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Running Scared (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 19.07.2006, seitdem 654 Mal gelesen



Nun ja, ich hab mal die anderen Reviews etwas durchgelesen. Tja, und wie es so oft im Leben ist, ich kann so gar nicht die Meinungen teilen :) na aber das macht ja auch nichts...

Also, zuerst einmal will ich schon vorab eine Lanze brechen f├╝r "Running Scared". Ich finde ihn gut und Basta, hahaha...nein, aber jetzt mal ernsthaft...

"Running Scared" ist sicherlich keiner der typischen Actionfilme. Er ist bizarr, brutal, ├╝bertrieben, stimmt wohl alles, was schon so dr├╝ber geschrieben wurde. Er passt sicher nicht in das Schema von Blockbustern, von Kinokassenkn├╝llern oder dem Sonntagnachmittagsausflug von geschiedenen V├Ątern mit ihren Kindern. Aber soll das ein Grund sein, warum er nicht gut sein darf?? Ich denke nicht...

F├╝r mich muss ein Action-Film einfach genial brutal sein. Die Dialoge d├╝rfen nicht zu d├Ąmlich sein - sind sie auch nicht! Also warum sollte ich mir einen Stress machen? Ich will kein gro├čes Charakterkino ├á la "Training Day", wo ein ├╝berheblicher Denzel Washington mal wieder allen zeigen will, was f├╝r ein toller Schauspieler er doch ist, jedoch auf die tragische klischeehafte Brutalit├Ąt der Stra├če nicht verzichten will. Ich will einen Film, der schonungslos Action liefert, der geile Waffen hat, der geile Typen hat, der einfach alles hat, was man sich so in seinen Tr├Ąumen unter Verbrecherromantik vorstellt.

Es ist keineswegs klischeehaft, wenn man Russen so zeichnet, wie es Wayne Cramer getan hat. Es ist irgedwo Realit├Ąt, wenn man sich in solchen Kreisen auch nur etwas auskennt...das dabei etwas ├╝bertrieben wurde, verstehe ich als k├╝nstlerisches Element ("In Too Deep" ist f├╝r mich auch so ein Fall). In einem guten Action-Film muss es f├╝r mich um gnadenlose Brutalit├Ąt gehen, sonst brauche ich ihn mir nicht anzuschauen. Ferner ist es ebenso wichtig, dass der Film rasant gezeichnet wird, dass keine ewigen Pausen entstehen, kein gro├čes Gelaber...ist "Running Scared" wirklich so viel anderst, als die Gewaltorgien eines "Reservoir Dogs" oder "Doberman"?? Allein der Grund, weil der liebe Wayne Cramer nicht den Status eines Quentin Tarantino hat oder sich Paul Walker bis eher in seichten Gew├Ąssern gefischt hat, lasse ich nicht z├Ąhlen, dass man mit diesem Film so hart ins Gericht geht! Auch die Szene mit den p├Ądophilen Ehepaar ist sicher etwas ├╝bertrieben, geht es aber da nicht viel mehr um ein Anschauungsbeispiel, einen Spiegel unserer kranken Gesellschaft?? Wie oft ist denn genau so eine Situation in den letzten Jahren passiert?? Klar ist es ├╝bertrieben, dass genau in der Nacht, wo sowieso schon so viel passiert, der kleine Oleg in den Wagen steigt, aber wenn man das au├čerhalb des Kontext sieht, dann wirkt die Situation f├╝r mich keineswegs mehr so ├╝bertrieben...es ist einfach leider heutzutage Fakt, dass es solch kranke Menschen gibt! Der Film soll d├╝ster sein, er soll traurig sein, er soll bis ins Marck ersch├╝ttern. Ich hab keine Lust mehr auf diese Sch├Ântuerkacke nach dem Motto: oh, ist doch alles nur Spa├č! Allein die Dunkelheit, die absolut verspielten Kamerafahrten, die Bullettime, die verlassenen Schaupl├Ątze sind ein Grund, warum man dem Film Klasse attestieren muss. Wayne Cramer gelingt es, eine wahnsinnige Spannung zu erzeugen und den Zuschauer trotz der sehr langen Laufl├Ąnge in den Bann zu ziehen...

Bei so viel Lob muss man sich dann wohl fragen, warum ich dem Film keine 10 Punkte gegeben habe, aber auch f├╝r mich war nicht alles vom Feinsten. Ich muss n├Ąmlich leider sagen, dass ich trotz allem Bizarren und allen Eigensinnigkeiten, die Wayne Cramer sich hat einfallen lassen (Junkies, Zuh├Ąlter, Mafiosis, korrupte Cops - eben das ganze Programm, garniert mit manch au├čergew├Âhnlichen), entt├Ąuscht bin von einem f├╝r mich falschen Schlu├č. Diesen h├Ątte er anderst machen m├╝ssen, es h├Ątte nicht zu diesem Schlu├č kommen d├╝rfen. Meiner Meinung nach zerst├Ârt er wirklich das Gesamtbild des Films...einfach Schade, denn wenn schon grausam, gemein und brutal, dann schon richtig...
Was ich auch noch bedauerlich fand, aber das ist nur ein kleiner Wehrmutstropfen, ist, dass Wayne Cramer nicht ├Âfters die Bullettime benutz hat. Es w├Ąre beim finalen Showdown so wichtig gewesen, diese Brutalit├Ąt in Bullettime zu sehen. Es w├Ąre einfach so sch├Ân gewesen, man h├Ątte sich gef├╝hlt, als w├╝rde man das erste Mal vor "Max Pain" sitzen...aber na ja, es kann eben nicht alles perfekt sein! Schade...

Fazit:
F├╝r mich ist "Running Scared" absolut sehenswert, er unterh├Ąlt angenehm, manchmal kommt man sehr zum Schlucken, aber es ist irgendwo immer ein St├╝ck Realit├Ąt dabei. Die Schauspieler, allen voran Paul Walker, haben mich ziemlich ├╝berrascht. Sie sind keineswegs, gemessen an einem Action-Film, mittelm├Ą├čig. Das nat├╝rlich nicht ein hochintelektueller Dialog dem anderen folgt, darf man bei dieser Art von Film wohl kaum erwarten. Das diese Tristess, die der Film ├╝ber lange Strecken ausstrahlt, einen irgendwie bewegt, ist allerdings bewundernswert, denn sind wir mal ehrlich, wie viele Action-Filme hat man denn schon gesehen, wo das wirklich der Fall war...

9.0/10 Punkte


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