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Tenebrae (1982)

Eine Kritik von
eingetragen am 28.06.2009, seitdem 546 Mal gelesen



Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung vom Label RAPTOR FILM ENTERTAINMENT!

Mit "Tenebrae" aus dem Jahr 1982 kehrte Dario Argento nach seinen zwei ĂŒbersinnlichen Horrorfilmen "Suspiria" und "Inferno" zurĂŒck zu seinen Wurzeln und inszenierte einen harten Giallo, der zweifellos zu seinen besten BeitrĂ€gen innerhalb dieses Genre gezĂ€hlt werden darf.

Der amerikanische Autor Peter Neal reist nach Rom um VertrĂ€ge fĂŒr ein neues Buch abzuschließen. Sein letzter Roman "Tenebrae", der von einem geisteskranken Serienkiller handelt, steht seit Wochen an der Spitze der Bestseller-Listen. Kaum angekommen, sieht er sich mit einem realen Frauenmörder konfrontiert, der offensichtlich das Buch als Vorlage fĂŒr seine Taten benutzt.
Peter ist nicht nur zwischen seinem Ehrgeiz den Fall zu klĂ€ren und der Angst um sein eigenes Leben hin- und hergerissen, auch die Zuneigung zu seiner langjĂ€hrigen Assistentin Anne und das Auftauchen seiner labilen Verlobten Jane sorgen fĂŒr Unruhe.
Der Mörder zieht sein Netz immer enger um Peter, als aber der HauptverdÀchtige ebenfalls brutal ermordet wird, scheinen die Karten neu gemischt...

Mit "Tenebrae" schuf Argento nicht nur einen Giallo, sondern verbeugt sich mit seiner Handlung vor den großen Schriftstellern der Kriminalliteratur, angefangen von den klassischen Detektivgeschichten eines Sir Arthur Conan Doyle oder einer Agatha Christie bis hin zu den Werken von Raymond Chandler und Mickey Spillane. Vor allem eines der berĂŒhmtesten Zitate des Sherlock Holmes aus "Der Hund von Baskerville" kommt hier zur Anwendung, die den ermittelnden Polizeibeamten zur alles entscheidenen Frage nach dem TĂ€ter fĂŒhrt:

"Wenn Du das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was ĂŒbrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist."

Von diesem Zitat einmal abgesehen, liefert der von Italowestern-Star Giuliano Gemma dargestellte Polizist immer wieder Hinweise darauf, das er ein eifriger Leser von Kriminalromanen ist und offenbart die Lösung des komplizierten Falls ganz im Stil eines Hercule Poirot (einem belgischen Privatdetektiv und Agatha Christies Pendant zu Sherlock Holmes), indem er alle StĂŒcke des Puzzles zu einem Gesamtbild fĂŒgt und ... als den TĂ€ter entlarvt.

Mit der intensiven musikalischen Untermalung von Goblin schuf Argento mit "Tenebrae" ein albtraumhaftes Szenerio, das von dem Werk eines Schriftstellers handelt, dessen beschriebener Wahnsinn von einem kaltblĂŒtigen Killer in der RealitĂ€t umgesetzt wird, der mit unvorstellbarer Grausamkeit Frauen mit einem Rasiermesser tötet.
Wie bei Argento ĂŒblich sind auch hier die rauschartig wirkenden Inszenierungen spektakulĂ€rer Morde Höhepunkte der spannenden Handlung, die im Vergleich zu spĂ€teren Filmen wie "Phenomena" oder "Opera" logisch aufeinander aufgebaut ist und dem Zuschauer eine nachvollziehbare Entlarvung des TĂ€ters bietet, wobei auch hier unter anderem eine psychosexuelle Pathologie des TĂ€ters im Vordergrund steht, auf die in bewĂ€hrt traumĂ€hnlichen RĂŒckblenden hingewiesen wird.
Von der psychologischen Charakterisierung des TĂ€ters ausgehend zĂ€hle ich "Tenebrae" im Rahmen von Argentos Giallo-Verfilmungen zu seinem ausgereiftesten und glaubwĂŒrdigsten Werk.

Abgesehen von den unzĂ€hligen Stilelementen des Genre, die Argento maßgeblich geprĂ€gt und somit auch den modernen Horror- und Slasherfilm stark beeinflusst hat, setzt der Regisseur auch hier auf langsame, endlos wirkende Kamerafahrten, die zusammen mit dem nervenaufreibenden Soundtrack nicht nur fĂŒr eine unheimliche AtmosphĂ€re, sondern auch fĂŒr atemberaubende Spannung sorgen.

Nicht zuletzt legt Argento viele falsche FĂ€hrten um den Zuschauer geschickt in die Irre zu fĂŒhren und sorgt fĂŒr einige ĂŒberraschende Wendungen, wobei das, was der Zuschauer zu sehen bekommt, nicht immer das ist, wonach es anfangs den Anschein hat.

Mit seinem fĂŒnften Giallo hat sich Dario Argento endgĂŒltig zum ungekrönten König des Genre erhoben und inszeniert ein fintenreiches, blutiges Verwirrspiel mit einem furiosen Finale, das einem Inferno aus Blut und Wahnsinn gleicht.
Die ungeheure Wirkung des finalen Plottwists funktioniert nur beim ersten Zuschauen, ansonsten verliert "Tenebrae" auch bei der dritten Wiederholung nichts von seiner beeindruckenden IntensitÀt und bietet spannende Unterhaltung auf höchstem Niveau.

8,5 von 10 Punkte!

GeĂŒbte Zuschauer werden eindeutige Parallelen zum Erotikthriller "Basic Instinct" (1992) von Paul Verhoeven auffallen, fĂŒr den "Tenebrae" in Bezug auf Handlung und inszenatorischer Finessen Vorbild war.


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