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Phantom Seven (1994)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 12.05.2006, seitdem 454 Mal gelesen



Fei [ Li Ning ] führt eine Gruppe von sechs speziell ausgebildeten Einzelkämpfern an, die für die Regierung arbeiten und das Wohle des Landes beschützen sollen. Der nächste Auftrag vom Chief [ Kwan Shan ] lautet auf die Beseitigung des Terroristen Tsun [ Chin Ho ], der einen Waffendeal mit Abtrünnigen der Armee durchziehen will. Colonel Yim [ Wong Kam Kong ] erteilt der Einsatztruppe ihre Instruktionen, doch Tsuns mitwirkender love interest Ying [ Michelle Yeoh ] verkompliziert die Situation ebenso wie Coach [ Tsui Kam Kong ], der ehemalige Ausbilder der Gruppe...

Ironie des Schicksal, dass ausgerechnet Wonder Seven hierzulande die meistgezeigteste Regiearbeit von Tony Ching Siu - tung ist; alle Tage wieder erfolgt mal eine Ausstrahlung im Spätprogramm auf den Privaten und bringt dadurch den Film immer wieder zurück ins Bewusstsein derjenigen, die mit dem Namen seines Regisseurs vertraut sind.
Etwas sarkastisch auch, dass nach all den Jahren im Filmgeschäft Ching als Action Director immer noch populärer ist als als autarker Regisseur; beide Tatsachen haben dann auch durchaus seine Querverbindung. Abseits seiner Frühwerke Duel to the Death und natürlich A Chinese Ghost Story und Swordsman 2 hat Ching nämlich auch eine Handvoll recht unterschiedlicher Filme in Bezug auf Genre und Qualität abgeliefert; vor allem in den letzten Jahren folgte mit Conman in Tokyo und Naked Weapon als Ausführender Arm von Wong Jing sowie dem Steven Seagal Vehikel Belly of the Beast einige Produktionen, die in Verbindung mit seinem Namen einstmals undenkbar waren. Was diese Filme trotz ihrer Geschichten dann dennoch interessant machte, war dann auch stets die Tatsache, dass Ching auch immer die Umsetzung der Actionszenen übernahm; was natürlich hervorragendes wirework bedeutete. Ob es nun in den Kontext des Umfeldes passte oder nicht; bei Wonder Seven passt es nicht und gibt dem Film trotzdem seine einzigen Pluspunkte.

Wer mit dem an die Augsburger Puppenkiste gemahnendem Strippengeziehe weniger oder gar nichts anfangen kann, hat dann noch mehr Gründe, sich hierbei zu beschweren; gerade der Rest abseits der Action ist nämlich über weite Teile ein belangloses, nebensächliches Nichts.
Die aufgesetzt lustige Truppe der im Dienst der Regierung stehenden Waisenkinder, die auf ihren Hausboot zusammenleben und später mal als grössten Traum ein Geschäft [was für eins überhaupt ?] eröffnen wollen, ist schlichtweg uninteressant und indifferent. Selbst mit dem Wissen um die dahinter steckenden Schauspieler, die zumeist aus weniger bekannten Darstellern bestehen, prägen sich die Figuren kaum ein; da sie auch meistens zugunsten ihres blassen Anführers Fei im Hintergrund agieren und nur sehr geringfügig mal kontrastreichere Szenen im Bildmittelpunkt abbekommen.
Mit Tiny [ Hilay Tsui ], Monk [ Xiong Xin Xin ], Dragon [ Vincent Lau ] und Steelbar [ Roger Kwok ] fallen gleich 4 der 7 nicht oder nur arg marginal auf und sollen auch keine weitere Rolle spielen. Superman [ Andy Hui ] ist halt der mit der grossen Klappe und nichts dahinter und Nanny [ Kent Cheng ] macht natürlich seinen Eindruck wegen der Leibesfülle und muss dann auch in entsprechende Witze über seine Fettleibigkeit verwickelt werden: Gleich zu Beginn verdrischt er einen Gangster mit einer Riesigen Fleischwurst.

Der Filmanfang zeigt auch gleich in kompakter Ausführung die in den anschliessenden 90min folgenden Stärken und Schwächen auf; man steigt mit dem ersten Bild ein und präsentiert noch vor dem Vorspann seine Einleitung als sehr flinke Sequenz. Mehrere Überfälle und die darauffolgende Flucht von Gaunern gen schützende Grenze China geben die Prämisse für den Auftritt der Geheimtruppe vor, die über die Erfassung der Räuber eingeführt werden. Jeder darf auf seine Art den jeweiligen Antagonisten schnappen, jede Aktion wird mit dem patentierten Drahteinsatz aus der Chingschen Werkschmiede unterstützt; ob es nun realistisch aussieht oder eben nicht ist nicht die Frage, die hier gestellt wird.
Zumindest ist dieser Prolog rasant, auch durchaus abwechslungsreich und bis auf den offensichtlich fehlenden Wirklichkeitssinn auch sehr wohl gut anzuschauen. Da man dieses Prinzip dann sehr häufig im Film vorfindet und die allgemeine Zahl aktiver Sequenzen nicht zu verachten ist, wird eben doch ein zumindest kurzweiliger Film daraus; auch wenn ein Qualitätssiegel abseits des Unterhaltungsfaktor beileibe nicht vergeben werden kann.

Zu dumpf ist die Liebesgeschichte und seine daraus resultierende Ménage à trois, zu unbeholfen die versuchten emotionalen Elemente. Die Nebenlinie mit Fei und Ying kann man sowieso gleich kappen, weil dort schon allein die Schauspieler nicht überzeugen und der dazu addierte Klischeepunkt „Guter Gauner mit Herz“ / „Böser Gauner ohne Skrupel“ durch das übliche Chargieren von Chin Ho als Tsun auch flachfällt.
Zu banal auch der eigentliche Terroristenplot und seine Umsetzung, was zudem noch sehr nach Comicatmosphäre schmeckt und mit der Erkennungsmelodie geradezu zugekleistert wird.
Und viel mehr ist ja nicht gegeben; die wohl dramatisch angehauchte Episode um Dragon und seine von der Regierung wiedergefundene Mutter scheitert schon daran, dass es sicherlich einen trifftigen Grund dafür gab, dass er a ) mal im Waisenhaus landete und b ) nicht die Mutter nach ihm gesucht hat, sondern nur die Regierung nach ihr. Wiedersehen macht Freude sieht dann wohl anders aus, auch wenn der Sprössling dann mit noch soviel Geschenken antanzt. Dass Dragon dann natürlich auch derjenige ist, der als Erster der Gruppe ernsthaft in Gefahr gerät, schiebt die ganze Angelegenheit dann erst Recht in die Kategorie „misslungener Tiefgang“; zumal von der Familienzusammenführung auch nie wieder ein Wort erwähnt wird.

Symptomatisch für den narrativen Aufbau wird sehr häufig ins Wasser gefallen sowie die gesamten Bilder ständig mit Zeitlupen unterschiedlichster Verzögerung ausgestattet; selbst kleinste Bewegungen und Griffe werden ständig entschleunigt; wobei die permanente Betonung von Nichtigkeiten den Film nicht wirklich gescheiter macht, ihn aber recht effektvoll in Szene setzt. Sicherlich wertet das die handlungstechnischen Zwischenszenen nicht in ihrem Inhalt auf; aber die reelle Zeit durch die Bedeutungsintensivierung zu verwirren, zu brechen oder gar aufzuheben und dann die Intervalle zwischen den Actionstücken sehr gering zu halten verleiht dem Film erst das gefühlte Tempo. Ausserdem schafft der so beibehaltene Rythmus auch in den normalerweise erst zu akzentuierenden Actionszenen einen flüssigen Übergang; diese gliedern sich optimal ins Metrum ein, statt als externe Höhepunkte aussen vorzustehen.
Natürlich ist hierbei ununterbrochen die Kabeltechnik sowie eine stattliche Menge Unwahrscheinlichkeiten auszumachen, was durch die arretierte, immerwährende Verlangsamung auch noch mehr negativ auffällt. Ching und seine Assistenten Xiong Xin Xin, Deon Lam, Lau Chi Ho und Lo Ta Yu verweigern sich beharrlich einer bodenständigen Realisierung und lassen wie im Kasperletheater schweben und fliegen, dass es schon nicht mehr schön ist.

Die Einlagen sind recht zahlreich, aber anfangs auch immer eher klein gehalten, erst der Showdown geht mal etwas länger und haut dann auch wirklich richtig fest in die Kerbe: Ein Wolkenkratzer wird von unten nach oben infiltriert und gestürmt, gleich drei Parteien – wobei zwei zahlenmässig unendlich sind – liefern sich ihr Gefecht um die Vorherrschaft. Die Mankos bleiben wegen dem Rigorismus der Choreographie zwar die gleichen und gerade bei dem Aufbau kommt es zu einigen unfreiwilligen Lachern [Tsun erwartet seine „Gäste“ mit einer eigens aufgestellten Schlagzeugcombo im Parkhaus; Coach lässt seine Schergen im Kässbohrer – Bus anrollen]; werden aber durch die zwanzigminütige schiere Destruktionswut und dem rapiden Höhertreiben des bodycounts locker ausgespielt. Wenn die Leichenberge angehäuft werden, das Gebäude von innen heraus gesprengt und mit Fahrstühlen um sich geworfen wird, hat der Overkill soweit eingesetzt, dass man für paar Minuten doch den Unsinn drumherum vergisst.

Das kann den Rest allerdings nicht ungeschehen machen und spätestens bei der nächsten Programmierung fällt einem auch wieder ein, warum man die Beteiligten eben nicht mit Lobhudeleien überschütten sollte.


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