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Letzte Haus links, Das (1972)

Eine Kritik von
eingetragen am 28.09.2005, seitdem 1159 Mal gelesen



Kommentar ohne Wertung

Vielleicht ist es gut, dass gewisse Filme in Deutschland nur schwer aufzutreiben sind. Natürlich ist Zensur eigentlich falsch und anmaßend, jedoch ist das dieses krude Stück Schund auch. Cravens ach so brutaler Schocker ist mangels Talent oder beabsichtigt (?) primitivste Exploitation, welche ernst aufgefasst werden will, dazu jedoch sehr verharmlosend und mitunter unpassend komisch daherkommt.

Cravens Folterposse um ein paar sadistische, dümmliche Killer hinterlässt nicht wegen eventueller Intensität und Shockwirkung einen faden Beigeschmack, sondern weil hier eine exzellente Vorlage verschandelt und zu einem ernsten Thema keine konsequente Stellung bezogen wurde. Exploitation will der Film ja nicht sein, wie man aus Cravens Aussagen entnehmen kann (US-DVD, "Forbidden Footage" Featurette), somit erhebt er inhaltlichen Anspruch, dem er nicht gerecht werden kann. Laienhaftes Spiel, platter Humor als Kontrapunkt zu den Tötungen (v.a. die dämlichen Polizisten), unpassende Musik, sowie inszenatorische Inkonsequenz entziehen dem Film jegliche Grundlage für einen ernsthaft "verstörenden" Ton. Argumente, dass der beigesetzte Humor bewusster Zynismus sei, sind nicht verträglich mit dem filmischen Konzept, das in seinen unausgegoren pathetischen Szenen wahres Mitgefühl erzeugen will. Beispielsweise nimmt man den Eltern die Trauer um das tote Kind nicht ab.

Man hat eher den Eindruck, dass die geklaute Story wenig mehr ist, als ein Vorwand für ein blutiges Actionfinale und exploitative, wohldosierte Gewalt- und Sexdarstellung, die gerade ausreichen sollte, die damaligen Kinogänger durch häppchenweise Brutalität zu unterhalten. Eine Kettensägenszene ist schließlich auch dabei, und die audiovisuelle Gestaltung mit ihrer reißerischen Nahaufnahmen-Hektik in den Gewaltsequenzen und der Ausblendung jeglichen Keims ernster Dramatik überdeckt größtenteils die seltenen Ansätze wirklicher Intensität oder Schwere. Der reißerische Trailer von damals bestätigt die These mit erschlagender Direktheit. Nun mag Exploitation für den ein oder anderen ja ganz nett sein, jedoch muss man gerade LHotL wegen der zahlreichen Diskussionen sowie der Aussagen der Macher selbst außerhalb des Genres betrachten. Hier hat Craven klar versagt, erinnert in seinen schlechtesten Momenten leider gar an diverse Japan-Sickos, in denen es auch nur darum zu gehen scheint, einem männlichen Publikum Erniedrigungen von Frauen verbunden mit brutalem Gemetzel anzubieten. Die Intensität von Bergmans grandiosem Film "Die Jungfrauenquelle" erreicht der Film in seinem viel zu hausbackenen Stil nicht. Zumal dort die Dramatik aus einer Subtilität in der Darstellung, die bedrückend-kraftvollen SW-Bildern und emotionsgeladenen, authentischen Schauspielern entgegenwirkt, schöpft. Eine Nachdenklichkeit und Differenziertheit erzielt Bergman zudem durch das präzise ausgestaltete und konstruierte Setting seines Filmes. Interessant ist auch die ambivalente Darstellung der Mörder. All das wurde nur lieblos und grobschlächtig in das amerikanische Remake übernommen, in die Gegenwart transferiert, wobei nahezu jeglicher Tiefsinn versaut und wesentliche Aspekte vernachlässigt wurden. Da also die von Gerüchten herrührenden kritischen Töne des Filmes im Prinzip fehlen, muss man dem Werk eine fragwürdige Belanglosigkeit und dem Regisseur Fahrlässigkeit vorwerfen.

Insofern ist es durchaus nachvollziehbar (in Anbetracht der Tatsache, dass Zensur existiert), warum die Verbreitung von LHotL in Deutschland noch immer schwierig ist, während ein drastischerer, thematisch verwandter Film wie "Irréversible" mit einem schlichten KJ in den Läden steht. Bergmans Original oder auch Noés kathartisches Gewaltdrama thematisieren beide auch u.a. die Gewalt als Zerstörer von Menschlichkeit, Wert und Unschuld, jedoch mit der nötigen Tiefe und Sinnhaftigkeit.


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