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Tenebrae (1982)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 24.06.2007, seitdem 950 Mal gelesen



Als sich ein amerikanischer Krimiautor zur Promotion seines Buches in Italien aufhält, beginnt eine Mordserie mit Parallelen zu seiner Geschichte und da der Autor unter Tatverdacht, aber auch unter der Gefahr der Ermordung steht, versucht er neben der Polizei auf eigene Faust, den Täter zu identifizieren.

Nach seinem Ausflug ins phantastische Mysterytraumkunstkino in Form der überragenden "Suspiria" und "Inferno" kehrte Dario Argento mit "Tenebrae" zurück zu seinen Filmwurzeln, nämlich dem Giallo.
Die Geschichte bietet eine Vielzahl von für die Morde in Frage kommenden Verdächtigen, die nach und nach näher vorgestellt werden und in Beziehung zum Autor stehen, doch ich möchte behaupten, dass die Täterfindung für den Zuschauer vor der Auflösung nicht möglich ist, selbst wenn man das eingestreute Arthur Conan Doyle Zitat beachtet, denn es werden geschickt Finten ausgelegt und am Ende kommt alles ganz anders, aber ich möchte nicht zuviel verraten. Etwas enttäuscht bin ich von einer Szene, in der eine Person in guter alter "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe"- und "Profondo Rosso"-Tradition meint, dass sie etwas gesehen habe, was der Tätersuche erheblich förderlich sei, wenn sie sich nur genauer erinnern könnte, denn diese Szene ist nicht wirklich sinnvoll durchdacht.
Die Darsteller spielen ihre Rollen glaubhaft und es gibt neben alten Bekannten wie Daria "Rosso" Nicolodi und Ania "Inferno" Pieroni auch namhafte Mimen zu sehen, wie John "Nightmare" Saxon und die süße Lara Wendel, die bei mir auch gerne mal den Wasseranschluss reparieren dürfte.
Inszenatorisch schlägt Dario Argento im Vergleich zu seinen farbreichen und mit Licht und Schatten spielenden Vorgängerwerken diesmal neue Wege ein, denn im Gegensatz zum Filmtitel, der soviel wie "Dunkelheit" bedeutet, sind die Szenen ausschließlich hell, fast steril gehalten und versprühen dadurch eine spürbare Kälte.
Die Dunkelheit bekommt man zu sehen, wenn man in eingestreuten Szenen einen Einblick in die Psyche des Killers bekommt, den ein Jugendtrauma zu schaffen macht, bei dem er von einer Frau dermaßen gedemütigt wurde, dass er diese Schmach mit dem Einsatz des Messers gegen die Peinigerin verarbeitete. Die Rückblicke, die nach und nach ein Gesamtbild ergeben, kommen durch die noch hellere Farbgebung und die traumhafte musikalische Untermalung sehr überzeugend rüber.
Wie von Dario Argento gewohnt, wurden die Morde kunstvoll inszeniert (was gewisse Herrschaften nicht daran hinderte, den Film immer wieder in seinen verschiedenen Auswertungen bei uns zu beschlagnahmen, aber das ist ein anderes Thema) und sind so trotz der Härte schön anzusehen. Höhepunkt ist hierbei die Blutfontäne aus einer Armwunde, die ihre roten Spuren auf einer blütenweißen Wand hinterlässt.
Auch bei der Kameraführung gibt es nichts zu bemängeln, denn jede Einstellung sitzt und es werden tolle Fahrten präsentiert wie bei der Hetzjagd des Hundes auf eine junge Frau, der subjektiven Opferverfolgung aus Sicht des Täters oder der legendären minutenlangen Szene, in der die Kamera vom Erdgeschoss eines Hauses an der Fassade entlang ohne Zwischenschnitte auf die andere Seite des Gebäudes gleitet, wo sich der Mörder einen Einstieg in die Butze sucht.
Ganz am Ende wartet der Film dann mit einem Ohrenschmaus auf, bei dem ein langer weiblicher Entsetzensschrei in den Abspann und somit in die tolle Musik der Band Goblin übergeht.

Insgesamt mag ich die farbreichen Gialli Dario Argentos lieber als dieses kaltkühle Werk, das jedoch seine Wirkung ebenfalls nicht verfehlt, einige unvergessliche Szenen bereit hält und von der technischen Umsetzung ganz oben mitspielt.


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