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Letzte Haus links, Das (1972)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 03.01.2005, seitdem 682 Mal gelesen



Die beiden Freundinnen Mari Collinwood (Sandra Cassell) und Phyllis Stone (Lucy Grantham) wollen in New York ein Konzert der angesagten Band Bloodlust besuchen. Unterwegs aber geraten sie in die Fänge einer Bande, bestehend aus den gerade aus dem Gefängnis geflohenen Fred "Weasel" Podowsky (Fred Lincoln) und Krug Stillo (David A. Hess), dessen Sohn Junior Stillo (Marc Sheffler) und der durchgeknallten Sadie (Jeramie Rain). Die beiden Mädchen werden von den Verbrechern gefoltert, vergewaltigt und schliesslich getötet. Da sie eine Autopanne haben, suchen die Mörder Unterschlupf in einem Haus in der Nähe. Bald erkennen sie, dass sie sich im Haus der Collinwoods, Mari´s Eltern, einquartiert haben. Aber auch die Collinwoods realisieren alsbald, wen sie dort aufgenommen haben...

Hier ist er also, Wes Craven´s berühmt-berüchtigter Rape & Revenge- Klassiker. Wie bei allen Filmen dieses Genres (deren Inhalt die Folterung und Tötung von Menschen mit anschliessender Selbstjustiz ist) stellt sich die Frage, ob man etwas positives über den Film sagen darf, ohne sich der Gefahr auszusetzen den Anschein zu erwecken, man würde die Darstellung der Folterung und Schändung von Menschen zu Unterhaltungszwecken akzeptieren. Wenn überhaupt, so sind es Filme wie dieser, die - aufgrund ihrer Realitätsnähe - eine Gefahr für die Gesellschaft bedeuten könnten und nicht viele der drittklassigen, beschlagnahmten Splatterstreifen, denen man auf den ersten Blick ansieht, dass sie rein fiktiv sind. Gerade Craven´s Werk bemüht sich um Realitätsnähe, beginnt der Film doch mit der Einblendung, dass das hier gezeigte tatsächlich so passiert sei.

Man muss Craven bescheinigen, dass es ihm gelungen ist mit simpelsten dramaturgischen Mitteln phasenweise eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Er arbeitet viel mit Schnitten und Ortswechseln: das ist besonders auffällig in der Sequenz, in welcher immer wieder zwischen der Vergewaltigung der beiden Mädchen und den Vorbereitungen für Mari´s Geburtstagsfeier hin und her gewechselt wird. Hier zeigt sich der Kontrast zwischen der intakten Familie der Collinwoods (Mr. und Mrs. Collinwood küssen sich und sprechen sich gegenseitig Mut zu, dass ihrer Tochter, die immer noch nicht vom Konzert zurückgekehrt ist, nichts passiert ist) und der völlig kaputten Welt der vier Verbrecher. Craven übt hier Sozialkritik, dadurch dass er die Familie der Collinwoods als Hort der Liebe darstellt, dagegen aber zeigt, was passiert, wenn die Erziehung versagt, wie bei Krug Stillo, der seinen Sohn Junior drogenabhängig gemacht hat und später in den Selbstmord treibt. Ganz so schwarz und weiss, wie es der Regisseur uns hier weismachen möchte, ist das Leben aber nicht. Auch ein Statement "Nein zu Drogen" lässt sich dem Film entnehmen, denn die Mädchen geraten nur dadurch in die Fänge der Bande, dass sie Junior nach Drogen fragen.

Eingegangen werden muss auf die Taten der Verbrecher: da wird dem Zuschauer so manche Perversion gezeigt. Die beiden Mädchen werden gezwungen sich auszuziehen und gegenseitig zu liebkosen, Phyllis wird mit den Worten "Piss´ dir in deine blue Jeans" dazu gedrängt sich in die Hosen zu machen, die Mädchen werden mit Faustschlägen malträtiert und vieles mehr. Was die Splatterszenen angeht, so findet vieles im Off statt, etwa wenn Junior - durch seinen Vater dazu gedrängt - sich selbst erschiesst oder wenn Mr. Collinwood einen der Gangster mit einer Kettensäge tötet. Explizit gezeigt wird die Ermordung von Phyllis : sie wird mit unzähligen Messerstichen nahezu hingerichtet. Am meisten unter die Haut aber geht die Folterung und Ermordung von Mari : Krug liegt auf ihr und vergewaltigt sie, dabei ist sein Gesicht ganz nah über ihrem und aus seinem Mund läuft Speichel auf ihre Wange. Nach der Vergewaltigung steht Mari auf und zieht sich an, kurz darauf beginnt sie zu beten : "Schütze meine Seele, Herr". In diesem Augenblick glaubt man zum ersten mal so etwas wie Reue oder sogar Trauer in Krug´s Gesicht zu sehen. Mari torkelt wie paralysiert in Richtung See und steigt ins Wasser, vermutlich um sich sinnbildlich rein zu waschen. In diesem Moment der Stille wird sie von Krug erschossen - eine genauso grauenhafte wie auch beeindruckende Sequenz. Man muss sagen, dass David A. Hess (der übrigens auch einen Teil des Soundtracks selbst komponiert hat) - nicht nur in dieser Sequenz - den psychopathischen Krug ausgezeichnet darstellt.

Wie bei anderen Rape & Revenge - Streifen gibt es einen in der Gruppe der Mörder, der mit den begangenen Taten nicht einverstanden ist. Hier ist es der drogensüchtige Junior, der mit der Ermordung der Mädchen nicht klar kommt. Überhaupt nicht gefallen hat mir das Verhalten des Sheriffs (Marshall Anker) und seines Deputys Harry (Martin Kove, bekannt als Klopper in vielen B-Actionfilmen) : sie werden als Volltrottel dargestellt und ihr Verhalten kann denke ich mit dem Wort Slapstick treffend charakterisiert werden. Hier hätte Craven doch eher die ernste Grundstimmung des Filmes konsequent durchhalten sollen, zumal das Auftreten der Polizisten nicht auflockernd-witzig, sondern vollkommen dümmlich ist.

Fazit : ein Rape & Revenge - Streifen der etwas besseren Sorte, der allerdings aufgrund des gezeigten Bauchschmerzen verursacht. Aus meiner Sicht ist der Film sehr viel besser (weil nicht ganz so plakativ) als "Verflucht zum Töten" oder "Ich spuk´ auf dein Grab", schlechter aber (u.a. weil weniger sozialkritisch) als "Muttertag".

Übrigens: auf der österreichischen Doppel-DVD ( vom Label "XT Video", welches uns auch eine solide Umsetzung des Ittenbach-Filmes "Beyond the Limits" bescherte) findet sich neben vielem anderen auch ein sehr interesanter Bericht anlässlich der ersten Uncut-Veröffentlichung von "Last house on the left" in Großbritannien, nachdem der Film dort über 30 Jahre lang ein Dasein als Video Nasty fristete. Zu Wort kommen hier u.a. David A. Hess und "Leatherface"-Darsteller Gunnar Hansen.


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