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Nudist Colony of the Dead (1991)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 01.04.2006, seitdem 3620 Mal gelesen



Willkommen bei der mehr oder weniger erfolgreichen Präsentationsreihe „Filme die die Welt nicht kennt und braucht“. Diesmal habe ich für Euch wieder einen echten Leckerbissen ausgegraben, allein der Titel Nudist Colony of the Dead dürfte sicher gereicht haben um für etwas Aufmerksamkeit zu sorgen. Liebe Freunde des schlechten Geschmacks, hat vielleicht der ein oder andere meine Rezension zu Gory Gory Hallelujah gelesen? Wenn nicht – holt dies nach! Optional reicht aber auch erst einmal diese Kritik, ist die Thematik in groben Zügen die gleiche: Die satirische Behandlung von religiösen Fanatismus. Leider kommt dieses obskure Kleinod nicht an Gory Gory Hallelujah heran, ist aber dennoch sehr empfehlenswert - nicht zuletzt ob seiner dutzenden Musicaleinlagen(!!!). Da ist mir mein momentaner Koffeinrausch während der Nachtwachentätigkeit sehr willkommen, ihr nehmt lieber mit Bier vorlieb!

Alles beginnt in einem Gerichtssaal, in dem letztendlich beschlossen wird, dass die örtlich ansässigen Nudisten wegen ihrer "unmoralischen" Lebensweise von ihrem FKK-Gelände verbannt werden, um der christlichen Gemeinde Platz für ein Ferienlager einzuräumen! Voller Trotz begehen die Nudisten Suizid, schwören sich aber vor ihrem Tod all jene zu meucheln, die je ihren einst geliebten Ort betreten. Als eine christliche Campergruppe von sündigenden Teenagern auf Bekehrungstrip dort grassiert, erwachen die Toten und metzeln sich nach und nach durch die Belegschaft…

Bescheuert? Oh ja, sogar sehr. Doch der Titel und diese kurze Inhaltsangabe sind nur die Spitze dieses Eisberges, gegen die filmische Titanic mit voller Wucht gegen kracht. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, eigentlich gibt es nicht wirklich viel zu erzählen, da so gut wie kaum was passiert, aber das was ich erzählen muss bedarf schon einiger Worte. Ich mache erst einmal ein kurzes Resümee, gehe dann in die Details. Der spaßige Schund ist nicht düster genug um einigermassen Horror zu erzeugen, nicht nudistisch genug um ihn als wirklich pornographisch zu deklarieren und nicht wirklich lustig genug um als reinrassige Komödie betrachtet zu werden. Aber gerade dieser Mix, versehen mit ein paar wirklich zwerchfellerschütternden Musicaleinlagen, macht ihn dennoch zu einer klaren Empfehlung für die im Sumpf der "normalen" Filme versinkenden Freaks.

Die Geschichte ist dermaßen durchgeknallt und irre, mich würde es nicht wundern wenn diese Kurosität irgendwann im Troma Programm auftauchen würde. Er passt wirklich dort perfekt rein, hier wurde mit geringsten Mitteln und sichtlich kaum vorhandenem Budget eine Menge an Unterhaltungswert verwirklicht. Das meiste spielt sich auf einer Graswiese ab, auf der die Leute campieren - ein paar kleinere Szenen spielen in einer Kirche oder sonstigen Gebäuden, optisch wie der Rest aber eher belanglos. Denn im Gegensatz zu Gory Gory Hallelujah gibt es hier keine farbenfrohen Bauten zu sehen und wilde Szenarien wie z.B. die „Elvis“ Bar fehlen komplett. Auch ist die Geschichte selber viel gradliniger und unabwechslungsreicher, fast schon wo als langweilig zu bezeichnen. Wirkliche Charaktere fehlen, das augenzwinkernde satirische Element hier eher ein gesellschaftlicher Rundumschlag mit dem Holzhammer, TROTZDEM habe ich mich stellenweise extrem gut unterhalten gefühlt.

Der Film ist eben ein typisches B-Movie: B wie billig, B wie beknackt, B wie belanglos und B wie besonders unterhaltsam. Tut mir leid, das Koffein macht mir heute einen Strich durch die Rechnung. Was soll es. Die Leute, allesamt so Anfang 30, kommen also auf den besagten Campingplatz und werden nach und nach von den aschgrau geschminkten Zombies getötet. Natürlich peilt keiner wenn einer verschwunden ist, als irgendwann die ersten Leichenteile auftauchen, beginnt man sich zumindest etwas Gedanken zu machen, wirklich was unternehmen tut jedoch keiner. Die Charaktere sind absichtlich auf strohdoof getrimmt; es gibt einen sprachlich unbedarften Asiaten, schwule Rednecks (wo der eine an Ike aus Muttertag erinnert), dumme Hühner und puristische Klerikerinnen. Jeder kann absolut nichts außer völlig Gaga zu sein, es strengt sich auch sichtlich keiner an, um irgendwie aus der Masse heraus zustechen.

Dafür wird anderweitig gestochen, die halb nackt(!) umherlaufenden Zombies sind nicht faul und führen ihren Schwur relativ blutig aus: Körperteile (die man aber nur zu Boden fallen sieht) werden tranchiert, Leute mit einer aus dem Nichts erscheinenden Dampfwalze überfahren, ein Mädel quasi von innen auszementiert oder der geschwätzigen und echt nervigen, ständig Bibel zitierenden Brillenschlange sein dummes Maul mit seinem „besten Stück“ gestopft. Wie bei Gory Gory Hallelujah wird hier religiöser Eifer ins Visier genommen, doch wie gesagt auch jede andere Gruppierung wie Schwarze, Schwule oder Hinterwäldler wird hier verarscht. Auch wenn mancher Gag wahrlich nicht sitzt (eigentlich tun es die wenigsten), irgendwie ist man dennoch nur am ablachen. Vor allem durch die herrlich bescheuerte Atmosphäre bedingt, die der Film von der ersten bis zur letzten Minute ausstrahlt, ist es einem letztendlich echt total egal, ob nun ein Witz funktioniert oder nicht. Kann ich echt nicht beschreiben, wer ähnlichen Geschmack hat wie ich und sich dieses Kleinod (hoffentlich!) anschaut, der wird wissen was ich meine...

Was mir SEHR gefallen hat und den Film trotz seiner Mängel punktuell noch einmal DICK aufwertete waren seine Musicaleinlagen. So etwas Geiles habe ich noch nie gesehen, da verblassen selbst die Gesangsparts aus Cannibal! The Musical! Und das will schon was heißen! Wenn hier in den markanten Situationen angefangen wird, diese musikalisch darzustellen und so die Story weiterzuführen, dann ist echt im Himmel Jahrmarkt. Herausragend das gute Morgen Lied „Inky-dinky Doo-dah Morning“, bei dem man nicht weiß, ob man ob der euphorischen Morgenlaune, die die Darsteller verbreiten wollen, am liebsten gleich los brüllt oder noch etwas wartet. Auch die Szenen des rappenden schwarzen Waldhüters MUSS man gesehen haben; absolutes Pflichtprogramm. Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind die restlichen musikalischen Einlagen, die Choreographie der tanzenden Zombies zwar eine Zumutung, aber das macht´s eigentlich doch nur interessanter, oder?

Im direkten Vergleich mit dem thematisch ähnlichen Gory Gory Hallelujah zieht Nudist Colony of the Dead klar den kürzeren, ist inszenatorisch um einiges weniger reizvoll, doch die Musicaleinlagen sind wie gesagt einfach nur der Hammer. Diese entschädigen für vieles, anschauen sollte sich der Freund merkwürdiger Zombiefilme - die den Splatter nicht in den Vordergrund stellen - eh beide. Für die Notengebung war ich einmal so gnädig und habe diesen unabhängig von dem anderen bewertet, da beide doch ihren ganz besonderen Reiz haben. Thematisch ganz anders, aber dennoch schon sehr seltsam unterhaltsam war auch der erste Film von Regisseur Mark Pirro namens Death Game. Dieser WasAuchImmer hat jedoch meine kühnsten Erwartungen(?) übertroffen! Mal schauen was das Output von Pirro noch hergibt – demnächst mehr davon hier. Ach ja: Das ist eine Drohung!


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