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Tödliche Dreieck, Das (1979)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 12.08.2017, seitdem 56 Mal gelesen



In Peter Hyams‘ Filmographie nimmt „Hanover Street“, hierzulande unter dem ungleich reißerischen und etwas irreführenden Titel „Das tödliche Dreieck“ veröffentlicht, einen etwas untergegangenen Status ein, wurde er doch zwischen zwei von Hyams‘ bekanntesten Filmen veröffentlicht, dem Mondlandungsthriller „Unternehmen Capricorn“ und dem Weltraumwestern „Outland“.
Dabei orientierte sich der Regisseur und Drehbuchautor nach eigener Aussage an dem 1940er Kriegsmelodram „Waterloo Bridge“, und auch „Casablanca“ als wohl bekanntester Vertreter dieses Genres springt direkt in des Zuschauers Gehirn, gerade wenn die verschnörkelten Credits noch vor Zeigen der zeitgenössischen Ausstattung jenes Flair vergangener Tage aufkommen lassen, ehe der Film ins London des Jahres 1943 einsteigt, in dem sich der amerikanische Pilot David Halloran (Harrison Ford) und die Krankenschwester Margaret Sellinger (Lesley-Anne Down) einander kennenlernen und sich während eines Bombenangriffs näherkommen. Dabei wechselt die Szene in einem effektiven Schock vom gegenseitigen Foppen der beiden zum urplötzlichen Chaos des Bombardements, kann aber kaum verdecken, dass man dem Film nicht so ganz abnimmt warum die beiden sich näherkommen.
Denn das große Problem an der Sache: Margaret ist verheiratet und hat eine Tochter mit dem Geheimdienstmann Paul (Christopher Plummer), den sie liebt, auch wenn die Ehe wenig Feuer zu haben scheint. Trotzdem führt sie die Affäre weiter, die allerdings zunehmend die Leben beider Liebender belastet – beruflich wie privat…

Was folgt, ist ein mäßig überzeugender Mix aus Kriegsfilm und Melodrama, der vor allem daran krankt, dass die Affäre von David und Margaret nie sonderlich lebendig oder leidenschaftlich wirkt, der Film trotz Zwiegesprächen und Bettszenen nie so recht vermitteln kann, was die beiden warum aneinander finden. Noch dazu sind die Dialoge manchmal schwerfällig und in ihrer pathetischen Vortragsweise stellenweise sogar nah dran an unfreiwilliger Komik. Harrison Ford hatte ja mal zu George Lucas gesagt „George, you can type this shit, but you can’t say it“, um seine Abweichungen vom Drehbuch bei den „Star Wars“-Drehs zu rechtfertigen, welche zur Charakterisierung von Han Solo beitrugen. Hätte er sich bei „Hanover Street“ nur einmal an den gleichen Grundsatz gehalten.
So wirkt der Star zwar durchaus charismatisch, vor allem in den Kriegs- und Fliegerszenen, bei den romantischen Parts aber oft etwas verloren und deplatziert. Dass Lesley-Anne Down da auch bestenfalls routiniert spielt, hilft dem Film auch nicht weiter, während sich Christopher Plummer als vom Script vernachlässigter Dritter sich da noch am achtbarsten aus der Affäre zieht. Als kleine Tochter der Sellingers ist eine sehr junge Patsy Kensit zu sehen, während der verlässliche Nebenrollenveredler Richard Masur als Teil von Davids Bomberbesatzung auf den Plan tritt und dabei Akzente zu setzen weiß.

Mit seinem eigentlich talentierten, aber nicht optimal eingesetzten Ensemble schleppt sich der Film für rund zwei Drittel seiner Laufzeit dahin, alterniert Schäferstündchen von David und Margaret mit den Einsätzen des Fliegertausendsassas und heimischen Szenen bei den Sellingers, ohne dass wirklich etwas passiert: Margaret hadert mich sich selbst und lässt deshalb schon mal die Kaffeetasse fallen, macht aber sonst weiter wie bisher, und David fliegt nicht mehr ganz so tollkühn, jetzt wo er was zu verlieren hat, wobei die Szenen an Bord der oft klapprigen Bomber zwar meist kostengünstig, aber trotzdem atmosphärisch dicht umgesetzt sind. Währenddessen trainiert Paul Agenten für eine Geheimmission im besetzten Frankreich, auch wenn er als gelernter Spion nicht so dolle zu sein scheint, wenn er noch nicht mal einen Verdacht bezüglich der untreuen Ehefrau hat.
Aus vom Drehbuch nur unzureichend skizzierten Gründen hat Paul dann aber irgendwann das Gefühl selbst auf die Mission zu gehen müssen, wobei ihn Schicksal und Drehbuch gemeinsam mit David auf jene Reise schicken, die bald verhängnisvolle Folgen hat. In dieser Phase im letzten Drittel dreht Peter Hyams dann noch einmal auf, mit immer noch vergleichsweise kostengünstig gedrehten Kriegs-, Action- und Spionageszenen, die immerhin für oberflächliche Spannung sorgen, selbst wenn man angesichts so manchen Plottwists die Drehbuchseiten rascheln hört. Das kompensiert den Mangel an Tiefe dann nicht wirklich, liefert aber immerhin ein paar kurzweilige Schauwerte.

So mag Peter Hyams vielleicht vor Augen gehabt haben den kleinen Bruder von „Casablanca“ zu schaffen – heraus kam dann allerdings eher der hässliche Cousin, den man der Öffentlichkeit lieber verschweigt. Gerade Hyams‘ Script plätschert vor sich hin und hapert an den schwachen Charakteren, was durch das begrenzt gelungene Casting nur noch verstärkt wird. Kompetent inszeniert ist das Ganze wiederum von ihm, kann aber nur im letzten Drittel Oberflächenspannung erzeugen, was dann leider zu spät ist.


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