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Happy Hell Night - Verflucht in alle Ewigkeit (1992)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 17.01.2015, seitdem 394 Mal gelesen



„Diese ganze Geschichte erinnert mich an Frankenstein!“

Ein Nachzügler der ‘80er-Slasher-Welle ist die kanadisch-jugoslawische (!) Koproduktion „Happy Hell Night“ aus dem Jahre 1992, die Regisseur Brian Owens‘ einzige Regiearbeit markiert. Der mit okkulten Motiven sowie im Studenten-Milieu spielende Film orientiert sich unverkennbar am Klassiker „Halloween“ und verzichtet von vornherein auf ein Whodunit?.

Seit 25 Jahren sitzt ein unheimlicher, haarloser Mann (Charles Cragin, „True Lies – Wahre Lügen“) stoisch und stumm in einer Zelle einer Nervenheilanstalt in Winfield. Dieser hatte damals in einer Gruft des örtlichen Friedhofs offenbar ein satanisches Ritual an mehreren Studenten verübt, das in einem Massaker gipfelte. Der Fall wurde vertuscht und totgeschwiegen, doch an Halloween des Jahres 1991 graben College-Studenten anhand eines Zeitungsausschnitts die alte Geschichte aus und wollen den Täter heimlich in der Anstalt aufsuchen und fotografieren, um den Fall an die Öffentlichkeit zu bringen. Doch der Plan misslingt, der Täter kann sich befreien und hinterlässt eine blutige Spur…

Der Prolog zeigt die düstere Nervenheilanstalt Winfields. Der dem Zuschauer noch nicht vorgestellte Patient sitzt, ähnlich einem Michael Myers, seit einem Vierteljahrhundert regungslos in seiner Zelle, als würde er auf etwas warten. Die anschließende, wunderbar gruselige Rückblende zeigt einen Jungen (Sam Rockwell, „The Green Mile“) mit einem blutigen Kruzifix in der Hand, der den örtlichen Pfarrer (Irfan Mensur, „The Battle of Kosovo“) um Hilfe bittet. Dieser betritt die Gruft, in der sich ihm ein Bild des Schreckens bietet: Eine haarlose Gestalt inmitten verstümmelter Leichen, die „Kein Frieden!“ mit unwirklicher Stimme formuliert. Zurück in der Gegenwart des Jahres 1991 will man – natürlich – die Halloween-Feierlichkeiten begehen. Der Moderator des College-TV-Senders Ned Bara (Ted Clark, „Wrong Turn“) stößt auf den Fall und heckt seinen Plan aus. Gesucht wird er bereits vom Sheriff (Winston May, „Ghostbusters“), weil er Akten hat mitgehen lassen. Student Eric (Nick Gregory, „Evil Twin“) fragt seinen Vater (Darren McGavin, „Dead Heat“) nach dieser Geschichte, welcher schockiert reagiert, aber sich nichts anmerken zu lassen versucht und seinen Sohn am Telefon abwürgt. Zeit für etwas obligatorischen Sleaze, ein Student beobachtet die hübsche Liz (Laura Carney, „Pleasantville“) beim Sex. Anstatt selbst die Anstalt aufzusuchen, überredet Ned Bara seine Kommilitonen Ralph (Jeffrey Miller, „Jolly Roger: Das Massaker von Cutter's Cove“) und Sonny (Frank John Hughes, „Big Shot“), dort einzubrechen. Gesagt, getan, sie dringen in die düstere Zelle ein, schießen Fotos und erblicken Zachary Malius (so der Name des Insassen) im Blitzlicht. Es kommt zur Katastrophe, denn Ralph bleibt zurück, Malius beweist seine Humorlosigkeit, reißt ihm eine Hand ab und sagt: „Niemals scherzen!“

„Willst du mit mir schlafen?“ – „Mit dir? Warum nicht!“

Daraufhin erledigt er auch die weibliche Nachtwache und ist nun auf freiem Fuß. Zurück auf dem Campus überrascht Liz Bara beim Pornogucken und er erfährt, was geschehen ist. Liz informiert den Pfarrer, welcher in Panik gerät, denn der Film betont nun verstärkt das okkulte Element, das ihn beispielsweise von einem „Halloween“ unterscheidet: Der Kirchenmensch ist seinerzeit mit einem Exorzismusversuch an Malius gescheitert, er betet furchterfüllt und hat Visionen vom blutenden Jesus am Kreuz. Doch statt nun konsequent die ernste Schiene zu fahren, bedient auch „Happy Hell Night“ Subgenre-Klischees von dämlichen Jugendlichen, die sich ihrer Lage nicht bewusst sind und stattdessen eine Party feiern. Dies führt immerhin zu Nacktszenen einer Kimberly (Tatjana Pujin), die der lüsterne Bara filmt. Eric bekommt einen Korb von einem Mädchen und wird vom Einsilbigen per Spitzhackenhieb durchs Autodach getötet, was zwar ordentlich blutig, aber auch arg unrealistisch aussehend ausgefallen ist. Das Schlimmste allerdings ist Malius Kommentar, der den so düster begonnenen Film der Lächerlichkeit preisgibt und Gefahr läuft, aus Malius einen sprücheklopfenden Clown zu machen: „Parken verboten!“

Weitere Einzeiler sind „Kein Sex!“ zu Kimberly und „Keine Perversionen mehr!“ zu einen Mädel, das sich mit Handschellen ans Bett gekettet hatte. Das ist genauso stumpf, wie es klingt und trägt leider dazu bei, Malius zu entmystifizieren. Unheimlich ausdrucksstark und morbide wiederum ist die Szene um ein ans Kreuz genagelte, zerschlagene Opfer, das hin und her schwankend aufgehängt wurde. Eine Köpfung, einen Harpunenabschuss und Fenstersturz später schaut schließlich Erics Vater mal vorbei und bekennt sich verantwortlich, rattert schnell die Hintergrundgeschichte herunter. „Es gibt keine Livesendungen mehr!“ muss Bara erfahren und so gibt es weitere Todesopfer zu beklagen, bis man Malius mittels eines Rituals beizukommen versucht...

„Happy Hell Night“ hat einige gute Ansätze, gruselige Szenen und diverse Härten, flacht jedoch bald ab und schöpft nicht das ganze Potential aus, das Charles Cragin mit seinem außergewöhnlichen Äußeren, verstärkt durch entsprechende, zum Teil hervorragende Make-up-Arbeit, mitbringt und als einziger aus dem ansonsten trotz einiger bekannterer Namen recht austauschbaren Darsteller-Ensemble heraussticht. Auch aus der Hintergrundgeschichte um blasphemische Rituale hätte man mehr machen können, ist sie es doch, die hauptsächlich für Spannung sorgt. Dass man sich in manch Klischee suhlt, ist einem Slasher aber nur schwerlich ernsthaft vorzuwerfen, der unangebrachte Humor hingegen konterkariert die bisweilen durchaus gelungenen düster-atmosphärischen Bemühungen der filmischen Umsetzung. Die eingestreute Elektromusik aber ist mal etwas anderes und verleiht „Happy Hell Night“ tatsächlich einen damals leicht modernen Anstrich. Hörenswert ist auch das Ramones-artige Stück der Slush Puppies, das im Abspann ertönt. Alles in allem gehobener Durchschnitt aus Subgenre-Fan-Sicht, der aber auch das Unvermögen und die mangelnde Innovationskraft manch frühneunziger Slashers dokumentiert.


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