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Armee der Finsternis, Die (1992)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 25.06.2006, seitdem 781 Mal gelesen



Sam Raimi ist schon so ein komischer Kauz. Wohl kein anderer Regessieur hat und hätte es jemals gewagt den eigenen erschaffenen Kultfilm solch abgedrehe Sequels zu verpassen, die stillistisch stark vom Original abweichen, bis zum Schluss nichts mehr vom ursprünglichen Konzept übrig bleibt. Guckt euch Steven Spielbergs "Indiana Jones" Trilogie an, Robert Zemeckis "Back to the Future"-Reihe, oder die Matrix Filme der Gebrüder Wachowski. Jeder dieser Filmreihen blieb ihrem Original treu und wurden nur durch neue Storylines, Figuren, wichtige Ereignisse und kleinen neuen Elementen/Features ausgebaut, und das ist das was in der Regel ein gutes Sequel ausmacht.

Nur was dagegen hat Sam Raimi gemacht? Das Original "Evil Dead" halte ich für DEN Horrorfilm schlechthin. Eine dreckige, düstere, böse Atmosphäre ohne einem einzigen Anflug von Humor verleiht dem Film ein gewisses Flair, die ekelhaft hässlichen Mutanten sind unaustauschbar einzigartig, und auch die teils billigen und übertriebenen Gore Effekte tragen zum Kultstatus dieses Filmes bei.
Und dann kommt Evil Dead 2. Das Budget wurde verzehnfacht und Sam Raimi konnte diesmal so richtig die Sau rauslassen. Da war der gute Mann wohl zu sehr in Party Stimmung und hat in den vergangenen 7 Jahren ohnehin zuviel "Three Stooges" gesehen, als er es fertig bringt an dem Genre-Titel "Horror" tatsächlich noch den Begriff "Komödie" anzuhängen.
Der Film zeigt tatsächlich Slapstick, jede menge Schwarzen Humor, und einen ziemlich draufgängerischen Ash, der im Vorgängerfilm noch wie ein richtiges Weichei rüberkam. Die Leistung Bruce Campbells, vor allem sein Kampf gegen seine eigene Hand ist Kult, und hat für viele Lacher gesorgt.

Und nun baut Sam Raimi 6 Jahre später diesen Ash noch weiter aus. Noch draufgängerischer, noch cooler, noch sarkastischer. Und von diesen Eigenschaften der Hauptfigur wird schließlich der gesamte Film, das zweite und vorerst letzte Sequel von Evil Dead beeinflusst.
Army of Darkness entpuppt sich als ein rießiges albernes Gagfeuerwerk, dass nur noch wenig von Horror oder gar Grusel spüren lässt.
War der Unterschied zwischen Teil 1 und 2 noch als durchschnittlicher Weitsprung eines 9. Klässlers im Sportunterricht zu bezeichnen, ist nun der Sprung von Teil 2 zu 3 selbst für einen Weltrekordspringer auf dem Mond kaum ausführbar.

Dabei fängt Teil 3 doch genau da an, wo Teil 2 endete.
Ash wird durch einen Zeittunnel ins Mittelalter (inklusive seines Cadillac) katapultiert, und landet nun bei einem Haufen ahnungsloser Ritter, die ihn prompt als einen Vasallen vom befeindeten Herzog ansehen.
Nun schleppt sich Ash als Gefangener seinem Tod entgegen...

Halt Moment, war das denn nicht ein bisschen anders?
Am Ende von Teil 2 landet Ash bei den Ritter, diese wollen ihn töten, doch plötzlich kommt ein seltsames fliegendes Monster daher geflogen, und alle Ritter rennen in Panik davon; nur Ash ist Manns genug seine Schrottflinte auszupacken, und dem Vieh den Schädel wegzupusten.
Plötzlich sehen alle Ritter in Ash einen Helden und rufen "Heil".

Tja das hat Sam Raimi aus dem Script gestrichen, wie so vieles anderes auch. Die kleine Einführung und Zusammenfassung über die Geschehenisse des zweiten Teils am Anfang des Filmes sind neu gedreht, und nur noch Ash's Flug durch den Zeittunnel ist original aus dem zweiten Teils reingeschnitten worden.
Die Szene in der sich Ash die Handabsägt ist genauso abweichend, wie die Freundin Linda. Und endlich erfährt man welchen Job Ash überhaupt hatte. Er ist Einzelhandelskaufmann im S-Mart und hat eine schmierige Frisur X.x

Aber ist ja auch ok, immerhin bietet sich der Film nun mit dieser Einführung und der geringeren Gewaltdarstellung wesentlich massenfreundlicher an, und Neulinge dürften auch ihren Spass haben.
Und der Spass ist ausschließlich dem Faktor "Bruce Campbell" zuzuschreiben.
Er hat mit dem Ash aus Army of Darkness nun endgültig eine Kultfigur geschaffen, die ihres gleichen Sucht. Und tatsächlich gibt es einen netten Abklatsch in Form einer Videospielfigur namens "Duke Nukem".
Der Kerl hat immer einen sarkastischen, respektlosen Spruch auf Lager, nimmt jede Situation möglichst cool, gelassen und lässt nochmals einen bösen Spruch ab. Etwas eingebildet und egoistisch ist er auch; und doof zugleich.

Er muss das Buch des Todes finden, und bevor er es seiner Wiege entnimmt die Worte "Clatu verata Nectu" sprechen. An das letzte Wort kann er sich plötzlich nicht erinnert, ist aber auch egal, er ersetzt es durch ein "hüstel hüstel" und nimmt es einfach. Und nun ist die titelgebende Armee der Finsternis erwacht, und will sich das Buch wiederholen, während Ash schon über alle Berge ist.
Nun setzt der Film auf ein knapp 30-Minütiges Finale, welches eine Schlacht Mensch gegen Skellet zeigt und dabei geizt Sam Raimi wirklich nicht mit beeindruckender Pyrotechnik, gut choreographierten Schwertkämpfen und anderen Stunts.

Und bei dieser Materialschlacht denke ich mir: das war doch einst ein düsterer Horrorfilm, was ist denn plötzlich daraus geworden?
Ich hatte mich auf den Film gefreut wie auf keinen anderen. Ich musste wissen wie Ashs Trip durch das Mittelalter endet. Ich wurde größtenteils unterhalten, aber dennoch auch enttäuscht. Von Horror sind hier wirklich nur noch Ansätze erkennbar und auch die gehen in dem Teils völlig albernen Humor unter.
Sam Raimi lässt es sich nichtmal nehmen einige "lustige" Quitsch-Geräusche einzufügen, als Ash von Skelletten gehaun wird.
Viele der Gags sind gelungen, und einige von Ashs Sprüchen sind fast schon zitierwürdig (eine Unmenge davon darf die bereits erwähnte Videospielfigur nachsagen; "Hail to the King Baby!"), aber dann gibt es auch einige etwas zu alberne Einfälle, die dann auch noch in Relation zu den Vorgängerfilmen völlig Fehl am Platz zu sein scheinen.

Doch einem nüchternen Zuschauer düfte das nicht so sehr auf den Keks gehen. Entweder man mag diese Albernheiten gemixt in diesem skurrilen Stil oder nicht. Was dagegen wirklich negativ auffällt sind die vielen kleinen Filmfehler.
Und ich habe sogar Zeit und Nerv diese alle aufzuzählen xD

Das übelste gleich zu Beginn. Wie lange brauchen eigentlich diese Stachelwände, bis sie endlich komplett geschlossen sind?
Ash steht zwischen zwei Stachelwänden die aufeinander zugehen.
In der einen Szenen sind es nur noch knapp 3 Meter Abstand und sie bewegen sich mit 10cm pro sekunde. Trotzdem hat Ash noch genug Zeit sich zu überlegen wie er da raus kommt, ein Monster zu verkloppen, einem anderen den Kopf abzusäbeln, nur um anschließend zwischen zwei Wänden zu stehen die plötzlich etwa 10 Meter voneinander entfernt sind.
Was soll das?
Und warum benutzt Ash seinen Gürtel als Peitsche um sich an der Kette festzuhalten?

Ash's rechte Hand ist nun eine maschinelle Protese (Groovy) und aus seiner rechten Schulter guckt ein Auge, dass sich schnell zu einem ganzen Kopf entwickelt. Nun bildet sich langsam ein zweiter Körper aus Ash's rechter Schulter, und plötzlich hat er einen Doppelgänger vor sich. Die Maschinelle Hand ist seltsamerweise noch beim alten Ash, obwohl diese an der Hand des neuen, bösen Ashs sein müsste. Und woher hat dieser plötzlich die Klamotten?

Ash landet mit dem Gesicht am heißen Ofen. Nur mit einer kleinen Schaufel kann er sein verbranntes Gesicht da wieder rauszerren. Verbrannt? Woher denn, die Backe sieht aus wie frisch gewaschen.

Warum kommen die Skelletarme plötzlich von oben aus der Luft, obwohl doch eigentlich alle noch unter der Erde begraben sind?

In einigen Szenen sind die "Skelletkämpfer" klar und deutlich als Menschen zu erkennen.

Woher hat Ash die ganze Munition für seine Schrotflinte?

Das könnte ich jetzt ewig so fortführen, aber ich denke Sam Raimi beabsichtigte diese Fehler zum Teil, da sie zum Humor beitragen sollen, denn ernst zu nehmen ist hier gar nichts mehr.

Und was lernen wir schließlich alle aus dem Film?
-Weiber sind verdammt leicht rumzukriegen. Wenn sie für dich eine Decke stricken, und du das mit einem "sehr gut eine Pferdedecke hat mir noch gefehlt" abfällig kommentierst und dabei eine Ohrfeige kassierst, dann renn einfach zu der ollen hin, halte sie in den Armen, "schau mir in die Augen kleines" und schon wird sie schwach!!

-Shotgunschüsse aus nächster Nähe (etwa 1 nano-Meter entfernung) verursachen nur etwas schlimmlige, abgenutzte Haut

-Vorsicht vor schwarzen Büchern, sie saugen dich ein, oder beißen dich!

-Niemals kleine Männchen in deinem Magen mit heißen Wasser bekämpfen, sie wachsen dir nämlich sonst aus der Schulter!!

-Im Kofferraum eines jeden Cadillacs finden sich immer nützliche Sachen wie ein Chemie-Buch

-Zombies sind Körperakrobaten, denn in der Grube gibts viel Zeit und Platz zum üben.

-2 Tage reichen aus, um im Mittelalter aus einem Cadillac einen rießigen Hexler mit Propeller zu basteln, außerdem kann man alle Männer in dieser Zeit zu Karatisten verwandeln, die durch einstudierte Kampftechniken den Kampfstab genausogut beherrschen wie Bruce Lee in "Enter the Dragon".

Ja nach dem Film sind wir (Männer) schlauer. Wir werden auf unterhaltsame Art und Weise belehrt wie man einige Dinge im Leben am besten anpackt.
Und schließlich lernen wir auch, dass man den eigenen Film nicht recyceln muss, um ein gelungenes Sequel zu drehen. Also ruhig was ganz anderes machen, auch wenn es zu deinen bisherigen Arbeiten nicht so recht zusammenpassen will.
Einige wenige Zombies sind langweilig, also lieber einen ganzen Haufen Skellette.
Eine begrenztes Areal wie eine kleine Hütte gab es auch zu oft, also lieber eine ganze Burg inklusive Wald und Friedhof.
Warum so bitterernst und düster? Machen wir eine Party daraus, und schon haben alle viel mehr Spass daran.
Wir haben 13 Mio Dollar, für einen Horrorfilm ist das eh zu viel, also zeigen wir auch mal ordentliche Action.

Das alles wird sich Sam Raimi bei diesem Projekt gedacht haben, und hinterlässt schließlich einen genialen Partyfilm, bei dem man einfach das Denken einstellen sollte.
Mit dem zweiten Sequel des ursprünglichen Grusel Horrors Evil Dead, schafft Sam Raimi nun eine Trilogie, wie sie unterschiedlicher nicht mehr sein könnte. Jeder der Filme ist Kult für sich, und mit den beiden aktuellen Spiderman streifen hat Sam Raimi endgültig für mich bewiesen, dass er einer der begabtesten und interessantesten Regessieure aller Zeiten ist


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