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Rache der Kannibalen, Die (1981)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 25.11.2005, seitdem 547 Mal gelesen



Die Produktionen, die der italienische Horror/Exploitation-Film vom Ende der 70er bis ca. Mitte der 80er Jahre auf den Markt brachte, waren schon immer Gegenstand heftigster Diskussionen. Wobei die „Kannibalen-Filme“ die berüchtigtsten Streifen dieses Genres waren. Zu ihrer Entstehungszeit von den Kritikern verteufelt, von den Video-Junkies heiss geliebt und schließlich von der Bundesprüfstelle verboten, erfuhren sie in den letzten Jahren eine Art von Quasi-Rehabilitierung. Deodatos „Cannibal Holocaust“ schaffte es sogar in einen Kanon der 100 besten Horrorfilme (aufgestellt von einem Kritiker der „Süddeutschen Zeitung“!!!)
Ruggero Deodato und Umberto Lenzi kann man getrost den Leone und den Corbucci des Kannibalenfilms nennen. Lenzi hat das Genre mit „Mondo Cannibale“ praktisch erfunden. Deodato mit „Cannibal Holocaust“ die anspruchsvollste Fressorgie inszeniert, und in ihren weiteren Genre-Beiträgen versuchten sie sich durch immer härtere Gore-Einlagen zu übertreffen.
„Cannibal Ferox“ ist ein herrlicher kleiner Drecksfilm. Das Drehbuch ist natürlich der Gipfel des GaGa. Eine Expedition in den unberührten Dschungel zu unternehmen, um zu beweisen, das es keinen Kannibalismus gibt, hört sich ungefähr so intelligent an, als wenn man durch die Alpen kraxelt, um den Nachweis zu erbringen, das Murmeltiere nicht in Rudeln jagen.
Wenn es sich bei den drei Protagonisten dann noch um eine schräge Gelehrte, ihr etwas dumpfes Brüderchen und eine nymphomane Hupfdohle handelt, dann rundet das den kruden Gesamteindruck perfekt ab.
Von den Hauptdarstellern sind einige bereits „Cannibal-Proofed“: Robert Kerman war in „Cannibal Holocaust“ und „Mangiati Vivi“ dabei. In „Cannibal Ferox“ tritt er allerdings nur als Bulle in den überflüssigen „New-York-Szenen“ auf (Hier hat übrigens auch der Berliner Tatort-Kommissar Dominik Raake einen lustigen Kurzauftritt). Giovanni Lombardo (alias John Morgen) war in „Cannibal Apocalypse“ dabei und Zora Kerova musste sich mit dem „Maneater“ herumschlagen.
Ich muss hier auch noch eine Lanze fĂĽr die Schauspieler brechen. Sie sind bestimmt keinen Deut schlechter als das Gros der Darsteller, die sich heutzutage in den Daily Soaps tummeln.
Sie mĂĽssen aber nun mal den Murks spielen und sprechen, den Regisseur und Autor Lenzi ihnen vorgibt.
Lenzi hat in „Cannibal Ferox“ eigentlich nicht mehr getan, als die erfolgreiche Story von Deodatos „Cannibal Holocaust“ noch einmal durch den Fleischwolf zu drehen und die einzelnen Handlungsstränge um die beeindruckenden „Splatter-Szenen“ zu gruppieren.
Diese sind in der Tat extrem, und ich kann jeden verstehen, der sich von so etwas angewidert abwendet.
Aber letztendlich machen Lenzi und seine Kollegen auch nichts anderes, was der große Shakespeare nicht schon vor Jahrhunderten vorexerziert hat, das geschickte Appellieren an die niedersten Instinkte des Publikums (Wer einen beinharten Splatter lesen möchte, kann sich ja mal „Troilus und Cressida“ oder „Titus Andronicus“ reinziehen).
Was natürlich der Grand-Canyon-große Unterschied zwischen Shakespeare und den vielen schlauen Köpfen, die ihm folgten und einem Hansel wie Umberto Lenzi ist: Die einen wollen echte Geschichten erzählen, in denen sich die Gewalt mehr oder weniger zwingend aus der Handlung ergibt, die anderen wollen in erster Linie explizite Gewalt zeigen, die, da keine adäquate Geschichte vorhanden ist , zum reinen Selbstzweck verkommt.
Trotzdem, bleiben wir bei den niedersten Instinkten, macht so ein Film wie „Cannibal Ferox“ natürlich Spaß. Man kann sich über die triviale Handlung amüsieren und über die kranken Dialoge ablachen. Man schaut fasziniert auf die realistischen Splatter und empört sich über den widerlichen Tier-Snuff. Kurzum, man ist für die Dauer von ca. 90 Minuten zu Gast im schmutzigen Hinterhof des Kinos, abseits von den Glitzerboulevards des Mainstreams.
Wem es dort zu eklig ist, der sollte auch draußen bleiben. Aber wer gerne einmal die ausgelatschten Pfade verlassen möchte, um ein bisschen im Sumpf herumzustaksen, sollte immer wieder mal hier vorbeischauen.


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