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Rückkehr der reitenden Leichen, Die (1973)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 19.03.2016, seitdem 139 Mal gelesen



„Trinken macht zwar lustig, schlafen aber schön!“

Ein Jahr, nachdem der spanische Filmemacher Amando de Ossorio erstmals die blinden Templer für seinen Horrorfilm mit dem blumigen Titel „Die Nacht der reitenden Leichen“ aus dem Totenschlaf geweckt und aufs Kinopublikum losgelassen hatte, drehte er, erneut in spanisch-portugiesischer Koproduktion, die erste von drei Fortsetzungen: „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ versetzte ein portugiesisches Bergdorf in Angst und Schrecken.

Vor 500 Jahren blendete eine Dorfgemeinschaft in den Bergen Berzanos die mordenden Templer, die im Bund mit dem Bösen standen, und verbrannte sie. Zeit also, dieses Jubiläum gebührend zu feiern! Bürgermeister Duncan (Fernando Sancho, „Der Gehetzte der Sierra Madre“) hat mithilfe des Feuerwerksmeisters Jack Marlowe (Tony Kendall, „Der Dämon und die Jungfrau“) ein Dorffest anberaumt, beobachtet jedoch mit Argwohn, wie sich seine Verlobte Vivian (Esperanza Roy, „Garten der Lüste“) doch noch für ihren Verflossenen Jack zu interessieren scheint. Tatsächlich funkt es wieder zwischen beiden, als weitaus dramatischer soll sich jedoch herausstellen, dass der bucklige Krüppel Murdo (José Canalejas, „Für eine Handvoll Dollar“), der von den Dorfbewohnern nur verlacht und erniedrigt wird, die Templer speziell für diese Nacht wieder zum Leben erweckt…

Den Prolog nutzt de Ossorio, um als Rückblende erneut ein blutrünstiges Ritual der Templer zu zeigen, woraufhin sie sich jedoch der Verfolgung der Dörfler ausgesetzt sehen (noch können sie es ja) und nach gegenseitigen Verfluchungen ihre Augen ausgebrannt bekommen – garstig und blutig in Szene gesetzt. In der Gegenwart wird der mitleidserregende Murdo misshandelt, bis Touristen ihm zur Hilfe eilen. Als sich Jack und Vivian körperlich näherkommen, bespannt Murdo sie und weiht sie in die Geschichte der Templer sowie seinen Plan ein, diese ins Dorf zu führen. Zu diesem Zwecke opfert er tatsächlich eine junge Frau, woraufhin sie sich in gewohnt gruselig-stimmungsvoller Weise aus ihren Gräbern erheben und Murdo frohlockt. Die Feier ist mittlerweile in vollem Gange und de Ossorio arbeitet mit Gegenschnitten auf die nahenden Templer. Diese überfallen zunächst ein anderes Liebespaar in einer Hütte, während der noch nichts ahnende eifersüchtige Duncan den Liebhaber seiner Verlobten verprügeln lässt. Nachdem ihnen auch ein Schrankenwärter zum Opfer fiel, sprengen die Templer die Party, das daraus resultierende minutenlange Gemetzel fällt jedoch zunächst erstaunlich unblutig aus. Man verschanzt sich in der Kirche, wo man auf Murdo trifft. Streit und Intrigen entbrennen Duncan denkt nur an sich und versucht, andere für seine Interessen zu instrumentalisieren. Murdo will zumindest der blonden Touristin helfen, nachdem sie ihm zu Beginn zur Seite stand – eine Hand wäscht die andere. Duncans Vorhut wiederum wird durch die Templer ausgedünnt, woraufhin er gar ein Kind (Maria Nuria) opfern will und hinausschickt. Doch diesem tun die Templer nichts, dafür springt Duncans Auto nicht an… Die gegen Ende nur noch wenigen Verbliebenen dezimieren sich zu allem Überfluss auch noch selbst, nachdem es zu einem Vergewaltigungsversuch kam. Das blutige Treiben mündet in ein Herzschlagfinale bei Morgendämmerung.

Sonderlich differenzierte, ambivalente Charakterzeichnungen sind bestimmt nicht Sinn dieser Fortsetzung. Am ehesten wäre da noch Murdo zu nennen, dessen Bösartigkeit bzw. Rachsucht in der herkömmlichen internationalen Schnittfassung übrigens gar nicht im ganzen Ausmaße deutlich wird, er sich in der Komplettfassung jedoch sich nach anfänglicher Opferrolle schnell zwischen den Tätern wiederfindet. Duncans überzeichnete Egozentrik und Verantwortungslosigkeit ist auch kein Problem, dient er doch als Projektionsfläche für Autoritätskritik. Die anderen Charaktere in diesem im Gegensatz zum ersten Teil zeitweise vor Menschen nur so wimmelnden Iberenhorror jedoch entsprechen eher flachen Klischees und die romantisch angelegte Nebenhandlung ufert bisweilen auf niedrigem Niveau etwas zu sehr aus. Bei genauerer Betrachtung nicht immer ganz nachvollziehbar agieren sie alle, denn statt einfach in der sicheren Kirche zu verharren, versuchen sie immer wieder, die Flucht zu ergreifen. Zugute halten kann man ihnen jedoch, dass sich ihre Erfahrungen mit reitenden Leichen bisher auf ein Minimum beschränkt haben dürften und sie daher nicht wissen konnten, dass sie im Prinzip einfach nur bis zum nächsten Morgen warten müssen. Als Running Gag funktioniert es recht gut, dass der immer wieder antelefonierte Minister (Juan Cazalilla, „Eine Pistole für Ringo“) Duncan kein Wort glaubt, seltsamerweise scheint er aber der einzige zu sein, dessen Telefonnummer man griffbereit hat. Und dass man gegen Ende dem armen Mädchen ins Gesicht lügt, seine Eltern würden noch leben, ist zumindest fragwürdig.

Viel mehr Kritik gibt es hier durch meine Euro-Horrorkult-Brille betrachtet aber gar nicht anzusetzen, denn de Ossorio arbeitet erneut mit den gewinnbringenden Charakteristika des Vorgängers: den charakteristischen Schreien aus der unheilschwanger hallenden Geräuschkulisse, den schnellen Zooms, den langsamen Suspense-Szenen, den bedeutungsschwangeren Zeitlupen und der musikalischen Untermalung mit ihren Mönchsgesängen, die die festliche Musik auf dem Dorffest kontrastieren. Die Templer sehen immer noch furchterregend aus, diese Knochengerippe in den vermoderten Kutten, die sich ohne jeglichen Ausdruck und ohne Laute von sich zu geben langsam, doch unnachgiebig ihren Opfern nähern, wofür sie sich aufgrund ihrer Blindheit an deren Geräuschen orientieren müssen – doch es fällt den Opfern hier verdammt schwer, leise zu sein. Dadurch bekommen die Kuttenträger auch Gelegenheit, es immer mal wieder schmoddern zu lassen und in der Tat setzt der Film (natürlich in seiner Komplettfassung) immer mal wieder blutige und brutale Akzente, ohne diese zum Selbstzweck gedeihen zu lassen. Die Templer schwingen kräftig ihre Schwerter, fangen nur leider etwas leicht Feuer. Im Vordergrund steht erneut die reife atmosphärische Leistung de Ossorios und wenn diese Fortsetzung auch qualitativ nicht mehr an das Original heranreicht, so vermengt sie doch auf gekonnte, unnachahmliche Weise beschwingte Urlaubsstimmung mit herrlichem Genre-Horror der alten Schule, in der man noch nicht ADHS-geplagt war – handgemacht und schnell zum spanischen Horror-Exportschlager der 1970er abseits Paul Naschys und Co. gereift.


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