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Ausflug in das Grauen (1981)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 27.06.2014, seitdem 382 Mal gelesen



„Wenn du erst mal richtig Angst hast, kannst du nicht mehr klar denken!“

1981, irgendwann zwischen den ersten beiden „Freitag der 13.“-Fortsetzungen, erschien mit „Ausflug in das Grauen“, auch bekannt als „Don’t Go in the Woods (…alone!)“, ein Backwood-Slasher von US-Regisseur James Bryan („The Executioner“), der selbst bei vielen Fans des Subgenres durchfällt und einer jener berüchtigten beschlagnahmten Video Nasties wurde:

In den Wäldern Utahs hat es jemand auf Camper, Wanderer und andere Freiluftfreunde abgesehen: Brutal meuchelt er seine Opfer. Als eine Gruppe von Freunden zu einem Camping-Ausflug aufbricht, gerät sie ebenfalls ins Visier des Serienmörders. Wer wird überleben? Und was wird von ihnen übrigbleiben…?

„Er ist Anthropologe!“ – „Tatsächlich? Gesprochen hat er aber wie Sie und ich!“

So viel zur äußerst simpel gestrickten Handlung; und man verzeihe mir bitte die Anspielung auf „The Texas Chainsaw Massacre“, womit „Ausflug in das Grauen“ bis auf sein Backwood-Sujet nicht viel gemein hat. Noch bevor man die junge Camper-Gruppe kennenlernt, erwischt es im Prolog bereits jemanden, dem vor seinem Ableben ein Arm ausgerissen wird – durch wen oder was bleibt unbekannt. Subgenretypisches Point-of-View-Geglotze aus dem Walddickicht weist auf ein Whodunit?-Konstrukt und damit auf einen möglicherweise spannenden Handlungsverlauf hin. Tatsächlich darf man sich eine Zeitlang Gedanken darüber machen, wer oder was denn nun genau da sein Unwesen treibt, während ein Tourist mit seiner Mutter umherschleicht und beide ebenfalls zu Opfern werden. Reichlich halbherzig scheint man den Verdacht zwischenzeitlich auf einen Bären lenken zu wollen, denn ein Szenenwechsel ins Sheriffbüro gibt den Anwesenden Gelegenheit, über eben jene Gattung zu palavern; zumindest so lange, bis ein Typ mit schlimmer Pornofrisur den Polizisten eröffnet, dass sie jetzt aufs Land müssten. Dort suchen sie den verschwundenen Anthropologen, bei dem es sich um das bedauernswerte Opfer aus dem Prolog handelt.

„Ich bin so schrecklich, dass sogar ich Angst vor mir hab‘!“

Bevor es den nächsten Campern, diesmal luxuriöseren im möblierten Wohnwagen, an die Krägen geht, bedient man noch liebgewonnene Klischees wie die gar scharöckliche Geschichte am Lagerfeuer. Der Bösewicht latscht unbehelligt weiter durch die Wildnis, wie weitere Point-of-View-Szenen suggerieren. Urplötzlich verlässt James Bryan jedoch anscheinend die Lust auf dieses Versteckspiel, denn nach gerade einmal 33 Minuten enttarnt er seinen Schlitzer, der in seiner Fellkleidung aussieht wie ein Statist aus „Hügel der blutigen Augen“. Nun gut, ab jetzt also mit offenem Visier. Die Situation eskaliert weiter, als der Film sich an seine Campergruppe erinnert und ihre Mitglieder sich zunächst untereinander derbe Späße liefern lässt, bevor ihnen das Lachen gründlich vergeht. Ein wehrhaftes Exemplar der Zeltbewohner bringt kurzerhand den Falschen um, unser böser Waldschrat wirft mit Stöcken. Von den Überlebenden bleibt ein Mädel allein zurück und versucht, in der Wildnis zu überleben wie ein ausgesetztes Tier. Peter (Jack McClelland) und Ingrid (Mary Gail Artz) werden ins Krankenhaus gebracht, aus dem er flieht, um seine Freundin zu suchen. Das Finale wird eingeläutet, als Freiwillige, Peter und die Polizei im Wald nach dem Unhold suchen, ein Rollifahrer fährt warum auch immer dort auch herum und sogar Ingrid wurde aus dem Krankenhaus wieder an den Ort des Geschehens gefahren! All das hinterfrage ich besser gar nicht erst; interessieren würde mich indes, wie man es schafft, trotz kurzer Spielzeit und dieses finalen Aufgebots noch Längen unterzubringen…

„Ausflug in das Grauen“ ist ein sehr fragmentarischer Backwood-Slasher, der reichlich eigenwillig zusammengesetzt erscheint. Vornehmlich ging es wohl um das mehr oder weniger willkürliche Aneinanderreihen spekulativer Tötungsszenen, bei denen man anfänglich lediglich Blutgespritze zu sehen bekommt, die später jedoch an grafischer Härte gewinnen. Dass die Protagonisten in Slasher-Filmen wenn überhaupt nur marginal charakterisiert werden, ist kaum überraschend; wie hier jedoch quasi zusammenhanglos die Opfer eingeführt werden, nur um kurz darauf einen gewaltsamen Todes zu sterben, erscheint schon besonders unmotiviert. Durch sein gefühlt stets gleichbleibendes Tempo macht sich gar aller Gewalt zum Trotz eine gewisse Monotonie bemerkbar, statt einer Spannungskurve sozusagen eine, ähem, „Unspannungsgerade“ – die gegen Ende sogar noch abfällt. Weshalb sich der Missetäter im Wald aufhält und was ihn dazu treibt, brutal alles umzubringen, was ihm an Humanoidem begegnet, kann allenfalls erahnt werden. Kannibalistische Motive sind nicht zu erkennen, mutmaßlich geht es ihm um die Verteidigung seines Reviers. Die meines Erachtens dann doch recht gelungene Schlusspointe gibt jedoch Hinweise, dass es sich ursprünglich um ein im Wald vergessenes oder ausgesetztes Kind gehandelt haben könnte, das auf sich allein gestellt in der Wildnis aufgewachsen ist. Man belässt es bei Andeutungen und versucht gar nicht erst, so etwas wie eine Hintergrundgeschichte (die sich beim Campen am Lagerfeuer gut machen würde…) zu entspinnen.

Wie auch immer dem sei, unmissverständlich appelliert „Ausflug in das Grauen“ an menschliche Urängste vor dem im Wald lauernden Etwas, vor der mehr oder weniger unberührten Natur und dem ihr Ausgeliefertsein etc., doch gelingt es nicht, daraus atmosphärisch Kapital zu schlagen – zu unbeholfen ist der Film handwerklich und schauspielerisch ausgefallen, der zumindest mit seinem dreckigen Look für ein Mindestmaß an Authentizität sorgt. Reichlich seltsam mutet auch der Billig-Elektro-Sample-Soundtrack an, der die eine oder andere Szene in Richtung unfreiwilliger Komik drängt. Ganz anders dagegen der über dem Abspann gesungene Song, der augenzwinkernd und hörenswert ist. Auch der finale Wahnsinn vor der Schlusspointe erinnert angenehm an „Hügel der blutigen Augen“, wie allgemein der Härtegrad nach einiger Zeit beachtlich ist. Die Dialoge sorgen für manch Schmunzler, ebenso diverse abwegige Ideen. Nein, ganz so schlecht, wie er in der Regel gemacht wird, ist „Ausflug in das Grauen“ nicht – solange man ein Herz für Lowest-Budget-Slasher hat und seinem Hirn auch gern einmal eine Auszeit gönnt. Zum Berieselnlassen an einem verkaterten Wochenende gar keine so schlechte Wahl. Wer nächtens bei Kerzenschein Gruselstimmung erzeugen möchte, greift aber besser zur Subgenre-Konkurrenz...


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