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Running Scared (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 15.05.2008, seitdem 612 Mal gelesen



"Running Scared" ist ein an den Kinokassen geflopter Underground-Thriller von Wayne Kramers. Dieser Film ging wohl an vielen vorbei, da die entsprechende Werbekampagne gefehlt hat und es sich eben einfach nicht um Mainstreamkino handelt. Und wer schaut sich heute noch gerne einen Film an, der die deprimierende Wahrheit ĂŒber eine chaotische, gewalttĂ€tige, morbide Welt zeigt. Das selbige kann man schließlich auch in den Nachrichten sehen.
Schade eigentlich, denn "Running Scared" verfĂŒgt ĂŒber eine Spannung und AtmosphĂ€re wie sie heute immer weniger im Kino zu sehen ist.

Der Film legt ein unglaubliches Tempo vor. Es gibt nur zwei lĂ€ngere Shootouts, einmal zu Beginn einmal zum Ende des Filmes. Den Rest wird der Zuschauer visuell und durch schnelle Schnitte durch die Großstadt gejagt, und fiebert bei der Suche nach einer Waffe mit.
Ein paar kleinere Subplots mindern kurzzeitig das Tempo, erzĂ€hlen dafĂŒr eine Geschichte ĂŒber kranke Menschen oder menschliche AbgrĂŒnde die teils richtig gehend erschaudern und abartiger nicht sein könnten.

Die beiden Shootouts sind knallhart Visualisiert. Menschen fliegen durch den RĂŒckschlag von Schrotgewehren weit durch den Raum, Gesichter werden mit Eishockeypucks eingedellt, Köpfe zerplatzen. Garniert wird dies mit modernen Zeitlupen-, RĂŒck- oder Vorspuleffekten. Gewalt wird hier in ihrer "hĂ€ĂŸlichsten" Art zelebriert. Hier wundert es mich, dass der Film eine Freigabe ab 16 hat, denn in einem indizierten Rambo geht es nicht viel anders zur Sache.

Der Plot erweist sich teils ein wenig zu sehr zurecht gerĂŒckt. SelbstverstĂ€ndlich treffen der Hauptprotagonist und der jeweilige ZuhĂ€lter, Junkie oder sonstige Kriminelle, der gerade im Besitz der gesuchten Waffe ist, nach teils unerheblicher Suche aufeinander. Dadurch bleibt aber das Tempo und die Spannung erhalten. Dies ist ganz besonders durch den DurchhĂ€nger im mittleren Teil des Filmes zu spĂŒren, wo die Handlung kaum voran getrieben wird.
Ansonsten ereignet sich die Verfolgungsjagd als sehr abwechslungsreich und spannend. Es gibt sehr viele Wendungen und Überaschungen auf die Story und die Charaktere bezogen.
Ganz besonders erschĂŒtternd ist eine Szene in der sich ein freundliches PĂ€rchen als KinderschĂ€nder herausstellt. Dieses Thema ist gerade durch aktuelle VorfĂ€lle in den USA und leider auch in unserem Nachbarland Österreich, durch den Inzestskandal, höchst aktuell und ebenso brisant. Im Film wird diese kontroverse Darstellung durch einen beispiellosen Racheakt gelöst. Hier kann ich nur sagen: So wirds gemacht!
Leider wird es zum Schluß etwas arg abstrus. Ich selbst war mir nicht sicher, ob und wie es ein befriedigendes Ende geben könnte. Wayne Kramers entschied sich fĂŒr ein sehr emotionales Überaschungsei in dem die Hauptprotagonisten ein Leben mit neuer Grundlage weiterfĂŒhren können. FĂŒr mich ein wenig zu sehr beigezogen und wenig selbsterklĂ€rend.

Was immer wieder erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass Schauspieler in, im Endeffekt wenig geliebten Filmen, ĂŒber ihre Grenzen hinaus gehen. Paul Walker, bekannt aus "The Fast and the Furious” oder "Into the Blue", legt hier seine derzeitige Bestleistung hin und charakterisiert seine Person als Kleinkriminellen Joey Gazelle Ă€ußerst emotional und furios. Desgleichen der junge Cameron Bright ("Ultraviolet“) der hier als stĂ€ndig teilnahmslos Miene verzerrender Oleg als Jagdobjekt und mißhandelter Junge agiert.
Auch die restlichen Schauspieler spielen ihre Rolle sehr ordentlich, verpassen ihrem Charakter den passenden Anstrich und unterstreichen ihre Handlungen und BeweggrĂŒnde je nach Situation. Hier passt wirklich alles zusammen.
Der Soundtrack ist sehr stimmig und unterstreicht die dĂŒstere Untergrund Hetzjagd.

Als Minuspunkt wĂ€re noch die nicht vorhandene Tiefe der Charaktere anzufĂŒhren. Ein paar RĂŒckblenden wĂ€ren vielleicht sinnvoll gewesen um den Charakteren noch etwas mehr leben einzuhauchen.

"Running Scared" ist ein typischer MĂ€nnerfilm. Keine störende Schnulze oder groß aufgetragene Verschönerung der Welt. Stattdessen pure Spannung, Dramatik und AtmosphĂ€re. FĂŒr jeden zu empfehlen der auf weniger zahlreiche, aber rasante, harte Action und eine Storyline die mitreisst, und bis an die Grenze des UnertrĂ€glichen geht, steht.

9 / 10


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