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I, Robot (2004)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 08.08.2004, seitdem 2128 Mal gelesen



Regisseure wie Alex Proyas und Christopher Nolan gehören zu der neuen Generation, die den alteingesessenen Filmemachern Hollywoods bald gehörig einheizen könnte. Sich ihrem Stil treu bleibend, wurde beiden nach Achtungserfolgen wie „The Crow“ und „Dark City“ beziehungsweise „Memento“ und „Insomnia“ ein Großprojekt mit Potential anvertraut. Auf Nolans düsteres „Batman“ – Prequel „Batman Begins“ muss man sich noch bis nächsten Sommer gedulden, Proyas ist da mit „I, Robot“ etwas früher dran. Dass der Mann intelligente, atmosphärische, stilsichere Zukunftsvisionen auf Zelluloid bannen kann, hat er mit dem zu Unrecht recht unbekannten „Dark City“ bewiesen. Wie schlägt er sich nun bei seinem ersten Blockbuster?

„I, Robot“ basiert weder auf Isaac Asimovs („Fantastic Voyage“) Kurzgeschichtensammlung, noch ließ der Film sich davon inspirieren – er entlieh jedeglich ein paar Ideen, vor allem die drei goldenen Regeln der Robotik:
1. Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen unter keinen Umständen absichtlich Schaden zufügen oder Schaden durch Untätigkeit in Kauf nehmen.
2. Ein Roboter hat dem Befehl des Menschen Folge zu leisten, sofern dies nicht gegen das erste Gesetz verstößt.
3. Ein Roboter hat seine eigene Existenz zu schützen, sofern dies nicht gegen die ersten beiden Gesetze verstößt.
Weiter distanzierte sich bisher in Hollywood kaum ein Regisseur von seiner Literaturvorlage und so ist leider klar, dass „I, Robot“ nicht der erhoffte, wegweisende Science-Fiction-Streifen ist, der sich anschickt das Erbe von Ridley Scotts „Blade Runner“ anzutreten. Das liegt aber daran, dass der Film hauptsächlich auf dem Skript Jeff Vintars („Final Fantasy: The Spirits Within“) beruht, in das nur einige Ideen Asimovs eingearbeitet worden sind. „I, Robot“ ist damit ein reiner Unterhaltungsfilm geworden, der die an ihn gerichteten Ansprüche, erwachsene Science-Fiction zu präsentieren, nie erfüllen kann. Proyas musste hier dem Mainstream Tribut zollen und das ist angesichts des Potentials dieses Stoffs mehr als schade. Ich möchte nicht wissen, in wie fern Produzent Smith und Drehbuchverbrecher Akiva Goldsman („Lost in Space“, „Batman & Robin“, er schrieb das Drehbuch für Smith um) ihm hier die Tour versaut haben.

Dabei scheint in Ansätzen die sich dahinter versteckende Genialität dieses Stoffs immer wieder durch, denn „I, Robot“ diskutiert über den Fortschritt. Lawrence Robertson (Bruce Greenwood) stellt in einem Dialog mit Filmheld Del Spooner (Will Smith) solche Fragen, wie „Hätte man das Internet nie erfinden sollen, um Bibliotheken und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu erhalten?“. Leider blockt Spooner sogleich mit einem platten Spruch ab. Schade, denn so wird der Film seiner Intelligenz beraubt. Hier, im Jahr 2035, sind menschlich programmierte Roboter nämlich längst ein Teil unseres Lebens geworden, ohne dass es uns bewusst geworden ist. Es wäre so viel Platz, um zu diskutieren, wie weit man gehen darf. Hat ein Roboter Rechte, darf und kann man ihn als Individuum betrachten, können Roboter ein Eigenleben entwickeln und sich über ihren Schöpfer stellen? Können sie gar Gefühle entwickeln und sich verselbstständigen? „Ich, Roboter“ – sagt der Titel? Wann werden unsere Handlungen uns zu selbigen machen? Auffallend, wie wenige soziale Kontakte die Figuren hier pflegen. Nicht mal für die Lovestory zwischen Spooner und Calvin ist Platz.
Anstatt sich auf solche interessanten Fragen zu stürzen, wird nur ein Plot wiedergekäut, in dem mal ein Held von der Stange (witzig, smart, unkaputtbar und mit Geheimnis) suspendiert wird und als einziger die Welt vor dem Untergang retten kann, weil Roboter an die Macht wollen.

Dieser Held ist praktischerweise Will Smith, der sich hier zu drei Vierteln im Bad-Boy- Modus durch den Film kalauert und an einigen Stellen mit zu vielen coolen Onelinern ausgestattet worden ist. Smith alias Spooner ist ein Anachronismus seiner Zeit. Ein Cop, der seinen Retrolook pflegt, den neuen Robotergenerationen sehr skeptisch gegenüber steht und das blinde Vertrauen in sie für einen Fehler hält. Zudem hat er in den ersten Minuten mit doch recht aufdringlichem Produkt Placement (Converse, JVC) zu kämpfen, das sich danach aber, mal abgesehen von seinem schicken Audi-Renner, verabschiedet. Schade nur, dass sein Charakter sich nie auf eine Diskussion einlassen will und immer gleich auf Stur schaltet und abblockt. Welches Erlebnis hinter seiner Antipathie steckt, erfahren wir später. Nur leider ist es so unglaubwürdig, dass seine Einstellung zu einer Farce wird. Seine Abneigung gegenüber Robotern ist letztlich nur ein Vorwand, damit der tote Lannings nur ihn auswählen kann!

Wer sich hier nur berieseln lassen möchte, der kann sich „I, Robot“ hingegen vorbehaltlos anschauen, denn optisch überzeugt Proyas, auch wenn die Dunkelheit einer hellen, friedlichen Welt gewichen ist. Da ließ er sich doch sehr offensichtlich bei Steven Spielbergs „Minority Report“ beeinflussen. Der Plot wird eher lose zusammengehalten, die Action ist der Star und die hat es in sich. So steril das bisweilen auch aussieht und so einfach man die künstlichen Tricks auch ausmachen kann, Proyas versteht sein Handwerk und präsentiert hier wirklich adrenalintreibendes Sci-Fi-Kino, in das der Realismus bald keine große Rolle mehr spielt. Insbesondere Smiths Auseinandersetzungen mit Horden von Robotern sind völlig übertrieben und unglaubwürdig geraten. Die Kooperation realen Sets, virtuellen Geschöpfen und echten Schauspielern ist visuell makellos und erzeugt tatsächlich eine glaubwürdige Umgebung. Sterilität ist oft ein Merkmal für futuristische Sets und Proyas hat zumindest in diesem Fall nichts von seinem Können eingebüßt – auch wenn man in seinen vorherigen Filmen nie Helden in Zeitlupe ballern durch die Luft segeln sah. Die teilweise wirklich abgedrehten Kamerafahrten, das semifuturistische Design Chicagos, der durch Motion-Capturing zum Leben erwachte heimliche Star Sonny, der Audi; sie alle zeugen vom Können des Regisseurs.

Viel mehr als dieser Optikbombast bleibt aber auch nicht hängen. Zur Unterhaltung reicht das auch, um die mitdenkenden Zuschauer im Publikum zu befriedigen wohl nicht. Dass Spooner nun so ausgefuchst ist, dass er dem Hologramm Dr. Alfred Lannings (James Cromwell, „Star Trek: First Contact“) die richtigen Fragen entlocken kann, mag zwar noch angehen, seine Schlussfolgerungen sind hin und wieder jedoch etwas konstruiert und von Zufällen begünstigt. Da kann auch seine Partnerin, die bei US-Robotics angestellte Susan Calvin (Ex-Model Bridget Moynahan, „Coyote Ugly“, „The Recruit“) nicht mehr großartig zur Weiterentwicklung des Plots beitragen. Immerhin ändert sich ihre kühles Aussehen, als ihr Zweifel kommen, in einen legereren Look. Von Chi McBride als Polizeichef bis zu Bruce Greenwod als Konzernchef wird der Rest des Casts sowieso nur in schematischen Nebenrollen verheizt.

Ich will „I, Robot“ gar nicht mal so richtig schlecht finden. Nur was nimmt man aus dem Film mit? Leider nichts. Die inspirationslose Action ist chic, aber auch „nur“ auf der Höhe der Zeit, dank der weißen, blendenden Optik will keine richtige Atmosphäre aufkommen, Smith spielt zwar ordentlich, aber sein Charakter ist auch genau auf sein Image angelegt und passt mit seinenen Reaktion oft nicht ins Bild. Wer oder was hinter dem Tod Lannings steckt, ist zumindest für Genrefans recht früh erkennbar. Nur die Schlussszene bleibt da noch mal beim Publikum haften. Dabei gibt es eine Menge toller Momente, wie der an ein Roboter-Ghetto erinnernde Abstellplatz für ausrangierte Roboter, der an einen Bürgerkrieg erinnernde Konflikt in den Straßen zwischen Mensch und Robot oder die Auftritte des immer menschlicher werdenden Sonnys. Nur warum macht Proyas in 4 von 5 Fällen nichts weiter daraus?


Fazit:
Mit „I, Robot“ wird Alex Proyas zumindest finanziell Erfolg haben. Wer anspruchsvolle Science-Fiction erwartet, wird hier aber böse enttäuscht werden. Ich will gar nicht mal leugnen, dass ich mich nicht unterhalten gefühlt habe, aber dass eine Stunde später eigentlich nur die bombastischen Actionszenen im Gedächtnis bleiben, sprich doch schon für sich. Zugunsten der leichten Konsumierbarkeit wurde die intelligente, philosophische Auseinandersetzung mit dem allgegenwärtigen Fortschritt auf ein Minimum beschränkt. Das ist schade, denn „Dark City“ hatte ungemein viel davon und „I, Robot“ hätte ein moderner Klassiker werden können. So ist es nur ein futuristischer Actionfilm mit einem losen Detektivplot, der kaum überrascht und Will Smith seinen jährlichen Sommerblockbuster beschert. Nicht tiefsinnig, aber effektiv. Dem verschenkten Potential werde ich noch Jahre hinterher weinen. Dann lieber wieder „Blade Runner“ einwerfen.


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