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Killerhaus (1986)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 17.05.2013, seitdem 619 Mal gelesen



Nach außen hin scheint Dr. Karl Gunther ein relativ normaler Vermieter zu sein. Doch hinter der etwas schüchternen Fassade des einstigen Mediziners verbirgt sich Grausames: Der Sohn eines exekutierten NS-Arztes ist süchtig danach zu töten. Denn nur wenn er mordet fühlt er sich lebendig. Durch die Luftschächte seines Appartement-Hauses beobachtet er seine ahnungslosen Mieterinnen, studiert ihre Gewohnheiten und wartet auf den richtigen Zeitpunkt, eine nach der Anderen zu töten. Als die hübsche Studentin Lori ihre neue Wohnung im Haus des Wahnsinnigen bezieht, ahnt sie nichts von dessen Blutgier.


Der deutsche Filmtitel dieses 1986 erschienenen Werkes ist wirklich sehr treffend, auch wenn sich der vorhandene Horror nicht durch explizite Gewaltdarstellungen zu erkennen gibt. "Killerhaus" ist vielmehr ein kleiner-und kruder Horror-Thriller, in dem eigentlich gar nicht viel passiert und sich der aufkommende Horror auf sehr subtile Art zu erkennen gibt. Einmal mehr ist nämlich die Fähigkeit des Zuschauers gefragt, sich in die Lage der jungen Frauen zu versetzen, die in dem betreffenden Mietshaus wohnen und nichts davon ahnen, das ihr Vermieter eine dunkle Vergangenheit hat. Die Hauptrolle des Dr. Karl Gunther hätte man kaum besser besetzen können, denn Klaus Kinski brilliert als offensichtlich psychophatisch veranlagter Sohn eines ehemaligen KZ-Arztes, scheint ihm die Figur doch geradezu auf den Leib geschneidert. Und so wird man auch streckenweise mit der Nazi-Thematik konfrontiert, wobei die entsprechenden Passagen das Thema lediglich oberflächlich anschneiden. Im Vordergrund steht vielmehr die kranke Neigung der Hauptfigur, die ständig den inneren Zwang verspürt junge Frauen zu töten, um danach beim russischen Roulette das eigene Schicksal von einem Revolver abhängig zu machen.

Das Szenario zeichnet sich nicht gerade durch ein hohes Tempo aus, vielmehr offenbart sich von der ersten bis zur letzten Minute eine eher beschauliche Erzähl-Struktur des Ganzen, was manche Leute eventuell schon als etwas langatmig bezeichnen würden. Hinzu kommt auch noch der Aspekt, das sich auch ansonsten recht wenig ereignet, was ich persönlich aber keinesfalls als negativ empfunden habe. "Killerhaus - Horror der grausamsten Art" zeichnet sich vielmehr durch eine ziemlich dichte-und klaustrophobische Atmosphäre aus, die an diversen Stellen auch für eine angenehme Gänsehaut sorgen kann. So entfaltet das Geschehen trotz vorhandener Ereignislosigkeit phasenweise eine äußerst hohe Intensität und wenn man sich dabei auch noch in die Lage der Opfer versetzen kann, dann bekommt man es mit einem durchaus gelungenem Film zu tun, der sehenswerte Kost anbietet.

Als Höhepunkt ist sicherlich das wie immer überzeugende Schauspiel von Klaus Kinski anzusehen, Mimik und Gestik der Schauspiel-Legende sind nämlich wie immer absolut treffend, so das auch kleinere Szenen nachhaltig im Gedächtnis hängen bleiben. Man sollte von Beginn an wissen auf welche Art von Film man sich hier einlässt, denn Freunde temporeicher-und blutiger Inszenierungen werden nicht auf ihre Kosten kommen. Dafür dürften jedoch die Liebhaber des subtilen Horrors durchaus zufrieden sein und die streckenweise grandiose Grundstimmung tut ihr Übriges, um hier ein insgesamt sehr stimmiges Gesamtbild zu zeigen. Wenn man dazu noch den in Kinskis Gesicht erkenntlichen Wahnsinn aufflackern sieht weiß man manchmal gar nicht so genau, ob der grandiose Mime hier nur eine Rolle spielt, oder ganz einfach seine eigene Persönlichkeit zum Besten gibt. Geht der ehemals exzentrische Schauspieler doch eine regelrechte Symbiose mit seiner Rolle ein, wodurch der von ihm gespielte Charakter umso authentischer-und glaubwürdiger erscheint.

Manch einer sieht in "Killerhaus - Horror der grausamsten Art" einen langatmigen-und ereignislosen Film, für mich handelt es sich jedoch um einen wirklich gelungenen Genre-Beitrag, der einmal mehr die These unterstützt, das nicht immer nur Blut und Härte den Unterhaltungswert eines gelungenen Horrorfilms bestimmen. Regisseur David Schmoeller hat hier einen herrlich atmosphärischen kleinen Sicko auf den Weg gebracht, der auch nach fast drei Jahrzehnten immer noch zu faszinieren weiß. Ein grandioser Hauptdarsteller, eine tolle Atmosphäre und eine herrlich krude Geschichte reichen vollkommen aus, um dem Betrachter einen subtilen Horror-Thriller zu präsentieren, den man sich auf jeden Fall anschauen sollte.


Fazit:


Auch wenn "Crawlspace" wie der Film im Original heißt zumeist eher maximal durchschnittliche Bewertungen nach sich zieht, konnte das Werk mich absolut überzeugen. Ich kann es aber auch durchaus nachvollziehen, wenn die Geschichte vor allem die jüngere Generation nicht wirklich anspricht, denn in der heutigen Zeit wird ja bekanntlicherweise mehr Wert auf SFX und jede Menge Tempo gelegt und beides hat dieser Film nun einmal nicht zu bieten.


7,5/10


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