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Killerhaus (1986)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 13.11.2015, seitdem 141 Mal gelesen



„Töten ist mein Heroin!“

US-Regisseur David Schmoellers erste Zusammenarbeit mit Low-Budget-Produzent Charles Band wurde sein nach „Tourist Trap“ und „Tele-Terror“ dritter Spielfilm, der Horror-Thriller „Crawlspace“ aus dem Jahre 1986, für dessen Hauptrolle man Klaus Kinski („Leichen pflastern seinen Weg“) verpflichten konnte.

Karl Gunther (Klaus Kinski) vermietet Appartements eines New Yorker Mietshauses, in dem er sich auch als Hausmeister verdingt, vornehmlich an junge Frauen, denen er durch die Lüftungsschächte heimlich nachstellt. Als Sohn eines seinerzeit hingerichteten KZ-Arztes liebt er es außerdem, zu foltern und an Menschen zu „experimentieren“, schreckt auch vor Mord nicht zurück. Als ihm die Nazijägerin Lori Bancroft (Talia Balsam, „Anthony“) auf die Schliche kommt, beginnt ein nervenaufreibender Kampf ums Überleben…

Auch „Crawlspace“, in Deutschland ursprünglich unter dem Titel „Killerhaus“ vermarktet, ist unübersehbar ein Low-Budget-Streifen und ein Kind seiner Zeit, der Mitte der 1980er, ohne Außendrehs in Studiokulissen und in typischen Neonfarben gedreht. Er baut in erster Linie auf seinen Antagonisten auf, einen komplett durchgeknallten, pathologischen Mörder, der auf überraschend zurückhaltende, ruhige, doch nicht minder diabolische Weise von Klaus Kinski verkörpert wird, der für den größten Wiedererkennungseffekt des Films sorgt. Kinskis Karl Gunther hält sich auf Dachboden eine Frau in einem Käfig, der er die Zunge herausgeschnitten hat. Dort bastelt er auch seine Folter- und Mordinstrumente, mit denen er seinen Mieterinnen und ihren Freunden oder Verwandten zusetzt und sich ihrer schließlich entledigt. Vom Wahnsinn gezeichnet kriecht er durch die Lüftungsschächte, zerquetscht Ratten mit der Hand, schminkt sich auch mal und schaut sich Nazi-Filme an. Nach seinen Morden spielt er russisches Roulette mit seinem Revolver.

Als Hintergrundgeschichte muss sein Vater herhalten, der als Nazi-„Arzt“ im Dritten Reich sein Unwesen trieb und durch seine Tagebuchaufzeichnungen dafür sorgt, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt – diese werden nämlich fasziniert vom Sohnemann aufgesogen, der ihm nacheifert. Aus dem Off zitierte Tagebucheinträge ziehen sich als zusammenhaltendes Element durch die relativ geradlinige die Handlung, die mit ihrem fiesen Sadismus, den man dem Kinskerich’schen Antlitz eben irgendwie auch immer zutraut, für manch Unbehagen gut ist. Generell handelt es sich bei „Crawlspace“ um einen ruhigeren Vertreter seiner Zunft, der mit seiner unwirtlichen, klaustrophobischen Atmosphäre zu spielen versteht und sich der Nazi-Gräuel bedient, um sein Bild unmenschlicher, pseudowissenschaftlicher Mordlust zu etablieren und den Zuschauer zu konfrontieren.

Dazu dienen auch gekonnt wie schockierend geschminkte und drapierte Leichen sowie als dankbares Motiv immer wieder auftauchende Ratten, vor allem aber die Vermittlung einer Unmoral, die einem Menschenleben kaum Bedeutung beimisst – nicht einmal dem Gunthers, der sich immer wieder selbst eine Waffe an die Schläfe hält und abdrückt. Vieles erscheint letztlich wenig neu oder innovativ, ist in seiner detaillierten Ausarbeitung aber dennoch durchaus originell. Die Kameraarbeit Sergio Salvatis, dem ehemaligen Kameramann des italienischen Meisters Lucio Fulci, ist ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt anzusiedeln und veredelt diesen bösartigen kleinen Horror-Thriller ebenso wie die aufregende orchestrale Instrumentierung des Soundtracks, so dass ich geneigt bin, „Crawlspace“ in erster Linie aufgrund seiner europäischen Zutaten als trotz etwas holprigen Timings und unspektakulärer Inszenierung sehenswertes Low-Budget-Produkt bezeichnen möchte, das darüber hinaus den nötigen Grad kruder Schrägheit und konsequenter düsterer Ernsthaftigkeit mitbringt, um aus dem Feld vieler weit unmotivierterer Genre-Produktion herauszustechen.


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