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Comeback, Das (2005)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 06.09.2005, seitdem 1271 Mal gelesen



Tragische Helden sind in der Filmbranche Objekte der Begierde. Im Wechsel zwischen Freude und Tragik wird das emotionale Zentrum vor allem dann berührt, wenn die Ereignisse in einem realen Kontext stehen.

Die Lebensgeschichte von James J. Braddock (Russell Crowe) ist ein fester Bestandteil der Boxhistorie, aber ebenso auch das Sinnbild für die menschlichen Sonnen- und Schattenseiten.
Regisseur Ron Howard visualisiert die Eckpfeiler und Schlüsselelemente des „Cinderella Man“. Angefangen von einem aufstrebenden, ungeschlagenen Boxtalent, das durch die Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 zu einem Opfer seiner Aktienspekulationen wird und wegen andauernder Verletzungen nicht nur das finanzielle Hab und Gut verliert. Braddocks Karriere und Ruhm ist vorüber, sein einziger Halt ist die eigene Familie, mit der er mittlerweile in ärmsten Verhältnissen haust. Zu seinem Leidwesen ist eine Arbeitsstelle vielmehr Gelegenheit als Gewohnheit. Schon bald kann Braddock die familiären Pflichten nicht ausreichend erfüllen, seine Frau Mae (Renée Zellweger) und die drei gemeinsamen Kinder (Patrick Louis, Connor Price, Ariel Waller) leiden unter der Armut.

Ron Howard gelingt ein erzähltechnisch ansprechender Kompromiss zwischen Detailfreude und Oberflächlichkeit, wobei sich die aufgrund der Zeitsprünge fehlenden Ereignisse mit Hilfe von Dialogen reflektieren lassen. Viel Zeit wird den zwischenmenschlichen Beziehungen in der Not gewidmet, so dass eine sehr plastische Darstellung gelingt. Dadurch bekommt man neben den biographischen Aspekten den historischen Kontext der gesellschaftlichen Depression, hervorgerufen durch Massenarbeitslosigkeit, vermittelt. Kühle sowie triste Kulissen sorgen für den visuellen Nihilismus. Wenn der einstige Held New Jerseys in einer Schlüsselszene um Sozialhilfe ansteht, ist der absolute Tiefpunkt erreicht. Niemand würde zu diesem Zeitpunkt vermuten, dass der Mensch fällt, um wieder aufzustehen. Der epische Score, zusammengesetzt aus klassisch pompösen Klängen, verfeinert die Dramaturgie.

„Das Comeback“ führt in die Vergangenheit, denn der einstige Erfolg ist schließlich Anlass für einen weiteren Wendepunkt in Braddocks Leben. Er wird kurzfristig als Ersatzgegner für die Nummer zwei der Weltrangliste engagiert. Der weitere Verlauf gleicht einem Märchen, wahrhaft abstrakt, aber durch den Realbezug umso fesselnder. Obwohl der Plot wegen des historischen Hintergrunds eigentlich keine Überraschungen bietet, verliert der Film keine Sekunde an Spannung. Dem Betrachter wird ein visueller Bilderrausch im Rahmen der Kämpfe geboten. Im Wechsel zwischen Zeitlupe und schnellen Schnitten überzeugen vor allem die innovativen, optischen Finessen. Ob die Wucht der Kamerablitze, die verzerrte Perspektive angeschlagener Boxer oder eine neuartige Visualisierung von Schmerzen - man fühlt die Intensität und Härte der Duelle auf verschiedene Art und Weise. Die Ästhetik wird auch im eigentlichen Kampfgeschehen ersichtlich, denn das Gebotene ist realistisch choreographiert und wirkt nicht übertrieben.

Die emotionale Bindung stellen die Darsteller her. Renée Zellweger glänzt als tieftreue und liebende Ehefrau. Russell Crowe saugt den Charakter James J. Braddock förmlich auf und stellt sein herausragendes Talent als Charakterdarsteller unter Beweis. Paul Giamatti überzeugt als Trainer und Freund Braddocks - ein mitfühlender Helfer in allen Lebensbereichen.

Am Ende ist jedermann um eine importierte Lebenserfahrung reicher, denn die Geschichte von James J. Braddock ist Dramatik und Freude in extremster Erscheinungsform. „Das Comeback“ wirkt abstrakt, ist aber nicht nur wegen des historischen Hintergrunds wahrhaftig. Alle Beteiligten bewirken direkt oder indirekt ein lebendiges Spektakel, das lange in Erinnerung bleiben wird. (8/10)


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