässt die Stromstöße zischen und krachen dass es eine wahre Freude ist!). Der arme Clint wird nun selbstredend zu unrecht verdächtigt durch die Landen gejagt. Natürlich gerät er an allerlei tunichtgutes Gesindel. Ein unbescholtener Anhalter kann in der amerikanischen Pampa wirklich die tollsten Sachen erleben! Die erschlagend runden Argumente der teuflischen Super Cherry (die Namensgebung der drallen Weibsbilder ist- wie bei Onkel Russ eigentlich immer- ungeschlagen) erleichtern Clint bald um seine letzte Wegzehrung. Da trifft es sich gut, das ein netter Farmer vorbeikommt und Clint mit in sein trautes Heim und zum österreichischen Weib (!!!) im Dirndl mitnimmt, die die Kühe mit wahrer Hingabe melkt (eine interessante Symbolik;-). Der Farmer kriegt aber schnell mit das sein zünftiges Madel ihre Euter ganz absichtlich so tief in Clints Gesicht hängt denn trotz aller ländlich-bäuerlichen Idylle in der man so herrlich im Heu, auf der Wies’n und im Kuhstall nach Herzenslust hühnern kann, hat die arme Maid von ihrem alten Stecher natürlich die Nase voll und so fliegen im Scheunenboden bald Heu, Kleidung und die Euter. Die Zerstörung der ländlichen Idylle macht den Farmer natürlich ziemlich grantig und so muss Clint schleunigst Eumel und Beine in die Hand nehmen um der wutentbrannt geschleuderten Mistgabel zu entkommen. Nach diversen ähnlichen Erlebnissen völlig fertig und nahezu traumatisiert gelangt unser gestrauchelter Held schließlich in die beschauliche und abgelegene Tankstelle der zuckersüßen Super Vixen die in ihm die Liebe ihres Lebens erkennt und ihn liebevoll aufnimmt und mit Hamburgern gesund pflegt. Doch der fiese Cop mit der Feuerlöscher-Hackfresse hängt den beiden an den Fersen…



Inhaltsangabe Ende


Das war nun natürlich eine etwas überlange Inhaltsangabe doch jeglicher Versuch den ich in einer früheren Fassung meines Reviews unternommen habe, den Esprit, die entwaffnende Unbekümmertheit und die vergnügliche Inszenierung des Meyer’schen Riesenspaßes in Worte zu fassen schlug fehl und so musste ich leider ein wenig schildern um einen kleinen Einblick in diesen im positiven Sinne restlos exaltierten Rinderwahnsinn zu geben. Falls irgendjemand glaubt das in einer Sexploitation-Komödie irgendwelche Grenzen gesetzt wären- „Supervixens“ überrollt sie mit der Grazie einer fröhlich dahertuckernden Dampfwalze und tut wahrlich sein möglichstes um nichts, aber auch wirklich nichts auszulassen was man sich von einem Film wünscht, der einfach nur Spaß machen soll. Aber Meyer wäre nicht Meyer wenn er dies nicht mit seinen ganzen Eigenarten verbinden würde und so ist der Film dann auch wirklich spritzig aufgrund seiner zahllosen originellen Einfälle.


Faszinierend auch die Art und Weise, in der er ironisch den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit gegen Erotikfilme aufs Korn nimmt. Die Männerphantasie der vollbusigen Frau wird hier dermaßen übersteigert das der Erotik-Faktor völlig baden geht und stattdessen eben jenes maskuline Wunschdenken ins abgrundtief Lächerliche verkehrt wird. Auch wenn die Frauen hier größtenteils als lüstern bis nymphoman dargestellt werden sind sie es doch, die im vollen Bewusstsein ihrer Reize und der Triebhaftigkeit der Männer zu ihren Herrschern werden und sie letzten Endes durch Sexualität unterjochen. Und die Männer kommen in diesem Film wahrlich nicht gut davon denn sie werden als dumme, sabbernde Balz-Dackel gezeichnet die mangelnden Geist (Russ Meyer: „Die Männer hier haben maximal einen IQ von 37.“) durch dumpfes Haudrauf-Gebahren zu verbergen suchen. Die Frauen sind hier deutlich durchtriebener und gewitzter und die Macht, die sie über die sexuell von ihnen abhängigen Männer (und letzten Endes liegt die Entscheidung darüber ob man den Akt nun vollzieht oder nicht wohl eindeutig bei der Frau) wird von Russ Meyer genüsslich genutzt um einmal eine völlig andere Art der Emanzipation und Machtverteilung der Geschlechter aufzuzeigen. Titten sind Macht!- oder so ähnlich. Im übrigen sei hiermit auch widerlegt, das „Supervixens“ nur ein frauenfeindlicher Film sei, der die Frau zum reinen Lustobjekt degradiere. Und ein Porno ist er schon gar nicht, auch wenn der Titel wohl derartiges vermuten lässt.


Des weiteren sei noch ein Lob auf die für einen Sexploitation-Film durchaus gelungene Kameraführung sowie die vergnüglichen Klänge, mit denen das wilde Treiben illustriert wird, ausgesprochen. Da gibt es hier Blasmusik, dort Walzer, hier Nazi-Hymnen (Nein nein- da der Film in „Martin Borman’s Super Service beginnt wird der Film davon eingeleitet aber wir haben es hier nicht mit einem Nazi-Frauen-Camp-Film zu tun) und wieder woanders eine schöne Twist-Nummer. Und immer genau im passenden Moment so das alleine schon der Soundtrack stellenweise zum Schmunzeln anregt. Die Schauspieler- Ach lassen wir das, die sind eh nicht so wichtig. Dem Niveau das der Film von ihnen verlangt sind sie jedenfalls durchaus angemessen… Übrigens hat der Film dann noch einen wirklich dramatischen Showdown bei dem man noch einmal zähneklappernd mit unseren Helden um das sagenhafte Happy End zittern darf! Also sind somit „alle Klischees des Unterhaltungsfilmes in parodierender Weise angehäuft“ (Zitat des von mir sehr geschätzten Katholischen Filmdienst).


Ich glaube, „Supervixens“ wird für mich zu einem ganz persönlichen Kult-Film vom Schlage eines „Barbarella“ erwachsen: Ein gewollt schundig-trivialer Traum von einem Film, in den man sich hoffnungslos verliebt weil der Regisseur einfach unbekümmert gefilmt hat was ihm selbst am meisten Laune bereitet hat, sich dabei selbst nicht ganz Ernst genommen hat aber das ganze trotzdem mit viel Sorgfalt, Eleganz und Einfallsreichtum enthusiastisch zu einem gutgelaunten, entwaffnenden Party-Film zusammengefrickelt hat, bei dem seine eigene Freude sofort auf das Publikum überspringt. Wer die Lachtränendrüsen einmal wieder ausgiebig strapazieren will und auch die Nase voll hat von dümmlichen Teenie-Sex-Klamotten vom Schlage „American Pie“ der greife zu diesem Meisterwerk des Sexploitation-Films! Ein Must-see, zweifellos.


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