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Brick (2005)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 2 / 10)
eingetragen am 15.04.2007, seitdem 1907 Mal gelesen



Hier spielen 16-jährige Kinder böse und coole Typen. Sie schlagen sich zusammen, streiten um große Drogengeschäfte, haben Freundinnen, falsche Freunde und spinnen Intrigen. Prinzipiell hört sich das nach einem interessanten Film an – oberflächlich betrachtet könnte man sogar glauben, Brick wäre ein intelligenter Thriller. Aber wenn man genauer hinguckt, geht das Konzept nicht auf.

Die 16-jährigen bleiben zu unglaubwürdig und ihre Dialoge wirken genauso künstlich wie ihre aufgesetzten Handlungen. Die krummen Geschäfte, die sie in ihren Kinderzimmern aushecken, nimmt man ihnen nicht ab.

Und es stört das Fehlen. Das Fehlen von Erwachsenen – schließlich sind wir hier nicht beim Herrn der Fliegen - Wenn wenigstens ein paar Mal Erwachsene auftreten würden, wäre die gesamte Szenerie viel stimmiger. Doch Brick funktioniert seltsam anders. Hier läuft der Hauptdarsteller um 12.30 über den gesamten Schulhof (und wird dabei verfolgt), ohne dass er auf einen anderen Mitschüler oder Lehrer trifft.

Genauso unglaubwürdig ist es, dass die Kinder sich die ganze Zeit über ihre Fressen blutig schlagen und keine Eltern (die tatsächlich überhaupt nicht auftauchen) oder irgendwelche Lehrer (bis auf den Stellvertreter des Rektors gibt es im gesamten Film keine Szene mit ihnen) Fragen stellen.

Die eigentliche Geschichte entpuppt sich dann als kompliziert verpackt, aber am Ende vollkommen albern und unstimmig. Wenn sich wirklich alles so ereignet hätte, wie in der Schlussszene behauptet, dann wäre es höchst unwahrscheinlich, dass die Situation derartig eskaliert wäre. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man versucht sich vorzustellen, wie es der vermissten Schülerin in der fraglichen Situation ergangen ist.

Unsinnig wirkt auch, wenn im Film manche Leute als „Drahtzieher“ benannt werden und dann "auf Deubel komm raus "auch sein müssen. Obwohl vollkommen unklar ist, warum andere ihnen auf auf den Leim gehen, oder welchen Vorteil sie davon haben könnten, tun die einfach was die „Drahtzieher“ von ihnen verlangen - die Opfer sind demnach einfach Opfer, nicht mehr.

Ein Ärgernis ist auch die Hauptfigur Brendan. Den ganzen Film über versucht das Kind altklug und cool zu sein (ohne jegliche Lebenserfahrung zu haben), kennt angeblich jeden und kann diesen mit ganz wenigen Worten genauestens charakterisieren. - obwohl man den Eindruck hat, dass dieser Schlumpf (zumindest ist er so angezogen) nie mit anderen Personen zu tun hat. Jedenfalls gehört er schon in seinen jungen Jahren nirgendwo dazu (kann demnach also kaum irgendwas beobachten) - aber scheinbar hat er das ja auch alles gar nicht nötig, denn dieser geniale Typ hat immer und überall den richtigen Riecher und kann sogar einen Polizeieinsatz minutengenau koordinieren. Wenn das keine lächerliche Allmachtsphantasien eines Nerfs sind ...

Aber es kommt noch besser, denn Brendan hat einen Kumpel. Der ist sogar noch isolierter als Brendan (fast schon ein Autist), aber angeblich hat der Zugriff auf alle möglichen Informationen über Leute und kann sogar herausfinden (ausgehend vom Namen einer Person) für wen dieser jemand arbeitet ...- so etwas können noch nicht mal Bullencomputer).

Die Story geht aber weiter. Die Kinder halten sich wechselseitig gefangen, bedrohen sich oder schießen um sich. Wenn es um Drogen geht, handeln es sich nicht um Gras, sondern um Heroin ... und eine kleine Menge ist es dann auch nicht.

Aber nicht nur dass soll man glauben, sondern gleichzeitig sollen sie dann wieder zu doof sind, um darauf aufzupassen. Also clever und tough oder doof?

Irgendwann wird der ganze Kram aufgelöst, aber zu dem Zeitpunkt wirkt alles einfach nur noch lächerlich. Dann ist von Krieg die Rede aber anstelle des "Der Pate(n)" fühlt man sich an "Bugsy Malone" (ja, Alan Parkers Film mit Jodie Foster) erinnert.

Brick ist deshalb kein gelungener Film. Denn er kann er sich nie entscheiden ob er nun ein Kinder-/Jugendfilm sein will oder ein "echtes" Drama. Regelrecht armselig wirkt schließlich das zuletzt aufgedeckte Geheimnis, das in der Form überhaupt nicht zu den Gefühlen von 16-jährigen passt.

Das Resümee bleibt deshalb mager: Bei Brick passt Vieles nicht zusammen. Selbst einzelne Situationen wirken einfach nur übertrieben. An welcher Schule kann man beispielsweise Heroin in großem Umfang verkaufen? Ein weiteres großes Fragezeichen ist, warum die Kinder in Brick keine Handys haben.

Aber natürlich gibt es für alles eine tolle Erklärung. Der Film ist ein Remake eines 40er Jahre Films und damals gab es nun mal keine Handys, sondern nur Telefonzellen. Welch gigantisch tolle Idee. Demnächst wird vielleicht noch jemand Bachs h-Moll Messe in eine andere Tonart umschreiben und sich dadurch zum Genie erklären. Man fragt sich, ob man auf Originalität dieses Kalibers verzichten kann.


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