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Billy Elliot - I Will Dance (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 03.09.2007, seitdem 750 Mal gelesen



Wie bin ich eigentlich nur an diesen Film geraten? Nun, genau genommen dadurch, dass der paralell auf einem anderen Kanal laufende Brosnan-Bond derart grottig war (wie konnte man diesem erklärrten Unsympathen bloß je die Bond-Rolle überlassen?) dass ich in einer Werbepause zu diesem Film hinüberzappte und irgendwie aus einer belustigten Alkohollaune heraus daran hängen geblieben bin. Denn ein merkwürdiger Umstand wird einem hier bereits nach geringer Laufzeitdauer mit Erstaunen gewahr: Das hier zugrundeliegende Konzept könnte man in etwa mit "Rocky als Frauenfilm" zusammenfassen. Vom Aufbau her zumindest erinnert mich I will dance frapierend an jenen Kultstreifen aus der Actionecke und das treibt in Kombination mit der "Ballett-Tanzerei" so groteske Blüten, dass ich im Laufe des Abends mehr als nur eine Lachträne vergossen habe. Doch kommen wir zunächst zur Story:

Der junge Billy Elliot wächst in der trostlosen, bürgerlichen Umgebung eines englischen Arbeiterviertels auf. Die Mutter ist früh gestorben, Vater und Bruder sind hartgesottene, bodenständige Gesellen, die ihr karges Auskommen in den Kohlezechen um die Stadt erschuften. Und auch dem jüngsten, eben Billy Elliot, versuche sie ihre Lebensweise und Ideale zu vermitteln. Doch statt, wie vom Vater gewünscht, zu boxen, schleicht sich der schmächtige Junge Tag für Tag heimlich zum Balletunterricht. Als seine Trainerin das außergewöhnliche Talent des Jungen erkennt, will sie ihn zu einem Vortanzen in London schicken. Doch wie soll Billy Vater und Bruder ein solches Anliegen vermitteln...


Wie gesagt. Eigentlich klassicher Rocky-Aufbau, der sich uns hier darbietet: "Eigenbrötlerischer Underdog-Sportler trainiert sich gegen alle Widerstände bis an die Spitze hoch und triumphiert schließlich". Nur mit dem Unterschied, dass es hier eben tatsächlich und wirklich ums Ballett (ja, Ihr lest richtig...) geht und der Protagonist jedesmal, wenn Rocky & Co. die Fäuste heben würden, mit seinem Gehüpfe (und Tanzen wäre so ziemlich das Letzte was mir persönlich einfiele wenn ich in haltloser Rage bin) loslegt. - Beispiel: Billy wird von seinem entsetzten Vater beim Balletttraining im Gym erwischt. Beide stehen sich mit so fassungslosen wie verärgerten Mienen Aug in Aug gegenüber. Was wird nun passieren? Normalerweise würde man davon ausgehen, Einer von Beiden tritt nun den ersten Stein los und schreit das Gegenüber an, villeicht entbrennt sogar eine wüste Keilerei. Und zunächst sieht es auch danach aus. Billys Blick verfinstert sich, er schaut seinem alten Herrn wütend und trotzig in's Gesicht und... fängt an zu tanzen! Rundherum um den verdutzten Bergwerker und Vater dreht der Junge Pirouetten, springt geradezu grotesk energisch aber leichtfüßig meterweit durch die Halle und shuffled zur Krönung dann noch einen gepflegten Stepptanz daher. "Yeah, that will show him! HUAHAHAHA!" *rofl* - Andere Szene: Nach einem hitzigen Streit mit seiner Trainerin latscht Billy hastig die Straße herunter. Schnellen, zornigen Schrittes stapft er die trostlose Straßenkulisse herunter mit einer Mimik, die eigentlich erwarten ließe das er jeden Moment irgendetwas zu Brei schlagen müsse. Doch plötzlich scheint er zu humpeln? Doch nein, er humpelt nicht! Er... Oh, for christ's sake: Er steppt! Ein ungläubig-amüsierter Ausdruck macht sich auf meinem Gesicht breit. Billy hingegen dreht derweil völlig ab und auf dem verregneten Asphalt die ersten Pirouetten und schon Momente später hüpft er, betont wütend, die Gasse hinunter wie ein durchgeknallter Barischnikov auf Extasy!.Mich zerlegt's derweil vor Lachen vor dem Fernseher. Wenn Billy dann in seiner finalen "Triumphszene" in einem Vogelkostüm auf die Bühne tritt, das selbst Amnesty international als entwürdigend abmahnen würde und einen Sprung hinlegt, dass einem wichtige Teile schon vom bloßen Zuschauen wehtun, ist sowieso alles zu spät.



F A Z I T :

Frauen sitzen bestimmt weinend mit Taschentuch vor diesem Film und schluchzen unentwegt: "Der arme Junge! Warum kann er nicht sein, was er will?" - Ich hingegen saß mit Lachtränen in den Augenwinkeln davor wartete immer nur auf die Szenen, in denen ein regulärer Protagonist von Filmen dieses Grundgerüsts (Rocky-Schema) im Normalfalle die Fäuste auspackt und anfängt seine Gegner und/oder das umliegende Interieur zu demolieren. Nämlich genau dann fängt Weichkeks Billy hier ernstlich immer an äußerst "grantig zu tanzen". Wer zum Geier tanzt, wenn ihm die Hass-Vene auf Hundertachtzig pulst? Niemand, sage ich! Und genau durch diesen Wacko-Aspekt entwickelt der Film für mich dann doch ein unerwartetes Humorpotential. Die storytechnischen Rocky-Paralellen in Kombination mit dem abstrusen Gehopse des Ballett-Youngsters sind einfach zum Schießen. Ich wußte bis dato nicht einmal, dass man überhaupt "zornig tanzen" kann. Obwohl... Da war doch was... Rumpelstilzchen... ach ja, und Leprechauns! Aber wie dem auch sei: Billy Elliot - I will dance kann sich meiner Meinung nach somit schon allemal auf die Fahnen schreiben, der erste Plot mit wütend tanzendem Gnom seit den Gebrüdern Grimm zu sein.

Ob sowas nun unbedingt einen Oscar wert ist, darüber kann man streiten. - Aber nun zur wichtigsten Frage. Sollte man sich als diesen Film anschauen? Nun, in diesem Falle kann ich hierzu nur aus meiner Warte als männlicher Filmfan sprechen, dem ein Ansehen dieser Art von Filmen (Schmalzdramen mit IMO übersozialem Einschlag) normalerweise lediglich abrupt einsetzenden Tiefschlaf einbringt. Und als Solcher muß ich sagen: Genau genommen ist der Film für unsereins völlig ungeeignet. Zuviel aus meiner Sicht langweiliges Gedöns um Emotionen, passieren tut leider auch reichlich wenig (außer dem Getanze). Insofern muß man wohl schon einen sehr nerd-igen Sinn für Humor, ein auch ansonsten schlechtes Fernsehprogramm und diverse Flaschen eines guten Biers am Start haben, um die Sache bis zum Abspann durchzustehen (Für meiner einen zumindest hat das funktioniert). I will dance ist irgendwie wie ein Autounfall: Es ist eigentlich fürchterlich und man will wirklich nicht hinschauen, sieht aber trotzdem hin. Und so vergebe ich für Billy Elliot immerhin noch fünf Punkte, eingerechnet des nicht zu verleugnenden "Absurdistan-Bonus", der hier für meine Begriffe unzweifelbar angebracht ist. - Zumindest wissen wir nun wie es ausgesehen hätte, wenn Rocky Tänzer gewesen wäre... Zugegebenermaßen genauer überlegt ein Szenario, dessen Ansehenswert mehr als zweifelhaft ist. - But eh, it's like they say: "Life long enough and you'll see everything..."


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