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Running Scared (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 2 / 10)
eingetragen am 15.04.2007, seitdem 2827 Mal gelesen



"Running Scared" bietet interessante Ansätze, ohne Frage. Ein Kleinkrimineller verschludert eine ihm anvertraute, wertvolle Waffe und verliert sie an den Nachbarbuben, der sie prompt gegen seinen Schlägervater richtet. Dann beginnt eine Jagd nach der ersehnten Pistole, auf der sich gar Erschröckliches ereignet.

So entspinnt sich ein ziemlich greller und reichlich unsinniger Film, bei dem man eigentlich nie weiß, was das gezeigte eigentlich soll. Ein Haufen reißerischer Ideen muss in Wayne Kramers Kopf herumgespukt sein, die er zu einer spinnösen Odyssee mit reichlich Gewalt und Werbung für Selbstjustiz verarbeitet hat. Im Mittelpunkt steht der aufrechte, nett aussehende amerikanische Kleinganove, der in der Küche kopuliert und sich liebevoll um sein Söhnchen kümmert - das Gegenbild gibt der besoffene, hässliche Russki im versifften Unterhemd ab, dessen Welt zusammengebrochen ist, als er in den USA das negative Ende eines John-Wayne-Films gesehen hat - vorher kannte er nur eine russische Super-8-Version, bei der dieses Ende fehlte. Man stelle sich vor: Die USA als Nicht-Happy-End-Land. Da stimmt doch schon was nicht. Als wäre man als denkender Zuschauer nicht schon gestraft genug, gibt es auch noch Dialoge, in denen sich Figuren vergewissern, dass sie so amerikanisch sind und wie toll das doch sei.

Es gibt dann noch einen Haufen Episoden, von denen ich jetzt mal nur die bekloppteste herausgreifen will. Die Frau des Kleinganoven kommt zu einem Paar mit zwei Kindern, bei dem sie den russischen Knaben sucht. Der Mann und die Frau wohnen in einer krankhaft sauberen Wohnung mit einer seltsamen Kinderparadies-Ecke. Unsere Heldin kommt dann zu einem erstaunlichen Schluss: In der ganzen Wohnung sind keine Kinderfotos! Also ist das gar keine Familie, sondern die beiden Kinder müssen entführt sein!! Hallo?? Mrs. Sherlock Holmes macht eine beliebige unverschlossene (!) Schranktür auf und entdeckt ein Sammelsurium von Beweisen für übelsten Kindesmissbrauch inklusive Mordwerkzeugen. Das liegt da einfach so rum, obwohl sonst in der Wohnung alles diabolisch organisiert ist. Logik ade, scheiden tut weh. Das gestörte Paar jammert dann eine Weile rum, bis es zum großen Akt der Selbstjustiz kommt, wodurch in billigster Weise an die Instinkte des Zuschauers appelliert wird. Das hat geradezu was von Pawlows Hundeversuch.

Am Ende gibt es dann noch einen ziemlichen Gewaltexzess, wo man auch John Noble (Truchsess Denethor in "Die Rückkehr des Königs) zu Gesicht bekommt, der hier einen Obergängster spielt. Fiesheiten wie Eishockey-Puck in die Fresse geschossen bekommen werden von extensivem Farbfiltereinsatz und ähnlichem Schnickschnack begleitet.

Insgesamt wäre es weitaus besser gewesen, den Film auf das wesentliche, nämlich die Suche nach der gestohlenen Waffe, zu beschränken und gewisse Nebenschauplätze wie die Pädophilen-Geschichte wegzulassen, die recht unbeholfen in die Handlung hineingestopft sind. Aber selbst dann gäbe es noch die äußerst ärgerliche Klischeedarstellung zwischen dem netten US-Typen mit seinem aufgeweckten Sohnemann und dem russischen Siffo mit dem geradezu autistischen Sprössling.

Am Ende kriegt man dann auch noch die volle Kelle Familienschmalz um die Backe geschmiert. Jaja, erst brisante Themen wie Kindesmissbrauch in sensationsgieriger Weise aufgreifen und dann einen auf heile Welt machen. Ab in die Tonne damit.


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