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Große Bagarozy, Der (1999)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 3 / 10)
eingetragen am 12.04.2002, seitdem 694 Mal gelesen



Wieder mal fühlte sich ein Produzent bemüßigt, sich auch mal als Regisseur zu versuchen, wenn die deutsche Creme de la Creme schon zur Verfügung steht.
Also fällt Eichinger erst mal über Kraussers literarische Vorlage her und erstellt ein Drehbuch, um dann auch noch auf dem Regiesitz Platz zu nehmen. Das muß ja in die Hose gehen. Aber wie...

Selbst ohne Kenntnis der literarischen Vorlage (die wohl auch nur ausgesprochenen Literaten geläufig sein dürfte), dürfte klar gewesen sein, was einen engagierten Teutonen an dem Thema gereizt hat: Teufel als schwarzer Pudel - Genie - Verderbnis - Doktorin! Und was gibt das unterm Strich. Gell, den Faust. Ischa urdeutsch. Krasses Thema.

Da muß natürlich die Umsetzung hochmodern und smart werden, so richtig mit kompliziert aufgebauter Erzählstruktur, Rückblenden, einem Hauch deutscher Comedy, dramatischen Momenten und Spezialeffekten.

Löbliches Unterfangen, nur daß Eichinger das sicherlich in bester Absicht alles aneinander montiert hat, ohne daß sich dadurch auch nur der Hauch von Übersichtlichkeit ergibt. Unentschlossen schwankt der Film irgendwo zwischen Fantasydrama, Faustinterpretation, Beziehungskomödie und Melodram, wechselt alle zwei Szenen das Genre und das Erzähltempo und präsentiert dabei nicht einen einzigen Charakter, der uns auch nur am Rande interessieren könnte.

Vielmehr gerät die Story zu einem relativ unspannenden Puzzlespiel, was Schweiger und Harfouch denn nun jeweils voneinander wollen und was sie letztendlich bekommen. Der Clou der Story ist dann wenigstens niveautechnisch anspruchsvoll und von einem leichten Augenzwinkern, wenn auch berechenbar.

Leider beweist sich Eichinger auch nicht als Meister der Schauspielführung. Während Corinna Harfouch von dem Drehbuch meistens im Stich gelassen wird und die Frustrierte mimen muß, spielt Schweiger den dämonischen Verführer/Verzweifelten wie ein Stück Holz mit der üblichen heiseren Stimme, als hätte er gestern Zug bekommen. Den Vogel schießt aber Harfouchs Mann ab, Thomas Heinze, der seine Sätze so sorgfältig aufsagt, als wäre er noch auf der Schauspielschule. Lediglich Detlev Bucks Auftritte als Bestatter/Tod sorgen für Momente der Heiterkeit.

Technisch ist das leider auch unausgegoren, die verschiedenen Stile und Aufnahmetechniken werden wild durcheinander gewürfelt, doch erinnert so manches doch wieder nur an einen Fernsehfilm. Überhaupt hätte es dem Film besser getan, wenn die Mystery-Elemente mehr betont worden wären (die Rückblicke auf die Callas und ihren schwarzen Pudel sind die besten Szenen im Film), aber im deutschen Film erforscht man halt lieber Beziehungen und Innenleben, als zu unterhalten. Und da versagt der Film leider auf der ganzen Linie. Immerhin regt er aber zum Nachdenken an, was sich Eichinger damit bloß wieder gedacht hat. Und man fühlt sich nicht verarscht, dafür müht sich hier jemand zu deutlich ab. Er kanns halt nicht. Vielleicht mal was Leichteres? (3/10)


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