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Running Scared (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 25.07.2006, seitdem 1888 Mal gelesen



Filme von erquicklicher Härte sind zurzeit selten, wenn dann meist im B-Bereich zu finden, doch mit „Running Scared“ ist eine kleine Hollywoodproduktion aus dem Bereich des derben Thrillers am Start.
Joey Gazelle (Paul Walker) arbeitet als kleiner Handlanger für die Mafia, riskiert seinen Hals, kriegt aber nur die miesen Jobs – wie z.B. die Waffe verschwinden zu lassen, mit der ein Undercovercop brutal getötet wurde. Ein echter Held scheint Joey nicht zu sein, trotz jahrelanger Arbeit wird er von oben herab behandelt und hat bereits ein ganzes Arsenal zu versteckenden Beweismaterials im Keller. Doch es reicht zum Leben im Eigenheim mit Frau Teresa (Vera Farmiga), Sohnemann Nicky (Alex Neuberger) und Joeys Vater.
Nebenan wohnt Anzor Yugorsky (Karel Roden), der Neffe eines russischen Mafiabosses, der seinen Sohn Oleg (Cameron Bright) häufig verprügelt. Oleg ist wiederum Nickys bester Freund und bemerkt so das Verstecken der Waffe. Als sein Vater das nächste Mal handgreiflich wieder, schießt er ihn damit wieder und flieht. Joey muss sich beeilen, um alle Beweise zu vernichten, denn sein Leben hängt davon ab…

Nach kurzer Einführung rennt Joey also verängstigt durch die Nacht, um Projektile zu mopsen, die Waffe zu finden und Oleg dazu zu bringen, nichts zu verraten. Damit legt „Running Scared“ ein wirklich hohes Tempo und fesselt den Zuschauer ziemlich schnell. Dadurch, dass nicht nur Joeys Verfolgung der Waffe beschrieben wird, sondern auch die Wege der Nebenfiguren, kann „Running Scared“ auch ziemlich flott zwischen seinen verschiedenen, durch die Bank weg interessanten Handlungssträngen wechseln. Bis zum Finale kann „Running Scared“ sein Tempo auch halten, wenngleich die Menge der Überraschungen nicht allzu hoch ist (nur das Ausscheiden der einen oder anderen Figur gegen Ende verwundert).
Da liegt dann auch die einzige markante Schwäche von „Running Scared“: Bis zum Finale verläuft der rund 116minütige Film doch etwas sehr gleichförmig. Stets trifft Joey ein wenig zu spät am letzten Aufbewahrungsort der Waffe ein und muss dann dem nächsten Besitzer hinterherhetzen. Die Tatsache, dass die Odyssee der Knarre mit ihren vielen Zufällen etwas sehr auf Freund Zufall baut, verzeiht man dabei gerne, doch erst als „Running Scared“ Olegs Weg durch die Nacht mehr beleuchtet, kommt etwas mehr Abwechslung ins Spiel.
Als Autor der Story hat Wayne Kramer jedoch einen sehr guten Job geleistet: Getreu Murphys Gesetz geht schief, was schief gehen kann, neben der Polizei betrachten auch die Russenmafia und die eigenen Leute Joeys Verhalten argwöhnisch, denn die Verbrecher dürfen nicht erfahren, dass es die Beweiswaffe war. Doch nicht nur als Autor erweist sich Wayne Kramer sehr fähig, sondern auch als Regisseur, denn „Running Scared“ unterhält vor allem durch seine visuelle Extravaganz: Gezielt eingesetzte Farbfilter, Fast Forward und Fast Rewind bei Rückblenden und vor allem abgefahrene Kamerafahrten. Doch nie ist der Einsatz der Stilmittel zuviel des Guten, sondern bleibt immer im Rahmen und einige Szenen sehen einfach verteufelt gut aus, z.B. wenn die Flugbahn der Schüsse aus Olegs Haus zurückverfolgt wird oder ein Gangster nach einem Pumpguntreffer in extremer Zeitlupe nach hinten geschleudert wird.

Vor allem in den Actionszenen kommen diese Stilmittel zum Einsatz. Davon gibt es nicht sehr viele, doch die Konfrontationen sind immer sehr stylisch gemacht und bieten harte Feuergefechte sowie Nahkämpfe. Dabei geht es immer sehr hart zur Sache, Kontrahenten werden in Brand gesteckt, via Kopfschuss abserviert und Joey an einer Stelle sogar mit Eishockeypucks beharkt. Es ist auch verständlich, dass Wayne Kramer Don Siegel als sein Vorbild angibt, denn „Running Scared“ ist vom Weltbild her noch zynischer als „Dirty Harry“: Die Zahl der Sympathieträger ist klein und selbst diese haben Dreck am Stecken, während verkommene Subjekte die Straßen bevölkern. Ein Leben ist nicht viel Wert und selbst der Protagonist ist in seinem rohen Vorgehen nicht immer heroisch. Die krasseste Szene ist jedoch sicher das Aufeinandertreffen von Teresa und dem Kinderschänderpaar, die vieles nur andeutet, aber doch in ihren Andeutungen recht heftig ist. Dass das Frauenbild in diesem Kosmos des Abgefuckten dabei etwas rückständig ist, fällt zwar leicht negativ auf, stört aber nicht wirklich.
Sonst ist Paul Walker ja eher ein 08/15-Sunnyboy, doch hier spielt er überraschenderweise wirklich hervorragend. Den dauernd fluchenden, in der Klemme steckenden Mafiahandlanger mimt er überzeugend und übertrumpft den Rest der Crew. Doch Vera Farmiga ist nur knapp schwächer und Alex Neuberger sowie Cameron Bright sind für Kinderdarsteller wirklich top. Karel Roden ist als eines der wenigen bekannten Gesichter im Cast recht gut und Chazz Palminteri hat nur eine Nebenrolle, verkörpert diese aber gewohnt souverän.

Im Mittelteil wiederholt sich „Running Scared“ zwar etwas und erst gegen kann er ein paar Überraschungen bieten, doch davon abgesehen kann man nicht groß meckern: Dank schicker Optik, weniger, aber harter Action und viel Spannung kann überzeugen und seine Schwächen vergessen machen. Man darf auf weitere Projekte von Wayne Kramer gespannt sein.


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