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Sisterhood, The (1988)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 19.06.2017, seitdem 51 Mal gelesen



Obwohl Cirio H. Santiago mit Frauenfiguren in Endzeitreißern wie „Equalizer 2000“ und „Wheels of Fire“ wenig anzufangen wusste, drehte er tatsächlich ein postapokalyptisches Ballerspektakel mit weiblichen Helden: „The Sisterhood“.
Nach dem obligatorischen Einleitungs-Voice-Over, das vom atomaren Big Bang und dem Rückfall der Menschheit in ein Stadium der Barbarei erzählt, wird auf die titelgebende Schwesternschaft eingegangen – eine Gruppe weiblicher Krieger, die sich gegen die männliche Vorherrschaft im postapokalyptischen Ödland zur Wehr setzt, was man gleich in der Auftaktszene zu sehen bekommt, in die Kriegerinnen Alee (Rebecca Holden) und Vera (Barbara Patrick) mal ein paar männlichen Wegelagerern, angeführt von Mikal (Chuck Wagner), zeigen wo der Hammer hängt. Noch dazu sind die Schwestern magisch begabt, weshalb es die männlichen Banden höchst selten wagen sich mit ihnen anzulegen.
Marya (Lynn-Holly Johnson) hat da weniger Glück: Ihre Siedlung wird von Mikal und den Truppen von Mikals Boss, Lord Barak (Robert Dryer), angegriffen und ihr Bruder von Mikal getötet, woraufhin sie flieht – wohlwissend, dass man als Frau Freiwild in der Endzeit ist. Doch in einer Bar kann sie die Hilfe von Alee und Vera ersuchen – eine Szene, die nicht von ungefähr an die Tavernenszenen klassischer Fantasyfilme erinnert, denn der Rückfall in die Barbarei ist hier deutlich wörtlicher als in manch anderem Endzeitfilm zu sehen: Obwohl gelegentlich Maschinengewehre, Raketenwerfer, Autos und Trikes zum Einsatz kommen, so sind viele Endzeitler hoch zu Ross unterwegs und verteidigen sich mit Schwertern oder Pfeil und Bogen, womit „The Sisterhood“ sich phasenweise ganz klar an den Fantasy- oder Barbarenfilm anlehnt.

Mikal hegt jedoch einen Groll gegen die Schwesternschaft, der sich Marya anschließen will, da sie ebenfalls eine übernatürliche Fähigkeit hat, nämlich jene, mit Tieren zu sprechen. Als Mikal das Damentrio mit seinen Häschern verfolgt, steht bald die erste Bewährungsprobe für die angehende Schwester an…
Wer sich mit Santiagos Endzeitkino auskennt, den dürften wenige Überraschungen erwarten: Tapfere Rebellen verteidigen sich in einer schnellen Abfolge von Actionszenen gegen eine böse Übermacht oder verfolgen diese, weil sie etwas Wichtiges in ihren Besitz bringen, in diesem Falle eine der Schwestern. Mit Kleinigkeiten wie Charakterzeichnung oder Dramaturgie hält sich Santiago dabei nicht auf. Dabei werden nicht nur Ausstattungsgegenstände, Klamotten und Fahrzeuge wiederverwendet (Santiago-Kenner dürften hier das eine oder andere Déjà-vu erleben), sondern auch bekannte Endzeitmotive – etwa die mutierten Banditen, die in einem Teil des verseuchten Ödlandes lauern und derer sich die wackeren Heldinnen sich natürlich erwehren müssen. Von bekannten Mustern bewegen sich dann nur die Fantasyeinschübe weg, inklusive Magie (wobei das Tierflüstern ein wenig an Don Coscarellis einige Jahre zuvor gelaufenen „Beastmaster“ erinnert), was allerdings zu einem selten blöden Finale führt, in dessen Verlauf die große Endschlacht mit einer magischen Mumbo-Jumbo-Lösung beendet wird, die jeder Beschreibung spottet.
Bis dahin hat „The Sisterhood“ aber doch einiges zu bieten, was ihn vom üblichen Santiago-Endzeitgeballer abhebt. Schon der Frauenclan gibt mal eine etwas andere Perspektive auf das postapokalyptische Treiben und bietet Raum für ein paar Seitenhiebe auf männliche Überlegenheit und Sexismus, wobei Santiago immer noch alles andere als ein Feminist ist, wie zwei, drei kurze, selbstzweckhafte Moppenszenen beweisen. Ebenfalls einprägsam ist eine Szene, in der zwei der Heldinnen einen alten Kommandobunker finden und sich Geschichten von der Vergangenheit vor dem Atomkrieg erzählen, welche die Gegenwart der 1980er (in denen ja die Atomkriegsangst im Kalten Krieg noch nicht beendet war) als mythische Legende wiedererzählt. Ein weiterer interessanter Ansatz ist der, dass Mikal immer mehr Zweifel an seinem Tun hat, was jedoch in Santiagos Händen etwas unbeholfen gehändelt wird – aber für das große Drama schaut hier schließlich auch keiner zu.

Ist aber vielleicht auch besser so, denn auch darstellerisch ist das hier weder besonders herausragende noch besonders schlechte Santiago-Ware. Chuck Wagner schlägt sich wacker mit seiner etwas komplexeren Figur, wird aber vom Drehbuch eben etwas im Stich gelassen, während Lynn-Holly Johnson als angehende Heldin und Zauberin ebenfalls ein paar Akzente setzen kann. Eher routiniert sind Rebecca Holden und Barabara Patrick – letztere die (spätere) Ehefrau Robert Patricks, der seine Karriere ebenfalls bei Cirio H. Santiago begann und mit Barbara (damals noch Hooper) in deren Spielfilmdebüt „Killer Instinct“ für Santiago mitwirkte. Der Rest vom Fest ist schnell vergessen, denn er kommt kaum zum Zuge, was gerade Robert Dryer als Oberschurken an Ausstrahlung kostet.
Aber, wie bereits erwähnt: Um darstellerische Feinheiten geht es bei Santiagos Endzeitfilmen selten, eher um knallige Action und da liefert „The Sisterhood“ schon recht brauchbar. Alle paar Minuten steht eine Verfolgungsjagd, eine Schießerei oder ein Nahkampf an, dank des Repertoires von Fern- und Nahkampfwaffen ist einigermaßen für Abwechslung gesorgt und wenn gegen Ende ein Panzerwagen zum Einsatz kommt, dann macht das richtig Laune. Auch hier geht Quantität über Qualität, zu solider Hausmannskost reicht es jedoch und noch dazu ist die Kamera auch etwas beweglicher als in Filmen wie „Wheels of Fire“, wenn auch nicht so dynamisch wie „Equalizer 2000“.

Ein großes Highlight im Bereich des B-Actionfilms und der billig produzierten Endzeitschinken mag „The Sisterhood“ vielleicht nicht sein, aber doch einer der besseren Radaufilme Santiagos. Das gewohnte Rezept aus Daueraction von okayer Qualität sorgt für Kurzweil und mit dem Fantasyeinschlag sowie der weiblichen Perspektive setzt sich „The Sisterhood“ durchaus wohltuend von anderen Santiagos ab, auch wenn „Equalizer 2000“ dann trotz weniger Innovation die Nase vorn hat, der besseren Action und der besseren Darsteller sei Dank – Werke wie „Stryker“ steckt der hier aber in die Tasche.


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