Ansicht eines Reviews

I, Robot (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 06.08.2004, seitdem 618 Mal gelesen



SPOILER AHEAD
Ach jaa... es gibt doch noch nette Popcornfilme. Nach einem sehr unerfreulichen Kinojahr, das außer Kill Bill 2 und HP3 wenig angenehmes zu bieten hatte, und mich mit Lost in Translation, Van Helsing und Spider-Man 2 vergrätzte - jetzt doch mal ein kleiner Lichtblick.

I, Robot ist natürlich Popcornkino und nicht sonderlich tiefschürfend. Aber er ist rasant, unterhaltsam und nervt einen nicht mit pathetischem Selbstzweifelsgeschwalle wie Peter Parker.

Die Rollen sind klar verteilt, Will Smith ist - nunja, Will Smith - er heisst nur anders und mag keine Roboter. Er ist ein altmodischer Kauz, der gerne Turnschuhe in die Kamera hält und Stereoanlagen besitzt die nicht sprachgesteuert sind. Achja und er hat eine Luke-Skywalker-Gedächnismetallarm.
Ooder vielleicht trägt er auch nur die bessere Hälfte von Robocop auf, man weiß es nicht. Die Zukunft ist ansonsten wie immer. Hartz IV scheint der Bringer gewesen zu sein, denn niemand ist mehr arbeitslos und das obwohl alle niederen Tätigkeiten von Robotern vollbracht werden. Man sollte zwar meinen, das sich die sozialen Probleme verschärfen, wenn noch mehr Arbeitsplätze wegfallen - aber wer bin ich Logik ins Spiel zu bringen, wenn augenscheinlich alles wunderbar läuft.

US. Robotics - die Älteren erinnern sich, das ist die Firma die früher die lustigen Modems hergestellt hat - ist mittlerweile der größte Produzent von Robotern. Und kurz vor der Einführung des neuen Modells mit Pfefferminzgeschmack und sechs neuen Klingeltönen passiert ein PR-Desaster sondershausen. James Cromwell - der Erfinder des Warp-Antriebes - springt aus dem Fenster und landet mitten im Attrium der RoboterbauFirma. Er war nämlich im Nebenjob deren Chef udn Gründer und - konträr zum verbreiteten Glauben - Der Erschaffer von Asimovs Robotergesetzen. Also quasi Zefram Cochrane ihm sein Schauspieler seine Robotergesetze.

Will Smith der Will Smith spielt wird beauftragt den vermeintlichen Selbstmord zu untersuchen, auf ausdrücklichen Wunsch von James Cromwell. Was für ein Fuchs, weiß er doch das Will Smith keine sprechenden Toaster mag und sofort mutmaßt das Cromwell ermordet wurde.

Bei der Untersuchung des Schauplatzes, also der höheren Stelle des Todessturzes - entdeckt Will Smith dann auch ein schlechtgelauntes CGI. Das rennt weg und versteckt sich in einer Halle mit vielen anderen identisch Aussehenden CGIs.

Nach etlichem Ballerpeng darf Will das CGI verhören. Es ist einer der neuen Roboter mit Pfefferminzgeschmack. Die neuste Generation und er heisst Kurt. Oder Sunny oder so. Und er hat Emotionen. Da merkt man gleich, hui der Film will uns was sagen. Diese Roboterkerle entwickeln ja vielleicht sogar Gefühle. Okay okay, das ist jetzt nicht grade die neuste Nachricht, für jeden der schon mal Star Treks Data mit seinem Kater diskutieren sah aber hey, wir sind in einem Popcornfilm, da darf man nicht die philosophische Tiefe von Star Trek erwarten.

Quintessenz ist: Irgendwas stimmt mit den neuen Pfefferminzgeschmack-Robotern nicht. Natürlich glaubt Will niemand und egal ob er von einem mürrischen Transformer im wahrsten Sinne DURCH ein Haus gejagdt wird, oder rudelweise arbeitslose Roboter aus Star Wars Episode 2 sein Auto zerdeppern oder sonstwie Amok laufen... irgendwie bekommt ausser Will keiner was mit.

Auch nicht die Roboterpsychologin die laut Asimov-Buch zwar schon 80 ist, aber der "Nackig Duschen"-Szenen wegen mit einer 35jr besetzt wurde. Wobei Nichelle Nichols sicher frei gewesen wäre für die Rolle und auch farblich toll zu Will passen würde - aber das nur nebenher.

Nur Wills Chef weiß was von ihm als Nebenrolle verlangt wird, er blickt nix und enthebt Will seines Amtes - wie das Polizeichefs in amerikanischen Filmen eben so machen. Da kennen die nix, egal ob Man jetzt Eddie Murphy, Bruce Willis, Schwarzenegger oder Mel Gibson heisst.

Irgendwie überzeugt Will die gute Frau Psychologin aber doch noch ihm zu helfen, während er selber versucht rauszubekommen, warum die Robos sich den so merkwürdig benehmen. Nebenher darf Kurt oder Sunny seine Emotionen erkunden und sogar träumen. Er träumt allerdings nicht von elektronischen Schafen, sondern sieht sich selbst als Roboter-Jesus irgendwo in der Pampa stehen. Schön wenn man Ziele hat im Leben.

Am Ende rebellieren die Roboter dann erwartungsgemäß - das Kinoplakat hat uns ja gewarnt - NUR EIN MANN SAH ES KOMMEN - Und Will, die lustige Frau und Kurt retten den Tag.

Das ist lustigerweise auch fast die Handlung der Futurama-Folge "Mothers Day" - nur das Ende ist dann doch bei Collossus: The Forbin Project entlehnt.

Soviel zur Handlung ungefähr, Details später. Das klingt streckenweise zwar etwas dämlich - ist es sicherlich teilweise auch (Warum es in dieser Gesellschaft anscheind üblich zu sein scheint, sofort nach dem Ableben einer Person deren komplettes Haus inklusive Einrichtung, Wertsachen, polizeirelevanten Spuren, Haustieren und allem drum und dran mittels eines Transformers vernichten zu lassen, ist zumindest erklärungsbedürftig) - aber im großen und ganzen funktioniert der Film. Wenn der Hauptbösewicht am Ende davon redet, das die Menschheit auch gegen ihren Willen und mit Einschränkung ihrer Freiheiten zu ihrem Glück gezwungen werden soll - dann denkt man fast eine Regierungserklärung aus Washington zu hören. Und wünscht sich Will Smith würde auch Onkel George W. mal ein paar Naniten injezieren. Aber der ist wahrscheinlich wirklich noch ein Doofbot der ersten Generation, dessen technische Raffinesse sich auf Sprüche plappern, wenn seine Schnur am Bauch gezogen wurde beschränkt.

Alex Proyas ist zwar weit von einem wirklich eindrucksvollen Film, wie seinem Dark City entfernt, aber er bietet solide spassige Action-Trennkost. Und der emotionale Roboter Kurt oder Sunny ist eine sehr putzig zu beschauende Bereicherung des Robotergenres. Wenn man mal davon absieht das er ungefähr halb so echt aussieht wie die Zähne von Stefan Raab. Seine Mimik ist sehr nett anzusehen und seine Augen belegen, das hier dieselben Macher am Werk waren wie bei Gollum. Leider passen er und seine Kollegen in keiner Szene so homogen ins Bild wie ihre digitalen Verwandten in der LOTR-Trilogie.

Die Actionszenen sind nett anzusehen und nerven auch nicht, wie vergleichbare Sequenzen im unsäglichen A.I. oder Minority Report - sehen aber dennoch wieder aus wie die Vorlage für ihr eigenes Videospiel. Das die Bewegungsalgorhythmen der Roboter wieder jeglichen physikalischen Gesetzen zuwider laufen versteht sich bei einem Renderfilm des Jahres 2004 von selbst. Wie auch Spider-Man, Catwoman und Van Helsing hüpfen sie wie Flummis durch die Gegend, lösgelöst von Gravitation und Plausibilität. Aber warum sich mehr Mühen machen, wenn das Publikum solche 0815-Animationen doch Jahr um Jahr wieder bejubelt.

Das klingt alles sehr durchwachsen, aber ist im Endeffekt dennoch solide Unterhaltung. Und bei den üblichen Gurken, in denen Tricks und Dialoge einen Hirn und Augenbluten verursachen ibin ich schon froh über einen FIlm wie I, Robot. Sicherlich spielt Smith wieder nur Will Smith - den schnoddrigen "Allein gegen Alle weil mir ja eh keiner glaubt"-Cop - aber das hat den Stirb langsam Filmen ja auch nicht geschadet. Bridget Moynahan als Roboterpsychologin liefert eine ansehnliche Leistung ab, wenn man bedenkt das sie nicht wirklich viel zu tun hat. James Cromwell ist auch in einer Minirolle immer angenehm anzusehen und Alan Tudyk schafft es Kurt oder Sunny eine Persönlichkeit zu verleihen die irgendwo zwischen C3PO und HAL liegt.

Fazit: Netter Sommerfilm, der unterhält ohne seine Zuschauer zusehr zu beleidigen. Das ist in diesem Sommer schon eine ganze Menge.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Batzman" lesen? Oder ein anderes Review zu "I, Robot (2004)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Batzman

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

477 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Jeepers Creepers 3: Cathedral (2017)
Staat gegen Fritz Bauer, Der (2015)
Poor Pretty Eddy (1973)
Daddy's Home 2 - Mehr Väter, mehr Probleme (2017)
Single Man, A (2009)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich