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Rache der Kannibalen, Die (1981)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 02.09.2004, seitdem 1129 Mal gelesen



Die Anthropologin Gloria Davis (Lorraine De Selle) schreibt eine Doktorarbeit über den Mythos des Kannibalismus, den es ihrer Meinung nach nie gab. Ihre gewagte These beruht auf der Vermutung, dass die Legenden der Grausamkeiten von den Ureinwohnern am Amazonas lediglich der Kolonialisierung dienten. Aha, eine tolle Dissertation muß das ja sein, dafür bekommt sie sogar noch einen Preis verliehen. Umberto Lenzi verpackt seine dritte Kannibalenverfilmung in ein pseudokritisches Grundgerüst, um drei New Yorker auf die Suche nach den Kannibalen loszuschicken. Die finden sie auch ohne Mühe, auf dem Weg treffen Gloria und ihre Begleiter noch den Kokainfreak Mike Logan (Giovanni Lombardo Radice) und seinen Freund Joe Costolani. Die tischen den leichtgläubigen Großstädtern eine Story über die Grausamkeiten der Kannibalen auf, was natürlich alles erstunken und erlogen ist. So dreht es sich wieder im Kreis und der geneigte Filmfreund wartet bei solchem Exploitertrash sowieso auf etwas anderes. 1. Kannibalenaction: die sind stets präsent, tatsächliche Freßszenen sind jedoch rar. 2. Dschungelatmosphäre: gelungen, nur von unnützen Zwischenblenden nach New York unterbrochen. 3. Obskure Riten: nö, die Kastration haben sie sich ja von den Weißen abgeguckt. Ansonsten noch ein bißchen Koks, ein bißchen Sex, angedeutete Folterungen und ein Dschungelfinale, das mit guten, gorigen Einlagen aufwarten kann. Außerdem gibt's noch Nachhilfe in Sozialdarwinismus, wer das nicht versteht, dem wird das in Form von den damals so beliebten Tiersnuffszenen präsentiert. Die geben an dieser Stelle auch wieder mal einen Punkt Abzug. Denn liebe Freunde des schlechten Geschmacks: wenn ihr so gerne real aufgeschlitzte Tiere betrachtet, warum freut ihr euch dann im Gegenzug über gestelltes Gesplatter an Menschen, oder darf es da auch "etwas realer" sein ? Mit "Rache Der Kannibalen" schließt Lenzi einerseits in der stumpfen Art an seinen kurz zuvor erschienenen "Eaten Alive" an, andererseits scheint er in manchen Details auch von Deodatos "Cannibal Holocaust" beeindruckt gewesen zu sein (auch anhand des Castings). Die vielgerühmte Atmosphäre ist zwar durch schöne exotische Sets und ansehnliche Kannibalen vorhanden, doch die dümmlichen Dialoge lassen zu keiner Zeit Zweifel darüber aufkommen, dass es sich hier um eine, trashige und bisweilen komödienhafte Umsetzung handelt. Zu berüchtigtem Ruhm gelangte Lenzi mit diesem Streifen wohl eher durch eine Hand voll deftiger Splatterszenen, besonders eine Schädelöffnung per Machete mit Gehirnfuttern und das Aufhängen einer Frau an zwei Fleischerhaken durch die Brüste verfehlen ihre Wirkung nicht. Inhaltlich, gerade bei den Dialogen und für Lenzi üblichen Ohrfeigendiskussionen muß man den latent frauenfeindlichen Unterton in Kauf nehmen, oder hiervon Abstand nehmen, denn kaum ein Fettnäpfchen der (heutigen) political uncorectness wird ausgelassen. Wie man sich storytechnisch in eine Sackgassse fährt, erfahren wir zum lachhaften Ende, da wird dann auch noch, tatütata der Konsul höchstpersönlich mit der Geliebten des Heroindealers zur Rettung auftauchen, soso. Die Logik ist an allen Enden löchrig wie ein Schweizer Käse, darum kann man dieses anspruchslose Streifchen nur denen empfehlen, die gerne mal leicht konsumierbaren Kannibalentrash nach Strickmuster B mit vielen unfreiwilligen Lachern und genau soviel Gore unterhaltsam finden.

Fazit: Spielt durchaus für das Kannibalengenre in der oberen Liga mit, dabei sollte man nicht nur an den schicken Goreszenen, sondern auch an der dumpfen Trashart Gefallen finden können. (7-1=) 6/10 Punkten


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