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Kampfansage 3 - Der letzte Schüler (2005)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 21.07.2006, seitdem 1599 Mal gelesen



Ich kann mich noch gut daran erinnern den verheißungsvollen Teaser zu „Kampfansage 3 – Der letzte Schüler“ damals im Kino vor „Der Clown“ gesehen zu haben. Damals war der Film noch für das Kino geplant. Nachdem das spaßige, selbstironische Actionvehikel „Der Clown“ so floppte und der erste Spielfilm von Johannes Jaeger auch noch mit einer übertriebenen, lächerlichen „Keine Jugendfreigabe“ abgestraft wurde, dauert es dann doch etwas bis zur Veröffentlichung und schließlich wurde eine DVD-Release daraus.

Action Concept – Chef Hermann Joha scheint nach wie vor der einzige Produzent zu sein, der in Deutschland ansehbare bis gute Actionware auf den Markt bringen kann und weil er natürlich weiß, dass er sich nicht mit der teuren Konkurrenz aus Amerika messen kann, haben seine Filme alle einen selbstironischen Trash-Charme, versuchen auch nie mehr vorzugeben als sie sind und garantieren meist für Kurzweiligkeit. Das Konzept (Blödes Wortspiel, ich weiß..) geht nicht jedes mal auf, doch abseits solcher Enttäuschungen wie „Im Auftrag des Vatikans“ gibt es immer wieder unterhaltsame Filme wie „Hai-Alarm auf Mallorca“.

„Kampfansage 3 – Der letzte Schüler“ hat das Potential Martial Artist Mathis Landwehr als den neuen deutschen Actionhelden einzuführen. Hier gefällt er mir tatsächlich wesentlich besser als im letztlich kaum überzeugenden „Im Auftrag des Vatikans“.
2045: Als einziger überlebender Schüler des letzten Meisters Tach muss Landwehr alias Jonas Klingenberg ein Buch, in dem verschlüsselt alle Geheimnisse der Kampfkunst stehen, den Händen des bösen Bosko (Christian Monz) entreißen. Der treibt nicht nur Inzucht mit seiner Schwester, sondern baut auch ein Heer von Kriegern in diesem Deutschland auf, das, wie der Rest der Welt, nach einer Wirtschaftskrise den Bach runter ging. In Folge von Chaos und Krieg, wunderbar in einem charmanten Intro zusammengefasst, gingen viele technische Errungenschaften, wie zum Beispiel auch Schusswaffen, verloren, und so sind Martial Arts die wichtigsten Waffen.
Bosko hat nebenher auch noch Jonas’ Meister auf dem Gewissen. Deswegen ist dies für Jonas auch gleich eine persönliche Angelegenheit.

Ich mache bekanntlich nie einen Hehl aus meinem Faible für B-Movies und zwar speziell, wenn die Szenarios in einer zerstörten Endzeitwelt angelegt werden. So auch geschehen im Fall von „Kampfansage 3 – Der letzte Schüler“. Die zerfallenen Gebäude, die fehlende Infrastruktur und der tägliche Kampf ums Überleben üben einen ganz eigenen Charme aus. Regierungen und Länder gibt es in dieser entzivilisierten Welt längst nicht mehr.
Johannes Jaeger schafft es jedenfalls den Flair solcher Filme ziemlich gut einzufangen und so werden stillgelegte Fabrikgelände und verwahrloste Stadtteile mit etwas Müll von zu einem kernigen Ambiente in dem selbst die günstigen, aber gelungenen CGI-Hintergründe nicht negativ auffallen. Das passt so zusammen wie es ist.

Der Film schreitet ziemlich schnell voran, bedient sich einiger Klischees und philosophisch angehauchter, pseudowichtiger Dialoge, die ein wenig den trashigen Grundton unterstützen. Natürlich sind auch die Darsteller wegen ihrer Kampfsporttalente an Bord und nicht wegen ihrer mimischen Fähigkeiten und selbstverständlich braucht man auch keine guten Dialoge zu suchen, aber als Ganzes wirkt „Kampfansage 3 – Der letzte Schüler“ immer stimmig und vor allem sympathisch. Nach zwei ersten Kurzfilmen dieser Crew haben die Jungs und Mädels mit den 300.000 Euro Budget, die Joha stellte, wirklich jeden Euro dort hinein gesteckt wo er hingehört und mit Engagement wie Leidenschaft gedreht.

Die selbst erstellte Choreographie ist in Ordnung und erinnert natürlich deutlich an die Vorbilder aus Hongkong, im direkten Vergleich mit europäischen Produktionen wie Frankreichs „Banlieue 13“ (Das deutsche Titelverbrechen kommt mir nicht über die Lippen!) muss man aber noch zurückstecken. Ich würde Landwehr, Zschiesche und Co gern mal sehen, wenn sie ein erfahrener Choreograph unterstützt, denn bisher scheint da immer noch ein Cutter sehr viel für die Dynamik der Kampfszenen tun zu müssen. Dabei ist das Gezeigte gar nicht mal übel, aber der letzte Kick fehlt eben noch. Für eine deutsche Produktion sind die Fights dennoch ein Novum mit reinem Martial Arts und Kampfbesteck (vornehmlich Stöcke), zumal das gelungen ausschaut. Nicht übermäßig spektakulär, aber sichtbar fähig umgesetzt, können die vielen Kloppereien, auch in ihrer Länge, mit viel Abwechslung und coolen Moves überzeugen.

Die Story selbst bleibt währenddessen stets zweckmäßig, klappert ein paar atmosphärische Locations (u.a. die dreckige Kanalisation) ab und lässt Jonas den Kampf gegen Bosko und seine Horden schwarz maskierter Handlanger aufnehmen, nachdem er in die Stadt zurückkehrt und auf eine Gruppe Deserteure trifft, die sich Boscos Killerarmee nicht anschließen will und ärmlich lebt.
Man kann die etlichen Klischees von dem Begräbnis des toten Meisters bis hin zur Robin Hood – Masche natürlich anprangern, doch das wäre hier fehl am Platz. Im Grunde kann man den ganzen Film als Neuinterpretation Robin Hoods sehen.
Sich dessen sehr wohl bewusst, schrieb Johannes Jaeger sein Drehbuch in der Tradition eines B-Movies, denn nichts anderes will er abliefern. Deswegen gibt es auch brutale Bösewichte, die wie einst Darth Vader ihre unfähigen Adjutanten kaltstellen, foltern, die zerlumpten Bewohner terrorisieren und falsche Versprechungen machen. Am Ende darf natürlich auch nicht der Big-Fight fehlen, den es hier gleich in doppelter Ausführung gibt und eine episch aufgezogene Vorgeschichte, festgehalten im Intro, gibt sich auch zu erkennen. Schön, dass dabei nie auch nur versucht wird über die eigenen Möglichkeiten hinauszuschießen.

In einigen Momenten offensichtlich absichtlich mit stark übertriebenen Stunts nicht geizend, manövriert Jaeger trotz standardisierter Szenen, wie das brutale Massaker an den Zivilisten und die kurz gehaltene Romanze, sehr temporeich auf den entscheidenden Showdown zu, indem die Unterdrückten sich dann endgültig gegen die Unterdrücker erheben. Natürlich gibt es auch hier wieder viel Martial Arts und Wirework zu sehen.
Schade, dass Oneliner so rar sind und für gute Witze auch nur der stets coole Vinzent verantwortlich ist. Da hätte man sicherlich noch Pluspunkte sammeln können.

Ansonsten gefällt Jaegers Inszenierung, der von Slow- und Fastmotion bis zu Farbfiltern auch keine übertriebene Experimentierfreudigkeit an den Tag legt sondern das Geschehen kernig hält. Zu Filmen wie „Born to Fight“ oder „Banlieue 13“ reicht sein Film noch nicht, aber solche Szenarios sind mir wesentlich lieber als wenn Tony Jaa wieder Elefanten oder ähnliches Gedöns suchen geht.
Zudem besitzt der Score ordentlich Drive und so holprig die Geschichte im Fall von Kampfansage 3 – Der letzte Schüler“ auch sein mag, man langweilt sich nie. Natürlich gehört so ein B-Movie aber genauso wenig ins Kino wie „Der Clown“.


Fazit:
Mit seinem beeindruckend günstigen Spielfilmdebüt „Kampfansage 3 – Der letzte Schüler“ kann sich Johannes Jaeger nicht in die Oberliga kämpfen. Doch es tut gut zu sehen, dass auch in Deutschland etwas auf dem Actionsektor bewegt werden kann und es ist sicher kein Zufall, dass dann immer Hermann Joha sich dahinter verbirgt.
Klar, der Film ist ein waschechtes B-Movie. Als solcher aber mit einem hohen Tempo versehen und absolut atmosphärisch umgesetzt. Das von mir so geliebte Endzeitfeeling wollte sich jedenfalls einstellen, die Kämpfe sind gut wenn auch nicht perfekt und viele bekannten Motive zwar mit vielen Klischees behaftet, doch liebevoll behandelt.
Die Schauspieler fallen eher durch Kampfsporttalente auf und weil der Film sich selbst auch nicht bierernst nimmt, kann er gleich noch mal Sondersympathien einstreichen. Naja, es geht doch. Hoffentlich bleibt man sich treu.


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