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Tenebrae (1982)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 14.10.2010, seitdem 399 Mal gelesen



In den 80ern war es gar nicht so einfach an Informationen zu kommen. Das Internet war noch weit entfernt und einschlägige Zeitschriften waren eher überschaubar. Meistens war die erste Information über die Existenz eines Films, das Cover in der Videothek. Zumindest dann wenn man mal die obligatorischen Blockbuster außen vor lässt und kein Bahnhofskino in der Nähe hatte. Bei Tenebrae lag der Fall aber noch mal anders. Durch die bundesweite Beschlagnahmung, vernahm man dessen Dasein erst durch Mundpropaganda. Deshalb musste man sich auf die Suche nach findigen Videothekaren machen, die die Kopien des Films unter der Ladentheke verkauften, oder eben nach Fans die den Film besaßen. Diese verlangten dafür aber richtig Geld. An eine Originalkassette war nicht zu denken, da sie oftmals erst für weit über 250 DM unter den Hammer kam. Sofern man überhaupt mal an einen Besitzer rankam. Somit zahlte man für ein schlecht überspieltes Tape zwischen 20-30 DM, aber man bekam noch eine schwarz/weiß Kopie des Covers hinzu. Auch wenn man sich diese Zustände heute kaum noch vorstellen kann, war man stolz darauf so etwas sein Eigentum zu nennen. Oftmals waren die Filme die Mühe und das Geld nicht wert, aber dann gab es auch „Tenebrae“. Ein Film der meine endgültige Leidenschaft zu Dario Argento besiegelt hatte.

Bei der Erstsichtung in jungen Jahren, fielen einem natürlich viele Dinge nicht auf. Man konzentrierte sich auf Spannung und Gore. Beides gab es reichlich und man war hochzufrieden den Film gesehen zu haben.  Wenn man sich dann irgendwann mit Dario Argento intensiver beschäftigt hatte, konnte man eher ins Detail gehen. Meistens kannte man es, seine Filme mit großen und unheimlichen Bauwerken aus längst vergangenen Tagen zu sehen, sowie schwere Farben die die Stimmung des Filmes trugen. Bei "Tenebrae" war alles anders. Alles war weiß! Strahlend, leuchtend und zur Überbelichtung neigend, wirkte der Film kalt und abweisend. Die bekannten düsteren Gemäuer wichen völlig zurück und machten Platz für hell erleuchtete und modern eingerichtete Nobelvillen und Mietwohnungen. Obwohl der Film in Rom spielt, sieht man nichts Bekanntes von der ewigen Stadt. So grell die Helligkeit auch zu sein schien, so düster war das Innenleben. Der Film ist abgrundtief böse.

Wie auch dem im gleichen Jahr erschienenen "New York Ripper" vom Kollegen Fulci, wurde "Tenebrae" latenter Frauenhass vorgeworfen. Zugegeben, das weibliche Geschlecht kommt in verschiedenen Parts nicht unbedingt sonderlich gut weg, aber das ist der Dramaturgie des Plots geschuldet. Die Idee dazu kam Argento übrigens, als er selbst von einem Irren nach Konsum von "Suspiria", mehrfach bedroht wurde. Diese eigenen Erfahrungen sammelte er und konstruierte die Geschichte um einen Schriftsteller, der in seinem neuesten Giallo, die Vorlage zu den Morden eines Wahnsinnigen unfreiwillig verfaßte und selbst bedroht wird. 

Wirkten die Bilder und Kulissen ultramodern, heuerte er trotzdem seine Haus und Hofkomponisten von Goblin an, um den Score zu schreiben. Dafür stellte er sie vor eine interessante Aufgabe, da die Musik zu der hochmodernen Optik passen musste. Diese ließen sich nicht lumpen, lieferten einen der besten Scores ihrer Laufbahn ab und feuerten mit Electro-Stakkatos auf die fulminanten Bilder. Der erste Einsatz direkt beim ersten Mord, läßt mir auch heute noch Gänsehaut über den Rücken rudern.

Die Morde sind ebenfalls die hohe Kunst und viele Szenen wird man nie wieder vergessen. Da ist die legendäre Kamerafahrt um das Haus der beiden Lesben, in der er den Zuschauer vom Voyeur zum Täter werden läßt, oder auch die sagenhafte Verfolgungsjagd, die ein 14-jähriges Mädchen ohne Gnade durch die Nacht hetzt. Ebenso die stimmungsvollen Rückblenden zu einer hocherotischen Frau, die den Zuschauer in Verzücken versetzt. Wenn man nur vorher schon gewußt hätte, das es sich hier in Wirklichkeit um eine Transsexuelle handelt, die hier die Begierde weckt.

Alles in Allem ist "Tenebrae" ein Meisterwerk und das nicht nur innerhalb des Giallo. Ein Trip durch die Abgründe der menschlichen Seele, aber eben auch ein Horrorthriller der einen auch nur bei einem flüchtigen Blick, entzücken wird.


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