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Brick (2005)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 09.09.2006, seitdem 853 Mal gelesen



Momentan liegt die Kinolandschaft relativ brach. Es fehlen die Innovationen, gute Geschichten und neue Herangehensweisen. Da ist es fast schon komisch, das jetzt ein Film daherkommt, der genau das alles hat, doch eigentlich eine Art Remake ist. Remake jedoch nicht in dem Sinne einen einzigen Film neu zu gestalten, sondern viel mehr ein ganzes Genre wieder aufleben zu lassen und selbiges in Teilen sogar neu zu erfinden. Die Rede ist hier vom Film-Noir, den packenden und intelligenten Detektivgeschichten, die vorzugsweise in den 40er Jahren spielen und eine eigene Struktur aufweisen.

All das hat der Regisseur Rian Johnson in seinem Debutfilm "Brick" untergebracht, abgesehen von der Tatsache (und hier wird es interessant) das der Film eben nicht in den 40ern spielt sondern im Hier und Jetzt. Die nebligen St√§dte weichen einer Highschool in einem trostlosen Kaff irgendwo in den USA. Sind es in den Originalen meist gestandene M√§nner und Frauen die die Charaktere verk√∂pern, sind es hier Highschool-Kids. Das ist dann aber auch schon alles. An der "fast schon theatralischen" Art zu sprechen, an den Kost√ľmen, Symboliken und Charaktereigenschaften √§ndert sich nichts.

So w√§re da der gefallene Held auf der Suche nach dem M√∂rder seiner Ex-Freundin. Er ist Aussenseiter. Ein Typ mit uncoolen Klamotten, Brillentr√§ger und von unbedeutsamer Statur. Doch er ist kein Looser wie man ihn aus einschl√§gigen Teenie-Filmen kennt. Er wird nicht zum Aussenseiter gemacht. Er will einer sein. Der Detektiv dieser Geschichte, weiss was abgeht, kann k√§mpfen und ist hochintelligent. Um dem Komplott auf die Spur zukommen infiltriert er die Drogen-Organisation unter der Schirmherrschaft des "Pins". Der ist wiederum eine Art Al Capone und benimmt sich auch so. In dunklen Anz√ľgen, stets mit einem Gehstock in der Hand und immer irgendwie im Schatten stehend, ist sofort klar welche Position er einnimmt. Dann w√§ren da noch, der unberechenbare Schl√§ger, die undurchsichtige Sch√∂nheit, die "Nutte" (wird hier von einer T√§nzerin des Schultheaters verk√∂pert) und nat√ľrlich der treue Gehilfe des Detektivs namens Brain. Dazu reihen sich dann noch eine Reihe diverser Kleinkrimineller und Drogenabh√§ngiger. Polizei gibt es √ľbrigens keine. Die Exekutive wird durch den Vize-Direktor verk√∂pert.

F√ľr den Moment wird diese Konstellation abschreckend wirken, wenn man diese Charaktere, die gerade aus den 40ern zu kommen scheinen vor der zeitgen√∂ssischen Kulisse agieren sieht. Doch schon nach kurzer Zeit gew√∂hnt man sich daran und ist verwundert wie gut dieser Mix doch eigentlich funktioniert. Zum Gro√üteil liegt das sicherlich an der tollen Regie von Rian Johnson, dem es meisterhaft gegl√ľckt ist die Figuren und die Geschichte in die Neuzeit zu integrieren und sie vor allem nicht l√§cherlich wirken zu lassen. Denn der Film nimmt sich, mal von kleinen Gags abgesehen, todernst und das l√§sst er auch den Zuschauer sp√ľren. Mit einem durch die Bank bedr√ľckenden Score unterlegt er die driste Szenerie und schafft so eine geladene Atmosph√§re die kurz vorm Zerplatzen steht. Von Hinweis zu Hinweis, von Komplott zu Komplott steigert sich sowohl die Bildsprache als auch die Musik immer mehr, bis zum unausweichlichen H√∂hepunkt.

Die Schauspieler machen ihre Sache durchweg gut. Joseph Gordon-Levitt der den einsamen R√§cher verk√∂pert gibt sein Bestes um seine Rolle glaubw√ľrdig r√ľberzubringen. Da man ihm den einsamen R√§cher allein vom Aussehen nicht zutraut, legt er viel Wert auf seine Mimik und Gestik. Stets die H√§nde in den Jackentaschen und finster dreinblickend, zeigt er sowohl seinen Wunsch nach Rache, aber auch seine Zerbrechlichkeit. Emily De Ravien als Damsell in Distress hat leider nicht viel Screentime, macht aber viel aus der wenigen Zeit. Der restliche Cast ist gut besetzt und durchweg glaubw√ľrdig.

Mit seinem Erstling hat Rian Johnson ein Werk geschaffen, welches sich vor Genregrößen wie "Der Spur des Falken" nicht verstecken muss. Ob dieser Mix allerdings beim Publikum ankommt bleibt abzuwarten. Jeder der die Klassiker mag und gern eine komplizierte Detektivgeschichte sehen will, sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.
9/10


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